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Editorial

Von Giuseppe Lauria

Liebe Weinwisser,

während ich diese Zeilen schreibe, ist die Lese vielerorts noch voll im Gange. Nach dem Hitzetriple ist 2021 das erste kühle und leider auch sehr feuchte Jahr. Zwar posten einige Winzer ihre schönsten Trauben über Instagram & Co. und sicher werden sie wieder das Bestmögliche daraus machen, aber 2021 ist ein anspruchsvolles Jahr. Dennoch bin ich mir sicher, dass die Spitzenwinzer wieder Herausragendes rausholen werden – nach den warmen und trockenen Jahren sicher mit einem Mehr an Frische und Kühle. Aber unsere Leser wissen und schätzen uns dafür, dass wir nicht zu voreilig einen Jahrgang hochjubeln und dass wir strenger bewerten als manche unserer Kollegen, die sich gerade wieder in 100-Punkte-Orgien ergehen. Vor allem die angloamerikanischen Kritiker scheinen sich einen regelrechten Wettbewerb zu bieten, wer die meisten 100 Punkte vergibt. Selbst bei kleineren Weinen gibt es jetzt schon 90 und mehr Punkte en masse. In der absoluten Spitze punkten wir zwar konsequent aus, sehen aber diese «100-Punkte-Inflation» kritisch.

Bei einem Jahrhundertwein muss vor allem die Natur eine perfekte Vorlage bieten, die dann vom Winzer auch genial begleitet und interpretiert wird. Die Maximalnote ist das Maß aller Dinge, die Inkarnation der Perfektion und muss jenen Weinen vorbehalten bleiben, die dieses hohe Versprechen auch einlösen. Alles andere führt nur zu Enttäuschungen beim Verbraucher, der sich dann ernüchtert abwendet. Aber letztlich kann das auch dahinstehen, denn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, schätzen uns für unsere ausführlichen Beschreibungen und nachvollziehbaren Bewertungen der Weine, die Ihnen das entscheidende Mehr an Information geben.

Unsere Spezialausgabe zu den Großen Gewächsen hat einmal mehr viel Lob im Markt erfahren. Für viele Spitzenwinzer, Weinliebhaber, Einkäufer und Händler ist das längst die Benchmark für die deutschen und intentionalen Spitzenweine, das erfahren wir immer wieder. So schreibt mir Wilhelm Weil: «Dein WEINWISSER 9/21 mit den besten trockenen deutschen Weinen ist großartig geworden: hohes Fachwissen, perfekte Recherche, spannend dargestellt. Chapeau! Und Stefan Doktor von Schloss Johannisberg ergänzt: «So einen fachkündigen, tief ins Detail gehenden Bericht über die deutschen Weine findet man sehr selten. Es ist ein tolles Werk, Giuseppe, ihr habt super Arbeit geleistet. Chapeau an Dich und Dein Team!»

In dieser Ausgabe folgt Teil 2 der Großen Gewächse mit den besten Weißen Burgundern, den Lembergern sowie einem Spezial zu Frankens territorialen Rieslingen und Silvanern. Dazu schauen wir nach Österreich: Zum dritten Mal widmet der WEINWISSER ein ganzes Spezial den Spitzenweinen der ÖTW – den Österreichischen Traditionsweingütern.

Absolut spannend und bilderbuchmäßig ist die Erfolgsstory von Brancaia. Sie begann vor 40 Jahren eher zufällig, als Barbara Widmers Eltern sich während eines Urlaubs in die toskanische Hügellandschaft verliebten und spontan einen alten Gutshof ohne fließend Wasser und Strom kauften. Vierzig Jahre später ist es ein Top-Betrieb. Und für Brancaia das Jahr der Jubiläen. Anlass genug, mit Barbara Widmer diese außergewöhnliche Story Revue passieren zu lassen.

Zudem gibt es ein Spezial zu Südtirols Spitzenkellerei Terlan mit einem Exklusivinterview mit Klaus Gasser über Terlans Spitzengewächse und «Sur-Lie-Spezialität», Heimat und Herkunft sowie über Lagenklassifizierung und Terroir.

Jetzt wünsche ich Ihnen viel Genuss beim Lesen, Entdecken und Nachprobieren – vielleicht inspiriert durch eine unserer zahlreichen Top-Empfehlungen!

Herzlich, Ihr Giuseppe Lauria

Chefredakteur WEINWISSER

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