Krimms Weintipp: 2009 Brunello di Montalcino von Capanna

Die Cencionis gelten etwas in Montalcino, auch wenn ihr Gut Capanna mit 12,5 ha Brunello-Rebland zu den kleineren zählt. Der Hintergrund: Trotz der mit einem Familienbetrieb verbundenen, ganz persönlich zu leistenden Arbeit, die auch die Produktion von Olivenöl und Grappa umfasst, hat man sich hier immer auch um gemeinschaftliche Angelegenheiten gekümmert. Guiseppe Cencioni war 1967 einer der Väter des Consorzio del Vino Brunello di Montalcino und sein Enkel Patrizio diente der Vereinigung als Vizepäsident sowie von 2008 bis 2010 als Präsident. Dies ausgerechnet in den Zeiten des «Brunello-Skandals», als der Vorwurf erhoben wurde, einige Winzer nutzten neben dem zugelassenen Sangiovese auch Merlot und Cabernet Sauvignon. Und er schlug sich tapfer.

Dabei ist er eher schweigsam, kein Showman, der es geniessen würde, zu allen möglichen Gelegenheiten Reden zu halten. Aber sehr aufmerksam, zurückhaltend und von einer Grundsatztreue, die ihre bäuerlichen Wurzeln nie verleugnet. Den hier vorgestellten Wein hat er genau in der Zeit produziert, als das bis dahin überaus stolze Brunello-Schiff wegen Ermittlungen der italienischen Finanzpolizei und damit verbundenen schweren Turbulenzen auf dem Hauptimportmarkt USA in allerschwerste See geraten war.

Die Lage Montosoli, in der Cencioni, unterstützt vom Önologen Paolo Vagaggini, seinen Brunello erzeugt, liegt 1,5 km nördlich des Städtchens und gilt als eine der besten in Montalcino. Die sehr steinigen braunroten Mergelböden sind gut drainiert, die Höhenlage beträgt 270-300 m und die kühle Luft, die in der Nacht den bewaldeten Berghang herabströmt, sorgt dafür, dass die Weine, wenn man alles richtig macht, auch in zu alkoholischer Wucht neigenden Jahren feingliedrig bleiben. Hinzu kommt ein ruhiges Beharren auf bester Praxis: durch sparsamen Anschnitt und grüne Lese Hektarerträge von knapp 35 hl/ha, Ausbau in grossen Fässern aus slawonischer Eiche, keine kellertechnischen Mätzchen, keine Barriques.

Im Jahr 2009, das auch wegen der grossen Hitze in Montalcino nicht ganz einfach war, hat Capanna seine Stärken ausgespielt: Differenzierte, feinzimtige Aromen von roten Früchten mit einer Spur Tabak, Waldpilzen und Süssholz; am Gaumen nuanciert, elegant, reif und dicht; eingelegte Kirschen und Preiselbeeren unterlegt von einem Hauch Teer und Süssholz. Die bemerkenswerte innere Spannung mit feiner Mineralität  und gut eingebundenen Tanninen signalisiert Entwicklungspotenzial und der lange Nachhall bestätigt die Einschätzung, dass Patrizio Cencioni in guten Jahren «Meditationsweine» produziert. Zu vernünftigen Preisen, darf man ergänzen, denn auch da ist er auf dem Boden geblieben.
Preis: 26,90 EUR bei Herbig Weinimport, München.

Bewertung in Punkten: 17+/20  2015–2023

Weintipp und Foto: Dr. Stefan Krimm 


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