Thorstens Weintipp: 2014 Erbacher Marcobrunn Riesling Kabinett

Der Letzte seiner Art

Strenge Qualitätsvorgaben hat sich das Eltviller Traditionsweingut Baron Knyphausen bereits in den 1980er Jahren zusammen mit anderen Rheingauer Weingütern in der «Charta Rheingau» auferlegt. Zudem ist Weingut Knyphausen seit langem Mitglied im Verband der Prädikatsweingüter (VDP), arbeitet also im Grunde mit zwei Regelwerken. Seit dem Übergang der Charta in den VDP weisen die Reglements eine hohe Schnittmenge auf – Unterschiede existieren in erster Linie bei der Frage, welche Weine mit einer Lagenbezeichnung versehen werden. Kabinettweine dürfen nach den jetzigen Regeln des Verbands der Prädikatsweingüter nur bis einschliesslich Jahrgang 2014 mit Angabe der Lage vermarktet werden.

Damit ist WEINWISSERs aktueller Weintipp, der 2014 Erbacher Marcobrunn Kabinett, der Letzte seiner Art. Wer als Weintrinker gefallen an dem trockenen Kabinettstil des Weinguts Knyphausen gefunden hat, muss trotzdem künftig nicht darauf verzichten: «Der Kabinetttypus ist zukünftig im Bereich VDP.Gutswein als Charta Kabinett (stilistisch am oberen Rand der trockenen Analytik) sowie trocken als Ortswein Erbach in unserem Portfolio enthalten », erläutert Juniorchef Frederik zu Knyphausen. «Letztlich sind die Ortsweine der letzten Jahre immer Kabinetttypen».

Frederik zu Knyphausen muss es wissen, hat er die Geschäftsführung des Weinguts doch vor kurzem übernommen. Er möchte den Betrieb neu aufstellen, ohne dabei die lange Tradition des Familienweinguts zu leugnen. Wir dürfen gespannt sein, wie sich das in Zukunft in der Weinqualität ausdrückt.

Mit der Sonderfüllung des Erbacher Marcobrunn Kabinett ist jedenfalls ein ausdruckstarker Vertreter seiner Art gelungen. Der Besitz des Weinguts in der bekannten Lage Marcobrunn beschränkt sich auf wenige Parzellen, somit werden von diesem besonderen Wein nur einige hundert Flaschen gefüllt. Schnell zugreifen lohnt sich.

Verkostungsnotiz

2014 Erbacher Marcobrunn Riesling Kabinett, Weingut Baron Knyphausen: Zeigt sich im Glas mit klarem Zitronengelb und ist dabei etwas ölig am Rand. In der Nase eher tiefgründig. Die feinen herbalen Noten von Thymian sowie dezenter Minze sind zunächst recht präsent, bevor sich mit mehr Luft erst Zitrone, dann Mirabelle und schliesslich Steinobst zeigen. Am Gaumen im ersten Eindruck eher mit Schmelz, Fülle und etwas Zitrusfrucht aufwartend, dabei getragen von viel Körper.
Im Mittelteil setzen sich stärker die herbalen Töne durch und insbesondere zum Abgang hin sorgt eine weiche Bittermandel mit etwas Kalk für Substanz. Im Abgang wie schon in der Nase stärker Thymian und generell ein ätherisches Spektrum. Der Alkohol ist zwar mit 11,5 Vol.-% schon an der Grenze dieser Kategorie, dennoch tritt er letztlich klar hinter Säure und herbaler Stilistik zurück. Die Säure gibt durchaus Struktur, wirkt dabei jedoch nie spitz.
Dem Wein fehlt es somit nicht an der nötigen Beschwingtheit, von der ein Kabinett immer lebt. Dank des sehr guten Trinkflusses ist das Glas vergleichsweise schnell leer. Wer sich 1 bis 2 Gläser für die nächsten Tage aufhebt, wird mit einer interessanten Entwicklung belohnt: Die ätherischen und würzigen Komponenten und reife Steinobstaromen, wie sie in dieser Form nur ein Riesling zeigen kann, kommen stärker zur Geltung.

17/20 2017–2022

Weintipp: Thorsten Kogge, Weinetikett: Baron Knyphausen


Bewertungskategorien:

ww_punktetabelle

 

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.