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Kellerei Tramin

Epokale – Der Gewürztraminer aus dem Bergstollen

Kellerei Tramin
Epokale – Der Gewürztraminer aus dem Bergstollen

Von Giuseppe Lauria

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Nomen est omen: Der Gewürztraminer war schon immer das Aushängeschild der Kellerei Tramin, die unter dem Kellermeister Willi Stürz hochkomplexe Kreszenzen kreiert, die regelmäßig die besten Weißweine Italiens stellen. 2009 krönte Tramin sein Gewürztraminer-Portfolio mit einer spektakulären Besonderheit: Epokale, eine Spätlese, die im Geiste einer längst vergangenen Epoche im alten Stil mit wahrnehmbarer Restsüße erschaffen wurde. Er reift zudem unter besten Bedingungen mindestens sechs Jahre in einem Bergstollen. Ein kraftvoller, aber gleichzeitig eleganter und verspielter Wein.

Wir fahren von Tramin gut eine Stunde hoch hinaus in den Schneeberg. Über eine schmale, unbefestigte Straße erreicht man den Eingang des Poschhausstollens auf 2.000 m.ü.M.. Mit dem Auto kommt man nur wenige Monate im Sommer direkt zu einem der höchstgelegenen Bergwerke Europas. In der restlichen Zeit regieren Schnee und Eis die Zufahrtsstraße und machen einen Besuch beinahe unmöglich.

Über 800 Jahre wurde im Poschhausstollen Bergbau betrieben. Erst vor knapp 37 Jahren wurde der Abbau eingestellt, weshalb die Bergwerksanlage noch heute vollständig erhalten ist. Dort werden wir zunächst wie die Minenarbeiter mit winterfester Schutzjacke und hohen Gummistiefeln ausgestattet. Die Szenerie gleicht einem Film: Ein Tunnel, aus dem eine offene Bahn herausrollt. Rundherum Berge. Man wähnt sich fernab der Zivilisation. Wir sind alle sehr gespannt. Dann geht es auch direkt schon los. Tief hinein in den dunklen und feuchten Stollen mit dem lauten Geknattere der Schienen, Wasser tropft von den feuchten Wänden. Es peitscht auch ein kühler Wind durch den Tunnel. Eine schöne Abwechslung zu den gestylten Verkostungsräumen, wo wir im Warmen sitzend schlürfend die Weine verkosten. Das hatten wir ja am Tag zuvor. Jetzt ging es darum, den Ort aufzusuchen, an dem einer der besten Weißweine Italiens sechs bis sieben Jahre der perfekten Reife entgegen schlummert.

Sieben Jahre in völliger Dunkelheit

Sieben Jahre lang liegen die inzwischen ca. 2.400 Flaschen in völliger Dunkelheit und Ruhe im Poschhaus-Stollen; auf 2.000 m.ü.M., bei einer konstanten Luftfeuchtigkeit von 90 % und 11°C, 4 km tief im Berg. Die Trauben für diesen Wein stammen von zwei der ältesten Gewürztraminer- Anlagen in Guyot-Erziehung, um den Nussbaumerhof herum, aus der Lage Söll. Um die vollständige Entfaltung des Potenzials zu fördern, entschloss Stürz sich für eine sehr lange und außergewöhnliche Lagerung: Da gereifte Weine mit Anspruch aus autochthonen Trauben nur selten sind, ist das schon eine sehr besondere Investition, die sich aber auszahlt. Allgemein wird in Italien gerne und viel Gewürztraminer getrunken, dazu hat Südtirol im Allgemeinen und Tramin im Besonderen beigetragen.

 

Terroir: Vulkanischer Porphyr

Der vulkanische Porphyr bringt den Weinen eine feine Mineralik und Eleganz, die sich oft erst im Alter zeigt. Besonders auffällig wird dieses Spiel bei gereiften Weinen. Damit der Wein genügend Spannung und Säure entwickeln kann, sorgen die kühlen Fallwinde des Mendelkamms für kalte Nächte. Am Tag verwöhnt die Sonne mit mediterraner Wärme die Rebstöcke. Dadurch entstehen extreme Temperaturschwankungen, die es den Trauben erlauben, eine frische und fruchtige Aromatik auszubilden.

