Klausener

The big 3 K’s – Klausener und Kalb und Käse

«Ich fange nie mehr was an einem Sonntag an», diesen Titel sang einst Monica Morell. Sie wurde in Menziken geboren. Rund 34 Kilometer Luftlinie davon entfernt fand ein ganz besonderes Wein-Lunch in Birmenstorf statt. Auch an einem Sonntag. Im gemütlichen Gasthaus Bären.

Neben einem Menü mit Kalbfleisch wurden viele Weine von der Tessiner Familie Klausener entkorkt. Den milchig-würzigen Abschluss lieferten ganz besonders reife Käse. Rund 90 Gäste fingen mit diesem Sonntag «etwas ganz Besonderes an»!

Die Geschichte dahinter ist folgende: Als Rolf Beeler vom Tessin zurückkam, berichtete er ganz fasziniert von den neuen Klausener-Jahrgängen.«Von reiferen Weinen habe ich noch recht viele in meinem Keller», antwortete ich. Und wir kamen überein, dass man doch «irgendetwas» damit machen sollte.

In Absprache mit Harry Pfändler vom Bären in Birmenstorf wurde ein Datum für das Wein-Lunch gefunden und eine Formel mit den drei oben erwähnten «K’s» definiert. Alles zu einem sehr attraktiven Veranstaltungspreis.

So war es denn nicht verwunderlich, dass der Bären schnell ausgebucht war und in rund fünf verschiedenen Stuben und Sälen sich hundert interessierte Weinfreunde an die hölzernen Tische setzten.

Die Gäste durften die aktuelle Klausener-Angebotspalette degustieren. Danach servierte das Bären-Team sechs Risavier-Jahrgänge aus Gabriels Weinkeller zum dazu passenden Menü. Die Weine kamen sehr gut an, das Essen mundete.

Mein erstes Erlebnis mit einem Wein von Klausener liegt viele Jahre zurück. In einer Veranstaltung mit dem Titel «rund um den Wein» servierte der Veranstalter blind Weine aus der ganzen Welt vom Jahrgang 1990. Am Schluss waren alle verblüfft, da bei der Publikumswertung zwei Weine mit der gleichen Punktzahl gewannen: Château La Mission Haut-Brion und der Riserva von Klausener!

Der beste Wein von Klausener hiess früher nämlich Riserva. Seit dem Jahrgang 2004 klebt der neue Name «Gran Risavier» auf dem Etikett. Doch bevor es zur Erläuterung der Teilvertikalen von diesem Tessiner Top-Wein kommt, lassen wir das aktuelle Klausener-Angebot Revue passieren.

 

AKTUELLE KOLLEKTION

Wer schnell reagiert, kann vielleicht noch vom einen oder anderen Wein ein paar Flaschen ergattern. Denn das Weingut Klausener hat Domaine-Charakter und die Produktion ist somit sehr klein.

2013 Nottambulo, Klausener: (CHF 30). Ein ganz spezieller Blend von Liliorilla, Sauvignon Gris und wenig Muskateller. Mittleres Gelb, lindengrüne Nuancen darin, leuchtend. Feine Harznoten, frische Kamille, Löwenzahn und Melonen. Im zweiten Ansatz mit einer feinen Mineralik in leicht salziger Form aufwartend. Fülliger Gaumen mit eher defensiver Säure, zartbittere Noten auf der Zunge zeigend. Noch jung und weiteres Potenzial vermittelnd. Ein ganz spezieller Weisswein aus dem Malcantone-Gebiet. 17/20 trinken

2013 Tramonta Rossa, Klausener: (CHF 35). Dunkles Granat, recht satt in der Mitte, rubiner Rand. Beginnt mit einer recht dunklen Aromatik, frische Pflaumen, getrocknete Zwetschgenhaut, dunkles Malz und Darjeelingnoten. Im Gaumen bereits harmonisch mit einem Schwarzschokobitterton auf der Zunge, wirkt noch etwas vordergründig und braucht so noch gut zwei Jahre Flaschenreife. Männlicher Charakter. 17/20 2018 – 2024

