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Château Rayas – der mythische Superstar unter den Papstweinen

Eine Vertikale mit Rayas schönen Nachbarn wie Château Beaucastel, Clos de Papes, La Nerthe und Domaine du Pegau
Château Rayas – der mythische Superstar unter den Papstweinen

Die Vertikale mit Rayas & Co. zeigte Top-Jahrgänge wie 1990 und ging zurück bis 1979

von Chefredakteur Giuseppe Lauria

Das Kult-Weingut Château Rayas gehört zu den besten und gesuchtesten Weingütern im Châteauneuf-du-Pape und zählt längst zu den besten Weingütern Frankreichs. Das zwölf Hektar «kleine» Weingut ist seit 1880 im Besitz der Familie Reynaud. Während die meisten Weine der Appellation aus einer Fülle von verschiedenen Rebsorten komponiert sind, besteht der rote Rayas nur aus Grenache-Trauben. Der Stil eines grossen Rayas ist geprägt von Frische und Finesse, wie man sie kaum in anderen Weine der Appellation Châteauneuf-du-Pape antrifft. Eingefleischte Rayas-Fans lieben das Burgundische an diesem Wein, der trotz seiner hohen Umdrehungen tatsächlich «schlanker» und finessenreicher wirkt. So war es besonders spannend, ihn gemeinsam mit anderen Superstars wie du Pegau und Beaucastel zu verkosten. Ort für diese spannende Probe, die vom Raritätenhändler Uwe Bende angeboten wurde, war der schicke Probenraum vom Weingut Dr. Loosen in Bernkastel-Kues an der Mosel. Verkostet wurde blind in drei Flights. 

 

Umgeben von Wald – Château Rayas besonderes Mikroklima

Eine weitere Besonderheit von Rayas ist das Zusammenspiel aus kargem Terroir und dem hohen Bestand an alten Reben. In diesem sehr kargen Terroir müssen die Reben fürs Überleben tief wurzeln. Die Böden bestehen aus Lehm, auf dem eine Schicht Mergel liegt und darüber rötliche und gelbe Sande. Die in Châteauneuf-du-Pape so typischen kugelförmigen hellen Steine (siehe Bild auf Seite 10), die »Galettes«, sind hier nicht anzutreffen. Eine weitere Besonderheit: Die 12,5 Hektar liegen Mitten im Wald auf den „Lieux-dits“ Pignan und Le Rayas. Diese Lage ist auch deswegen besonders, weil durch die umliegenden Wälder ein kühlender Effekt eintritt. Dieses besondere Mikroklima und die sanftere Vinifikation lässt die Weine heller und „burgundischer“ erscheinen. Die Grenache-Trauben werden in Betontanks vergoren und anschliessend in alten Fudern von 450 bis 3.300 Litern zwischen 18 und 24 Monaten ausgebaut.

 

Aparte Duftkombination

In der ersten Begegnung mit Rayas fallen direkt drei Dinge auf: Zum einen die sehr helle Farbe, zum anderen die trotz der Reife und Kraft relative Frische und Feinheit der Weine. Und drittens findet sich im komplexen Aroma von Rayas neben getrockneten Feigen, Zitrusfrüchten, Oliventapenade auch ein Hauch von ätherischen Noten, die an Pinienwald erinnern. Diese „Pinienwald-Ätherik“ findet man auch häufiger in den Weinen von Bolgheri, wo die Reben ebenfalls von Pinienwäldern umgeben sind. Dazu kommen verblüffende Aromen von Zitrusfrüchten, die an kandierte Orangenschale und Mandarino (Bittermandarinen) erinnern. Dieser rote Faden war während der Blindprobe gut erkennbar.

Die Produktion des roten Rayas liegt bei rund 16.000 Flaschen jährlich, vom weissen Rayas gibt es 5.000 Flaschen. Im Jahr 1978 übernahm Jacques Reynaud die Leitung von Château Rayas von seinem Vater. Zwanzig Jahre lang bestimmte er die Qualität der Weine von Rayas, die in dieser Ära zu internationalem Ruhm gelangten. Ab Mitte der 1990er wurden die Weine generell in der Appellation etwas moderner und gefälliger, es wurde weniger entrappt und die Tannine weicher gemacht“, erzählt Uwe Bende. Manche nennen das den Beginn der sogenannten „Parkerisierung“ der Weine, die Weinen wurden „schmusiger und früher trinkbar gemacht“. Dank der hohen Bewertungen  zogen die Preise an. Heute wird das Gut von Emmanuel Reynaud, dem Neffen von Jacques geleitet. Aufgrund der kleinen produzierten Mengen werden die Weine jedes Jahr zugeteilt und sind sehr schwer zu bekommen.

