Startseite » Frontpage Weine »

Michaels Weintipp: 1997 Singerriedel Riesling Smaragd vom Weingut Hirtzberger

Frontpage Weine Weine
Michaels Weintipp: 1997 Singerriedel Riesling Smaragd vom Weingut Hirtzberger

Franz Hirtzberger ist einer der Wein-Granden, die die Wachau und ihre Weine berühmt gemacht haben. Es gibt weltweit nur wenige Winzer, die den Erfolg des eigenen Betriebes und gleichzeitig die Wahrnehmung und Attraktion einer ganzen Region über einen vergleichbar langen Zeitraum so nachhaltig geprägt haben wie er. 40 Jahrgänge Wein tragen die Handschrift von Franz III.

Zusammen mit den 25 Jahren Arbeit als Obmann der regionalen Winzervereinigung Vinea Wachau kann man dies getrost als Lebenswerk bezeichnen. Selbst wird Hirtzberger das niemals so benennen, sondern stets die Verdienste seiner Freunde und Kollegen in den Vordergrund stellen.

Erlebt man Franz Hirtzberger persönlich, merkt man schnell, dass es kein Lippenbekenntnis war, als er vor ein paar Jahren in einem Interview einmal sagte, dass er den schönsten Beruf ausübt, den er sich vorstellen kann. Seine Leidenschaft für das Winzerdasein ist ungebrochen und mit viel Überzeugungskraft vertritt er seine Vorstellungen über Weinqualität und ihre Entstehung. Als Spiegelbild dessen stehen heute die sechs Säulen des Codex Wachau, die er als verantwortlicher Obmann gemeinsam mit seinen Winzerkollegen der Vinea Wachau verabschiedet hat.

Strengstes Herkunftsprinzip, jeglicher Verzicht auf Verfahren zur Anreicherung und Konzentration von Most und Wein (z.B. Chaptalisierung oder Umkehrosmose), das Verbot von Fraktionierung und Aromatisierung (zu letzterem gehört auch der Einsatz von Barriques) sind heuer die Handlungsmaxime für das qualitative Schaffen von ca. 200 Wachau-Winzern. «Natur und sonst nichts», formuliert es Franz Hirtzberger, d.h. von allzu viel Kellertechnik hält er nicht viel, wirkungsvolle Massnahmen zur Qualitätssteigerung finden für ihn fast ausschliesslich im Weinberg statt.

Er will in jedem Jahrgang das Beste herauskitzeln, doch moderne Dopingmittel, etwa Aromahefen oder Enzyme, lehnt er dabei völlig ab. Mit der Natur arbeiten heisst für Franz Hirtzberger auch, dass es bei den Smaragdqualitäten ganz normal ist, eine Reihe von Jahrgängen zu haben, die mehr oder weniger stark von Botrytis geprägt sind, während in anderen Jahren kaum eine einzige edelfaule Traube im Lesegut zu finden ist.

Aromatisch, aber nicht per se qualitativ, bedingt dies enorme Amplituden zwischen den einzelnen Singerriedel-Jahrgängen. Allen gemeinsam ist die animierende Säure in Verbindung mit einer tiefgründigen mineralischen Ader. Beide Tugenden sind der Grund, warum dieser Riesling – bei allem Reichtum an Körper und Extrakt – stets mit aromatischer Komplexität, Frische und Charme punkten kann.

Die Smaragdweine von Franz Hirtzberger sind keine Hektiker, wer es «quick and dirty» mag und stets junge Weine im Glas haben möchte, findet wahrscheinlich mehr Freude bei einem Federspiel. Zwar zeigen auch die Smaragdweine von Hirtzberger schon als Weinbaby, was in ihnen steckt, doch erst im Alter von 7–10 Jahren kommen sie in die Pubertät und spielen anschliessend ihr volles Potential aus.

Viele Weinfreunde haben immer noch bedenken, trockene Rieslinge mehrere Jahre im Keller reifen zu lassen. Wer jemals die Chance hat, einen älteren Riesling Singerriedel Smaragd zu trinken, sollte sich dies auf gar keinen Fall entgehen lassen – es könnte ein neues Weltbild entstehen.

Verkostungsnotiz

1997 Singerriedel Riesling Smaragd, Weingut Hirtzberger: Im Himmel ist Jahrmarkt? Wohl nicht, aber auf Wolke 7 schwebend und dem Weinhimmel ganz nah! Was für eine Frische nach fast 20 Jahren! Glockenklar und reintönig strömen die Aromen animierend aus dem Glas: weisser Pfeffer, grüne Früchte (auch Paprika), frisch gepflückte Wiesenkräuter und ein Hauch von Zitrusschalen.

Am Gaumen kraftvoll, belebend, mit hervorragender Struktur und perfekter Säure. Wiederum hochgradig frisch und belebend, dabei mit aussergewöhnlichem Spiel und wunderschöner  Balance. Die volle, kraftvolle und reine Stimme begeistert.  Sein einzigartiges Timbre resultiert aus der vibrierenden Mineralik – nasser Granitfels mit kristallinen Salzeinschlüssen.

Im Finale ein mehrfaches Gebirgsecho – mit einem tiefen, langen und von der Mineralik geprägtem Nachhall. Aktuell ein Hochgenuss, mit ausreichend Reserven für  die  nächsten 10 Jahre.

Bewertung nach Punkten und Trinkreife: 20/20 bis 2025

Beitrag und Foto: Michael Quentel

Abonnenten wissen mehr: Vertikale mit 20 Jahren Singerriedel Riesling Smaragd von Hirtzberger gibt’s in:

→  WEINWISSER Heft 6/15
Artikeldatenbank im Online-Archiv!


ww_punktetabelle

Zum Newsletter anmelden