Domaine Montirius: Weinwunder Minéral

Um grosse Weissweine in Südfrankreich zu erzeugen, müssen verschiedene Faktoren zusammenkommen. Es braucht einen kargen Boden, die richtigen Rebsorten und einen Winzer, der es durch bewusste Bodenbearbeitung versteht, einen Austausch zwischen den im Boden enthaltenen Mineralsalzen und der Rebe zu ermöglichen. Dann kann das Wunder geschehen, dass in einem heissen und trockenen Klima Weissweine entstehen, die ausserordentlich frisch und anregend wirken und ein beachtliches Alterungspotenzial besitzen. Der Minéral ist ein solches Weinwunder.

Domaine Montirius in Vacqueyras zählt zu den Pionieren in Sachen Biodynamie. Eric und Christine Saurel begannen 1996 damit, ihr Gut konsequent umzustellen. Auslöser dafür waren gesundheitliche Probleme Christine Saurels, die sich nach der Geburt ihrer ältesten Tochter Justine 1989 einstellten. Hilfe brachte die Homöopathie. Damit begann das Paar, sein persönliches Verhalten grundlegend zu verändern, sowohl in Bezug auf Gesundheit und Ernährung, als auch in punkto allgemeiner Lebenseinstellung. Daraus ergab sich zwangsläufig auch das Infragestellen der bisherigen Bewirtschaftung ihrer Weinberge. Schon 1987 hatten die Saurels Herbizide endgültig aufgegeben und die Bodenbearbeitung aufgenommen. Drei Jahre später folgte die Abkehr von den Pestiziden. 1996 gab die Begegnung mit François Bouchet, Vorreiter der Biodynamie im Weinbau, dann den entscheidenden Anstoss zur Umstellung. Die Zertifizierung durch Ecocert und Biodyvin folgte 1999. Ecocert zertifizierte 2012 alle Jahrgänge der Domaine von 2006 an als Biowein in Übereinstimmung mit den neuen europäischen Auflagen zur Vinifikation.

Die 58 Hektar Weinberge der Saurels gehen auf Erics Grossväter zurück, die unter Erics Vater Max zusammengelegt wurden. Die Trauben lieferte der Vater an die Genossenschaft von Vacqueyras. Eric stieg gemeinsam mit seiner Frau Christine 1986 in das Familiengut ein. Mit ihrer fortschreitenden Hinwendung zum biologischen und biodynamischen Weinbau und der damit zunehmenden Qualität ihrer Trauben wuchs der Entschluss, sich selbständig zu machen. Dies geschah mit dem Jahrgang 2002.

Seither hat sich die Qualität der Weine von Montirius fortwährend gesteigert. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Roten der Appellationen Vacqueyras, Gigondas und Côtes du Rhône. Clos Montirius und der Gigondas Confidentiell zählen zu den überzeugendsten Rotweinen der südlichen Rhône.

Eric und Christine Saurel kreierten gemeinsam den weissen Vacqueyras Minéral 2004. Er stammt von einer 1,82 Hektar grossen Parzelle mit alten Schwemmböden aus der Mindel-Zeit, sogenannten Garrigues-Böden, die in der Tiefe aus Sand und Sandstein bestehen. Die im Durchschnitt 30 Jahre alten Rebstöcke verteilen sich zur Hälfte auf Bourboulenc und zu je einem Viertel auf Roussanne und Grenache Blanc. «Meiner Ansicht nach», sagt Eric Saurel, «muss eine gute Assemblage eines Weissweins der südlichen Rhône einen vorherrschenden Anteil an Bourboulenc oder Clairette als ihre Basis haben. Diese erbringt eine schöne Frische, eine gute saure Ausgewogenheit im Weisswein und auch die Mineralität sowie eine schöne Struktur.

Der Bourboulenc ist die Königsrebsorte auf trockenen Garrigueböden. Er versteht es, dort eine wunderbare Frische und grosse Mineralität auszudrücken.» Dabei muss man darauf achten, ihn auf guter Reife zu lesen, denn bei ihm handelt es sich um die späteste der weissen Rhône-Sorten. Den Grenache Blanc hat Eric auf tonhaltigem Mergel gepflanzt, der die Rundheit in den Weinen verstärkt. Die Roussanne dagegen zeigt ihre Finesse und Mineralität, wenn sie auf Sand und Sandstein wächst. «Was uns betrifft», bemerkt Eric, «haben wir eine grosse Zuneigung zum Bourboulenc, denn er erlaubt eine lange Alterung der Weine und zeigt beim Ausbau in Flaschen Noten von Petroleum, die man bei den grossen Rieslingen des Elsass’ oder den grossen Weissen des Burgunds wiederfindet».

Als mir Eric Saurel 2011 bei meinem zweiten Besuch auf Montirius eine Vertikale des Minéral von 2010 bis 2004 präsentierte, zeigte der Wein sein ausgezeichnetes Alterungspotenzial und reihte sich für mich schon damals nahtlos unter die seltenen grossen Weissweine der südlichen Rhône ein. Die jetzt für Weinwisser durchgeführte Vertikale von elf Jahrgängen konnte das nur unterstreichen.

Bemerkenswert ist, dass der Minéral im Tank vergoren und ausgebaut wird. Alle drei Sorten mit skin contact. Üblicherweise werden Grenache Blanc und Roussanne gemeinsam vergoren und der oft mehr als einen Monat später reif werdende Bourboulenc für sich. In den letzten beiden Jahrgängen liessen die Saurels – nun mit Tochter Justine – die Gärtemperatur auf 18 °C ansteigen, was sie als ideal für ihre Spontanhefen ansehen.

Ausserdem wird dadurch eine Reduktion während der Gärphase vermieden. Die beiden Weine werden assembliert und abgefüllt. Die Produktion beträgt bei einem Durchschnittsertrag von 21 Hektoliter pro Hektar 5.000 Flaschen. Während das Gut vorsichtig von 4 bis 6 Jahren Konservierung spricht, erreicht das Alterungspotenzial in den besten Jahrgängen 15 und mehr Jahre. Wie die Verkostung bewies, trägt der Minéral seinen Namen völlig zu Recht.

Text: André Dominé, Foto: Christine und Eric Saurel

Abonnenten wissen mehr: Vertikale mit 10 Jahren Minéral AOC Vacqueyras Sarrians gibt’s in:

→  WEINWISSER Heft 7/15
ab August 2015 in der Artikeldatenbank des Online-Archivs!

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.