Auch wenn ich nicht so tief in die Punktekiste greifen würde, was möglicherweise an der Güte der dargebotenen Jahrgänge gelegen haben mag, so hat mich die hohe Wiederkennbarkeit und die seidige Textur zusammen mit dieser aparten Duftkombination schon sehr angemacht. Nicht zu vergessen, die anderen Boliden in dieser spannenden Probe wie Domaine du Pegau, Clos des Papes, Beaucastel, La Nerthe und Clos du Mont Olivet sowie Domaine Beaurenard.

 

DIE VERKOSTUNGSNOTIZEN DER DREI FLIGHTS:

Flight 1:

1990 Clos des Papes: Sehr dunkles, sattes Rubingranat. Weitgestaffeltes, grosses, warmes Bouquet mit herrlicher, tiefgründiger Würze, getrockneten Pflaumen und süssen Beeren. Das holt mich sofort ab. Ein Bouquet, das einen Wein von grosser Persönlichkeit ankündigt (es wurde blind probiert). Im Mund kraftvoll, satt und dicht gewoben mit süsser Beerigkeit, dennoch faszinierend transparent und mit seidiger Cremigkeit, sehr lang, intensiv nachhallend mit edlen würzigen und bitterschokoladigen Anklängen. Der letzte Jahrgang, der nicht entrappt wurde. Sicher noch grosses Potenzial. 19.5/20 –2030

1990 Château du Beaucastel: Helles Ziegelrot, erstaunlich heller als der Vorgänger (Clos des Papes). Extrem duftiges, finessenreiches Bouquet mit reifer Pflaume, gedörrten Feigen, getrockneten Kräutern, warmer Erde und süsslichem Tabak. Dahinter im zweiten Ansatz balsamische Noten, die mit Luft leicht ins Oxidative abdriften. Im Mund mit grandioser Finesse und genialer Süsse ausgestattet, dabei trotz aller Kraft subtil und delikat, was für eine seltene Liaison! Grandios! 19.5/20 –2028

1990 Domaine Beaurenard, Cuvee Boisrenard: Dichtes Burgundrot, satte Mitte, rotbrauner Rand. Noch sehr jugendlich, fast verschlossenes Bouquet, sehr tiefgründig, in sich ruhend, nichts beweisend wollend. Auch im Mund von nahezu zeitloser Schönheit, tief, griffig, mit saftiger Süsse von gematschten Beeren. Wunderbar tiefgründig mit kaskadenartiger Struktur. Sehr lang, vielschichtig und distinguiert. Hat noch Reserven. 19/20 –2028

1989 Château La Nerthe Cuvee des Cadettes MAGNUM: Der Jahrgang 1989 hat viele grosse Weine hervorgebracht. Reife Cuvees des Cadettes gehören zu den Aushängeschildern der Appellation. Dunkles Rostbraun, satte Mitte. Dichtes, tiefgestaffeltes Bouquet mit Palisandernoten, Nana-Minze und Fleischsud. Ebenso am Gaumen dicht und voluminös, enorme Fruchtfülle, die den Mund total auskleidet, im schier ewig langen Finale mit interessanten Noten von Pflaumen- und Feigenconfit sowie Nussschokolade. 19/20 trinken

Flight 2

1989 Domaine du Pegau Cuvee Laurence: Dichtes, vielschichtiges Bouquet mit tiefer (tertiärer) Würze, dunklen Kirschen und einem Touch Animalik (Pferdesattel). Im Mund sehr saftige dunkle Kirschfrucht, die von einer würzigen Pikanz getragen wird, hat was dunkelpfeffriges, fast rassiges, aber auch likörig-reife Noten. Zum Finale hin wieder dieser köstliche Eindruck von Zartbitter-Schokolade. Der Wein trinkt sich gerade genial, für mich jetzt auf dem Höhepunkt. Hätte ich ihn im Keller, würde ich den jetzt trinken. 19/20 (aus)trinken

1979 Clos du Mont Olivet: „Der 1979er Mont Olivet ist ein grossartiger Tropfen, der wie auch bei anderen Domainen, den grossen 1978er langsam überflügelt“, erzählt uns Bende. Erstaunlich satte Farbe für das Alter. Geniale Nase mit tiefgründiger Würze, Kirschlikör, Feigenconfit, Oliventapenade und warme Garrigue-Noten. Trotz der Kraft bleibt der Wein im Mund elegant und frisch. 18/20 trinken

