Markus‘ Gutsriesling-Tipp: 2014 A. J. Adam Riesling trocken

Wer hat in 2014 den besten Gutsriesling gemacht? Dieser Frage ist der Weinliebhaber Martin Zwick im Rahmen des BerlinGutsrieslingCup 2014/2015 auf den Grund gegangen. Unterstützt wurde er dabei von einer Jury aus Weinexperten, die dem perfekten Gutswein über eine Blindverkostung auf die Spur kamen.

Verkostet und bewertet hat die Jury, zu der ich auch gehörte, 37 Gutsrieslinge. Bekannte Erzeuger wie Dönnhoff, Keller und Co. waren darunter ebenso vertreten wie viel diskutierte Winzer und noch weitgehend unentdeckte Talente. Bestplatzierter Wein beim BerlinGutsrieslingCup 2014/2015 war der Gutsriesling von Bürklin-Wolf aus der Pfalz. Dicht dahinter landete der trockene Riesling von Klaus Peter Keller aus Flörsheim-Dalsheim. Nummer drei auf dem Treppchen nahm Sankt Antonys Rotschiefer-Riesling aus 2014 ein.

Nicht zu den Gewinnern, dafür aber zu meinen persönlichen Favoriten, zählte ein anderer Gutswein. Ganz oben auf dem Treppchen stand er für mich zunächst nicht, da die Spontanvergärung das Bukett verdeckte. Aber bereits bei der raschen Verkostung notierte ich mir, dass dieser Wein die Auseinandersetzung fordert. Ich habe mich der Herausforderung gestellt und nachverkostet. Die Rede ist von Andreas Adams Gutswein.

Wir befinden uns also nun an der Mosel, genauer gesagt in Drohn, unweit von der Paradelage Trittenheimer Apotheke. Adam gehört zu jenen Winzern, die einen rasanten Aufstieg erlebt haben, auch dadurch begründet, dass Parker ihm für die edelsüssen Weine Bestnoten aussprach und der Winzer bereits in der New York Times Erwähnung fand.

Dabei ist Adam ein ganz zurückhaltender Winzer, kein Entertainer. Aber er ist enorm bestrebt, beste Qualitäten abzufüllen. Sein 2014er Riesling trocken verkörpert meine Idealvorstellung eines Gutsrieslings. Er ist zugänglich, besitzt eine gewisse Süffigkeit, die ein Basiswein immer aufweisen sollte, verkörpert dabei den Jahrgang und ist einem breiten Publikum verständlich, ohne die Handschrift des Winzers zu vernachlässigen. Der Gutswein soll eine Visitenkarte sein. Adam hat das hier erneut geschafft!

Verkostungsnotiz

2014 A. J. Adam, Riesling trocken: 100% Riesling, Lese Mitte Oktober bei 86 Grad Oechsle, Ausbau im Edelstahltank. Der Wein ist zwar als gewöhnlicher QbA deklariert, entspringt aber im Prinzip komplett dem Drohner Hofberg und ist damit ein Lagenwein aus den jüngeren Rebanlagen. Hellgoldene Farbe, funkelnd im Glas. Die Nase ist geprägt von Steinobst, besonders reife Aprikose, auch etwas fleischiger Pfirsich. Hinzu kommen etwas grünere Noten in Form von Spearmint.

Die Nase wird – direkt aus der Flasche eingegossen – von der Spontangärung überdeckt. Dahinter lässt sich die Komplexität bereits erahnen. Der Riesling benötigt daher aktuell unbedingt Belüftung in der Karaffe. Am Gaumen zeigt sich die Vielschichtigkeit direkt. Auch ohne Luftkontakt weiss der Gutsriesling zu überzeugen. Sehr animierender Charakter, saftig reife Frucht, Zitrusaromen, reifes Steinobst.

Insgesamt ein kräftigerer Riesling, der eine reife Frucht einfängt. Leichte Schieferwürze, baut am Gaumen Druck auf und zeigt eine reife, gut integrierte Säure. Besonders lang im Nachhall. Viel Wein für wenig Geld. Ein Gutswein, der Geduld verlangt, nicht aber die nervenreibende Auseinandersetzung. Hiervon kann man unbeschwert eine ganze Flasche trinken!

Bewertung und Trinkreife: 16+/20 2015–2019

Weintipp: Markus Budai; Foto: Weingut A.J. Adam/Vicampo.de


Bewertungskategorien:

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