 

  • 2009 Epokale Gewürztraminer, Kellerei Tramin: 12,5 %. 107 g RZ, 5,6 g Säure. Nur 1.200 Flaschen. Strahlendes Goldgelb. Exotisch-reifes Bouquet mit gelben Rosen, Litschi, reifer Ananas, dazu ein saftig-reifer gelber Pfirsich, Honig, Rosenwasser und «Sapon de Marseille», dahinter auch eine schöne Kräutrigkeit. Im Mund cremig-schmelzig mit barocker Frucht
    und sehr schön ausbalancierter Süße, konzentriert und barock, gelungenes Süße-Säure- Spiel. 18.5+/20 2024 – 2045

 

  • 2010 Epokale Gewürztraminer, Kellerei Tramin: Wirkt schon im Duft viel kühler und rassiger als der 2009er. Hier ist man schlagartig mit dem Restzucker runter von rund 107 auf 20 Gramm. Im Duft mit feinen tropischen Früchten, gelben Blüten und floralen Schattierungen. Ist im Mund viel feiner gewoben als der 2009er, wirkt in der Textur seidig und ist enorm frisch. Hier hat man deutlich gegengelenkt: Mehr Finesse als Konzentration und Power. Sehr lang und finessenreich mit würzig-cremigen Akzenten. 19/20 2022 – 2045

 

  • 2011 Epokale Gewürztraminer, Kellerei Tramin: Diese Probeflaschen reiften im eigenen Keller. Sehr strukturiertes Bouquet mit kühlen, kräutrigen Noten, ist weniger exotisch. Im Mund wirkt er gelbwürzig mit steinigen, aber auch etwas phenolischen und zart oxidativen Anklängen, ist durchaus elegant, aber ein bisschen harsch im Finish. 17.5/20 –2028

 

  • 2012 Epokale Gewürztraminer, Kellerei Tramin: Sehr präzises Bouquet mit schönen Noten von der Orangenschale, weißem Pfirsich, etwas Heu und florale Noten, auch zart mineralische Noten schwingen mit. Im Mund deutlich reduzierter im Restzucker und in der Opulenz, wunderbare Safrannoten, ganz fein gewoben, seidiges Finish, deutlich schlanker und sehr elegant. Ist jetzt wunderbar zugänglich. Erinnert an den Nussbaumer. 18.5/20 –2032

 

  • 2013 Epokale Gewürztraminer, Kellerei Tramin: Zeigte sich von allen Jahrgängen am verschlossensten, «restraint» sagen die Engländer. Mit Luft dann doch Noten von frischer Melone, reifem Apfel und weißen Rosen, dahinter feine aromatische Gewürze, sogar ein Touch Ingwer. Am mittleren Gaumen mit eleganter köstlicher Art, etwas reichhaltiger als der 2012er, aber wunderbar ausbalanciert, auch weil die mineralischen und kräutrigen Aspekte schöne Kontraste bieten. 19/20 –2035

 

  • 2015 Epokale Gewürztraminer, Kellerei Tramin: 2.400 Flaschen. Schillernder Duft, obgleich fast verschlossen wirkend, zeigt er sich hier ungemein finessenreich, vielschichtig mit mineralischer Pikanz und elegantem Fruchtkörper, der an Marille und Litschi erinnert. Im Mund herrlich fein gewoben, elegante, weinige Säure, könnte vielleicht einen Tick mehr Druck und Pikanz haben, um die Fülle noch besser abzufedern. Dann wäre hier noch mehr drin gewesen. Gehört dennoch zu den besten Jahrgängen des Epokale. Hier scheint man im Restzucker mit rund 60 g/l die richtige Balance gefunden zu haben. 19/20 2026 – 2038

 

