Renés Tipp: Die 20-Punkte Donatsch-Sensation

Bei einer honorigen Raritäten-Verkostung kürzlich in Malans stand als Auflockerung ein Winzerbesuch im Programm. Entsprechend locker trappelten die Teilnehmer vom Dorfplatz zum Gasthof Ochsen in Malans, um bei der Familie Donatsch ein paar Weine im neuen Keller zu verkosten. Doch manchmal kommt es ganz anders als  man denkt.

Nach dem Pinot Blanc und dem normalen Chardonnay kam wie eine Uraufführung der sagenhafte Unique 2013 ins Glas.  Da ging das grosse Raunen durch unsere Verkostertruppe. Auch die ganz gewieften Weinkenner staunten Bauklötze. Das war Chardonnay-Weltklasse aus Malans, made by Martin Donatsch!

Der Chardonnay hat heute viel mehr Facetten als früher. Es gab früher nur die klassischen aus dem Burgund und die fetten aus Amerika.  Für mich ist die Körperform nicht ganz so wichig, denn ich suche nach Mineralität um die Grösse zu definieren. Und diese Gabriel-Messeinheit ist beim Unique 2013 perfekt.

Das Abenteuer begann 1973

Eigentlich hatte Thomas Donatsch bei der Rebschule Pinot Blanc bestellt. Durch einen Frost verlor man dort aber Setzlinge. Bei der Nachbestellung in Frankreich wurde in der Folge fälschlicherweise auch Chardonnay mitgeliefert. So bestand der damalige Frassa aus Pinot Blanc und Chardonnay. Da Donatsch sehr zufrieden war mit den Chardonnay-Qualitäten, fing er an, mehr von dieser Rebsorte zu pflanzen.

Aber dann kam ein Brief aus Bern mit der Aufforderung, diese Rebsorte wieder auszureissen. Donatsch schrieb zurück, dass die Beamten dies schon selber tun müssten. Die Antwort aus Bern kam postwendend. Dies in Form einer Busse.  Zu diesem Zeitpunkt hatten aber schon nicht wenige Bundesräte im Ochsen Malans den Chardonnay getrunken und gelobt. Das war vor vielen Jahren. Heute beträgt der Produktionsanteil vom Chardonnay rund 25 %, unterteilt in zwei Chardonnays: den «Passion» und den «Unique».

Was ist der Unterschied zwischen Passion und Unique?

«Wenn man die Rebsorte betrachtet gibt es keine logischerweise keine Differenz», meint Martin Donatsch schmunzelnd.  Es gäbe aber schon gewisse Lagen und spezifische Rebzeilen, welche von Anfang an für den Unique im Visier wären. Dort würde man ganz gezielt auf tieferen Ertrag hin arbeiten, so der Winzer weiter.

Früher hätten sie aber für die Unique-Vision vielleicht etwas zu spät geerntet. Heute würde man durch den richtigen, respektive früher gewählten Erntezeitpunkt mehr Säure und Präzision erzielen. Zusätzlich gäbe es da einen gewünschten Nebeneffekt und dies sei die bessere Mineralität des Weines.

Einmal im Keller gibt es klar definierte Chargen für den Passion, welcher in etwa 30 % neuem Holz ausgebaut wird. Die für den Unique vorgesehenen Fässer sind zu 100 % neu. Nach und danach gäbe es dann eine Herz-Selektion. Passt eine Barrique nicht, so kommt diese in den Passion. Am Schluss bleiben jeweils zwei bis drei Fässer übrig. Glücklicherweise waren es beim Jahrgang 2013. Aber mit nur 900 Flaschen  Gesamtproduktion wird das eine extreme «Schwerverteilung» – aufgrund der Nachfrage!

Noch nie dagewesen: René vergibt 20 Punkte in die Schweiz

2013 Chardonnay Unique, Domaine Donatsch: Hell leuchtendes Gelb mit dezent grünlichem Schimmer. Verrücktes Bouquet, die generelle Mineralik scheint x-fach stärker zu sein als die im ersten Moment noch zurückgehaltenen Fruchtkomponente. Im zweiten Ansatz sind dann die immer stärker werdenden Fruchtnoten an der Reihe; Karambolle, Mirabelle, Golden Delicious, helle Aprikosen und Stachelbeeren. Dahinter beweist ein intensiver, pfeffriger Agrumentouch seine dokumentarische Frische. Normalerweise fangen ganz grosse Chardonnay’s im Gaumen eher aussen an. Will heissen;  erst kommt das Volumen – dann erst das Extrakt. Hier ist es genau umgekehrt! Das Extrakt zeigt eine dramatische Fruchtkonzentration und hat so fast Mühe sich zu lösen, weil die Aromen noch im Kern fest gehalten werden. Schlürft man diesen Über-Chardonnay, so explodieren die Aromen förmlich im Gaumen. Da sind abertausende von multiplen Molekülen im Spiel. Das war ein bewegender Degustationsschluck vom allerbesten Schweizer Weisswein, welcher mir je in den Gaumen kam. Dieser in den Ansätzen legendäre Helvetien-Chardonnay kann es mit Montrâchet, Meursault, Corton-Charlemagne & Co. locker aufnehmen.
20/20 trinken

Auch der Pinot ist sagenhaft

2013 Pinot Noir Unique, Domaine Donatsch: Sattes, dunkles Rubin mit lila Schimmer in der Mitte. Frisches Bouquet, Kirschentouch zu Beginn, dann Johannisbeeren, Waldhimbeeren, feine Gewürze, frisch gebrochene Rosmarinnadeln, Edelhölzer, Zedernnoten und weisse Pfefferkörner, erstaunlich kommunikativ und somit – zumindest in dieser Jugendphase – unglaublich zugänglich. Im Gaumen mit einer vifen Säure, ausgeglichene und gleichzeitig fordernde Adstringenz zeigend. Eine noble Pinot-Essenz mit Grand-Cru-Allüren. Er ist so sensationell, dass ich ihm in der vollen Reife, so in etwa acht Jahren die Maximalwertung zumute.
19/20 trinken 

Das Wichtigste zum Schluss:  Es gibt den Unique nur für Stammkunden. Stammkunde wird man, wenn man in den Ochsen geht…
www.donatsch.info.

Test und Foto: René Gabriel

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