2004 Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese

Bei der Gault Millau-Präsentation 2014 hatte ich zu meiner großen Freude die Ehre, die Laudatio auf den Siegerwein in der Kategorie „Zehn Jahre danach“ zu halten. Das ist eine Lieblingskategorie von mir, denn solch gereifte Köstlichkeiten sind unkopierbare Schätze der deutschen Weinkultur. Unverwechselbar ist der fulminante Sieger dieser Kategorie: 2004 Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese vom Weingut Joh. Jos. Prüm.

Legendär wie der Winzer selbst ist auch die Lage: Die Wehlener Sonnenuhr, deren Namen im übrigen Dr. Manfred Prüms Vorfahren zu verdanken ist. Auf silberbläulichen Schiefer-Steillagen wachsen hier mit die besten fruchtsüßen Rieslinge der Welt, die der Mosel bereits im letzten Jahrhundert zu Weltruhm verholfen haben und an deren einstigen Größe heute erfreulicherweise wieder angeknüpft wird. Dabei gehört Prüm zu den ganz wenigen, die über all die Jahrzehnte Kurs gehalten haben – wie ein Fels in der Brandung ist er seinem traditionellen Stil treu geblieben. Inzwischen blickt er auf über 50 Jahrgänge zurück!

In der Jugend eigenwillig, auch wegen der deutlichen Spontangäraromatik, den so mancher als Böckser tadelt, zeigen die Prümschen Rieslinge erst nach vielen Jahren ihr prächtiges Potenzial. Dabei behalten sie eine erstaunliche Jugendlichkeit. Solche Rieslinge gelten ohnehin als die Inkarnation des filigranen moselanischen Spiels. Und genau diese Leichtigkeit des Seins kommt in der 2004er Wehlener Sonnenuhr bestens zum Ausdruck. In der Nase präsentiert sie sich elegant mit zart-verspielter Reife und einem Hauch schwarzer Johannisbeere und Maiglöckchen. Am Gaumen grosse Balance, dabei kristallklar mit präziser Struktur, dabei ungemein jugendlich wirkend mit schiefermineralisch-pikanter Frische und einem Hauch Feuerstein im ewig langen Finale.

Bewertung/Trinkempfehlung bis: 19/20 –2024

Weintipp und Foto: Giuseppe Lauria


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