2013 Rosso di Sera, Klausener: (CHF 35). Tiefes Purpur, satt in der Mitte, Granatschimmer am Rand. Weit ausladendes, aromatisches Bouquet: Brombeeren, Pralinen, Lakritze, zeigt eine schöne Tiefe an. Im Gaumen samtig, bleibt dabei dunkelbeerig, die Tannine sind weich. Der Wein hat seine Balance bereits gefunden und ist im Finale erstaunlich lang. Femininer Ausdruck. 18/20 –2026

2012 Baronessa Rosso, Klausener: (CHF 35). Ein Blend aus Caledon, Marselan, Arinarnoa. Extrem dunkle Farbe, Purpur mit fast noch schwarzen Reflexen. Der Nasenbeginn ist leicht reduktiv, zeigt Rauchnoten, Lakritze und feine Spuren von schwarzem Pilzmehl. Im Gaumen wieder Rauch, Pumpernickel, Szechuanpfeffer, Spitzwegerichtabletten. Ein sehr eigenwilliger, nicht einzuordnender Rotwein mit einer entsprechend «tessinfremden» Assemblage. Zwei Stunden dekantieren. 17/20 –2024

2013 Merlot Grand Risavier, Klausener: (CHF 55). Sattes Purpur-Granat, dicht in der Mitte, lila Schimmer aussen. Wuchtiges Bouquet, viel dunkelbeerige Frucht, zeigt dabei eine bemerkenswerte Tiefe. Im zweiten Ansatz: Lakritze, Teer, Périgord-Trüffel, Brombeeren und getrocknete Heidelbeeren, fein laktischer Anflug. Das gibt dem Nasenbild eine komplexe Fülle. Im Gaumen Finesse und Power gleichzeitig, eine reife Adstringenz mit gut stützenden, zukunftsversprechenden Tanninen vermittelnd. Ein sehr sympathisches Weinkonzentrat mit Merlot-Weltklasse. 19/20 2018 – 2030

Sylvain Klausener war für eine kurze Zeit im australischen Weinbau tätig, im Yarra Valley. Im Jahr 2011 half er erstmal im elterlichen Betrieb mit. Seit dem Jahrgang 2014 ist er für die Produktion zuständig. Er mag vor allem die beiden Rotweine Tramonto Rosso und Rosso di Sera. «Die sind für das Tessin und für uns besonders typisch und man muss nicht zu lange auf den Genuss warten», so seine Argumente.

 

SECHS JAHRGÄNGE GRAN RISAVIER

Hab mei Wage voll gelade! Die sechs Jahrgänge Risavier nahm ich direkt aus dem kühlen Privatkeller für die Veranstaltung mit.

2004 Merlot Gran Risavier, Klausener: Noch immer eine ansprechend dunkle Farbe, zeigt wenig Reifetöne. Offenes, ausladendes Bouquet, kalter Schokodrink, Sommertrüffel, Schwarzbrot, Darjeelingtee. Bereits zu Beginn die volle Reife im Bouquet zeigend. Im Gaumen samtig, veloursartiger Fluss, weist runde, fast mollige Tannine auf, im aromatischen Finale findet man gar noch etwas Cassisreste. 18/20 trinken

2005 Merlot Gran Risavier, Klausener: Erstaunlich junge Farbe, noch dezente Lilatöne in der Mitte vermittelnd. Auch das Nasenbild zeigt noch viel Frucht, Waldhimbeeren, ergänzt durch dunkle Beeren. Im Gaumen merkt man dann, warum der Wein sich so frisch gehalten hat: die Säure ist immer noch recht präsent und hat Mühe, sich im Extrakt einzubetten, somit ist der Fluss auch etwas aufrauend. Diesen präsenten Säurepart hat er mit vielen anderen Tessiner-Rotweinen aus dem gleichen Jahrgang gemeinsam. Ein Food-Risavier. 17/20 –2023