Troy – die Suche nach dem alpinen Chardonnay

Die Kellerei Tramin ist zwar berühmt für ihren Gewürztraminer, aber aufgrund der unterschiedlichen Höhenlagen setzt man hier auch auf andere Rebsorten, denn in den höher gelegenen Lagen ist es schon zu kalt für den Gewürztraminer. Deswegen gewinnt der Chardonnay zunehmend an Bedeutung. In den höheren Lagen von Söll (Fraktion von Tramin), profitiert er auf 550 und 650 m.ü.M. von den kühlenden Fallwinden und dem nachmittäglichen Schatten durch dem Mendelkamm. Die Stöcke stehen auf Dolomit-Kalkschotter. Hier kommt also die Frische nicht durch eine inzwischen vielerorts praktizierte frühere Ernte, sondern durch die Kühle des Terroirs selbst. Man kann die Trauben ausreifen lassen, ohne dass sie in die Überreife gehen. Damit behalten sie eine balancierende Frische.
Der «Troy» wird 12 Monate in Barriques vergoren, davon sind 50% neu und 50% gebraucht. Der Name «Troy» ist rätoromanisch und bedeutet «Pfad». Er steht für die lange Zeit der Erforschung und Suche nach dem idealen Standort für diese Sorte, deren Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist.

  • 2017 Chardonnay Riserva «TROY», Cantina Tramin, 14%: Sehr vielschichtiges Bouquet mit weißen und gelben Früchten, Guave, Melone und Ananas. Am Gaumen feingliedrig und elegant, ein ungemein vielschichtiges Spiel aus zart exotischer Frucht, Schmelz und mineralischer Finesse, dabei ganz klar, tief würzig und ewig lang. Ausgezeichnete Balance. 18/20 –2030

 

  • 2018 Chardonnay Riserva «TROY», Cantina Tramin, 14%: Schon im Duft zeigt sich eine schöne Rauchigkeit sowie eine dichte, kraftvollgelbfruchtige Art, die wegen der mineralischwürzigen Markanz fast ein wenig an Corton Charlemagne erinnert. Im Mund eine schöne Liaison aus cremig eingebundener gelber Frucht und mineralisch-rauchigen Noten, kraftvoll verwoben, zeigt dennoch viel Spannung mit kühlen Noten. 18/20 –2028

 

  • 2019 Chardonnay Riserva «TROY», Cantina Tramin, 14%: Ganz typischer, rauchig unterlegter Chardonnay-Duft mit gelbem Steinobst, Pfirsich, zarte Exotik mit Ananas und Mango, gestützt von einer rauchig-nussigen Kulisse, in der geröstete Haselnüsse und feines Karamell wieder ans Burgund denken lassen. Im Mund dicht und vollmundig mit einer cremigen Textur, die an Salzbutter erinnert, herrlich kontrastiert durch die pikant-salzige Frische, die zunehmend den Ton angibt. 18+/20 2023 – 2031

 

Die Kellerei:

  • Gründungsjahr: 1898
  • Präsident: Leo Tiefenthaler
  • Kellermeister: Willi Stürz
  • Jahresproduktion: ca. 1.900.000 Flaschen
  • Rebfläche: ca. 270 Hektar, davon 30 % Rotwein (Blauburgunder, Lagrein) und 70 % Weißwein (Gewürztraminer, Chardonnay, Pinot Grigio, Sauvignon Blanc)

2010 wurde der neue Keller eingeweiht, der mit seiner skulpturalen Architektur eine Rebe stilisiert, die aus dem Boden herauswächst und das Gebäude umrankt.

Die Eckdaten zum Epokale:
«Vendemmia tardiva» im Sinne einer «Spätlese», zehn Monate auf der Vollhefe, regelmäßige Bâtonnage in den ersten Wochen, Ausbau im Stahlfass, mindestens sechs Jahre Flaschenreife im Bergstollen. Zuletzt ca. 2.400 Flaschen. Preis ab Hof liegt bei 150€, auf dem Zweitmarkt liegt er deutlich höher.

Bezugsquellen:

  • Meraner Weinhandelshaus
  • Tesdorpf
  • superiore.de
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