1985 Clos du Mont Olivet MAGNUM: Dichtwürziges Bouquet mit gekochten Früchten, Kirschlikör, Pflaume sowie an Herbst erinnernden Noten, Garrigue, Oliven, Orangenschale und Pfeffer. Im Mund recht elegant und mit feiner Rasse, die Aromatik geht eher in Richtung balsamisch-ätherischen Noten, die von einer druckvollen Säure und Rasse begleitet wird und dem Wein trotz der oxidativen Noten eine erstaunliche Frische gibt. 18.5/20 trinken

Flight 3:

2008 Château Rayas Reserve: Der Rayas fiel schon mit seiner deutlich helleren, transparenten Farbe auf. Geniale Duftkombination aus ätherisch-kräutrigen Noten, die an Ricola-Bonbons erinnern, ein Hauch der im Text beschrieben Pinienwald-Ätherik sowie Blutorange und etwas Flüchtige. Was für ein apartes Parfüm! Im Mund sehr eigenwillig, elegante und kernige Eindrücke wechseln sich ab, dabei feinmaschiger, weniger auf Volumen und Fülle setzend. Sehr distinguiert, mit leicht angerauten Gerbstoffen, die dem Wein etwas Kompakt-Kerniges geben. Für Insider  ist der 2008er die Rückkehr zur Rayas, wie sie früher waren. 18.5/20 –2028

2003 Château Rayas Reserve: Einer der Besten Jahrgänge in Châteauneuf-du-Pape mit vielen grossartigen Weinen. Mittelkräftiges Karmingranat, orangene Reflexe, deutlicher Wasserrand. Entgegen so mancher Vermutung: Der Wein ist weder hitzig, noch fett, erstaunlich wenig Überreife. Sehr reife, aber lebendige Kirschenfrucht, unterlegt von aparter Kräuterwürze, dann wieder diese hochreifen Zitrusnuancen, dahinter auch ein Touch Leder und Animalik. Kraftvoller und saftiger Gaumen mit erstaunlicher Frische und Rasse, auch das Tannin ist präsent und knackig, im Abgang feine Noten von Bitterschokolade und Dörrobst. 19/20 –2027

2004 Château Rayas Reserve: Anders als der 2003er stehen hier erdig-mineralische und kühle, ätherische Noten im Fokus. Dazu kommen hellrote Früchte (Touch Himbeere), reife Zitrusnuancen wie Orangenschale, dann Kaffee, Eukalyptus und brauner Zucker. Im Mund enorm druckvoll, schöne Liasion aus saftiger Eleganz mit delikater Mitte und mineralisch-ätherischen Noten, sehr lebendig, geradezu lebhaft-kernig und viel typische Kräuterwürze und Garrigue. Hat noch weiteres Potenzial und es kann gut sein, dass er dem heisseren, gehypten 2003er auf der langen Strecke den Rang ablaufen kann.19/20 –2030

2003 Domaine du Pegau Cuvee Reserve: Kompottiges, dichtes Bouquet mit rosinigen und Johannisbrot-Noten, dahinter aber auch mineralisch-reduktive Anklänge, etwas Schiesspulver, herrlich reife blaue Beeren und Majoran. Im Mund sehr kraftvoll, fast viskos mit expressiver Süsse und im wahrsten Sinne des Wortes „vollmundig“ und konzentriert, aber durchaus mit Frische. Die euphorischen Oden, insbesondre von Châteauneuf-Liebhaber R. Parker, an diesen Wein kann ich nicht ganz nachvollziehen. 18/20 trinken

2004 Clos des Papes: Nachdem 2003er du Pegau wirkte dieser Wein geradezu jugendlich. Herrlich frische und saftige dunkle Beeren, Pflaumen prägen zusammen mit würzig-erdigen Noten und Kräutern der Provence das duftige Bouquet. Sehr dichter, konzentrierter Gaumen mit toller, kontrastierender Frische und eher rotbeeriger, druckvoller Frucht. Kann noch liegen bleiben. 18.5/20 2022 – 2038

Das gesamte Heft finden Sie hier: https://bit.ly/chateauneufdupape-Spezial

Bezugsquelle: PASSION VIN Weinhandel, Sébastien Visentin, Tel. +49 30 617 896 05

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