2006 Merlot Gran Risavier, Klausener: Dunkles, sattes Weinrot, eine ganz feine Reife am Rand anzeigend. Das Bouquet gibt sich reif, zeigt eine erdige Süsse, dann eingelegte Frühstückspflaumen, aber auch Herbstlaub und getrocknete Totentrompeten. Im zweiten Ansatz Spuren von schwarzer Schokolade. Im Gaumen kompakt, fleischig, mit noch etwas kernigen Noten auf der Zunge. Ein maskuliner Wein, welcher nasal reif ist und im Gaumen irgendwie noch weiteres Potential aufweist. Somit fehlt es da – trotz versprechendem Potential – etwas an Harmonie. 17/20 –2025

2007 Merlot Gran Risavier, Klausener: Sehr dunkel, in der Mitte fast schwarz. Das Bouquet ist spontan, bullig und genial: Cassis, Heidelbeeren, Lakritze und dunkle, sanft buttrige Karamellspuren zeigend. Im intensiven Nasenbild schwingt eine Prise Erotik mit. Im Gaumen dunkelbeerig bleibend, weist eine tolle Fülle auf, die Tannine sind fett, reich und gleichzeitig rund. Ein reueloser Genuss auf ganz hohem Niveau. Ein Elite-Merlot der Sonderklasse. 19/20 –2028

2009 Merlot Gran Risavier, Klausener: In der Mitte violett-schwarz. Das Bouquet wirkt heiss, ohne kompottige Parallelen aufzuweisen. Darin zeigen sich: Mokka, Rauch, schwarze Oliven, dunkles Kornbrot, getrocknete Pflaumen und schöne Würznoten. Im Gaumen enorm fleischig, dicht, das Extrakt wirkt sanft extrahiert und verlangt, zusammen mit der noch recht massiven Adstringenz, nach weiterer Flaschenreife. Das ist ein so richtiger «Elefanten-Grand-Risavier»! Noch drei Jahre warten oder sonst sehr lange dekantieren. 19/20 2019 – 2030

2011 Merlot Gran Risavier, Klausener: Sattes, sehr dichtes Granatviolett, mit undurchdringlicher Mitte. Die Nase hat viel Druck und Reichtum, Damassinepflaumen, Holunder, schwarze Johannisbeere und Schoko-Minztöne, zeigt also noch viel Primärfrucht und kommt frisch daher. Im Gaumen geradlinig, dicht, der Fluss ist durch die feinen, reichen Tannine schon sehr saftig, bleibt hier sehr beerig und zeigt viel Power im langen Finale. Das wird wohl der Nachfolger vom 2007er! 19/20 2022 – 2032

Vom Werber zum Winzer

Die Klauseners zogen Anfang der Achtzigerjahre von der Westschweiz ins Tessin. Der ehemalige Werber suchte dort eine neue Herausforderung und fand diese im Weinbau.

Die rund drei Hektar Rebberge sind je zur Hälfte über Malcantone und Luganese verteilt. Im Malcantone werden die Weine Chiaretto, Belcantissimo und der Tramonto Rosso produziert. In Trecano-Porza (Luganese) entstehen der Rosso di Sera, der Bianco di Sera und der Gran Risavier. Die durchschnittliche Jahresproduktion beträgt lediglich etwa 8.000 Flaschen. Die Produktion vom Gran Risavier beträgt maximal 2.000 Flaschen. Er wird nur in grossen Jahrgängen hergestellt. Es ist immer ein 100%iger Merlot und stammt von sehr alten Reben, welche in den Jahren 1953 und 1956 ausgepflanzt wurden. Der Ausbau erfolgt in 60% neuem Holz und einmal gebrauchten Fässern. Von der Qualität her gehört der Grand Risavier zu den absoluten Top-Merlots und gilt als einer der langlebigsten Tessiner Weine.

 

Bestellungen und Informationen:

Cantina Klausener, Purasca Inferiore 24, 6989 Purasca, Telefon: +41(0)91 / 606 35 22, klausener.vini@gmail.com, http://www.klausener.blogspot.ch

Beitrag und Foto: René Gabriel

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