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Editorial

Editorial
Editorial

Liebe Weinwisser,

mit dem Jahrgang 2021 liegt nicht nur in Bordeaux nach drei Sonnenjahren ein kühles, herausforderndes Jahr im Fass. Nachdem «Mutter Natur» den Winzern und Konsumenten für die entbehrungsreiche Zeit der Pandemie mit einem Traumjahr Trost spendete, sah es in 2021 nicht ganz so rosig aus – gerade in Bordeaux, wo erst Frost, dann Dauerregen und Hagel den Winzern alles abverlangte.


Und dennoch entpuppte sich das Jahr als besser als erwartet, wenn auch freilich heterogen. Es gibt viele sehr gute bis herausragende Weine und einige wenige sogar nahe dem Niveau der gigantischen Vorjahre. Selten zuvor habe ich es erlebt, dass ein Jahrgang so kontrovers diskutiert wird. Manch einer sieht ihn sogar als großen klassischen Jahrgang, die Meisten sehen ihn aber etwas kritischer und differenzierter. Klein ist er ganz sicher nicht. Es gibt viel Positives. In solchen Jahren bemühen viele den etwas abgedroschenen Begriff der «Klassik». Was das genau heißt, ist freilich der freien Interpretation zugänglich. Was aber zutreffend ist: Nach mehreren warmen Jahren mit hohen Alkoholwerten und dichter Konzentration zeigt sich Bordeaux 2021 in diesem Sinne «klassisch». Die meisten Weine liegen wieder im Normbereich von rund 13 %-vol. – also ein sehr gutes Jahr für Liebhaber des etwas schlankeren Bordeaux-Stils. Für mich ist es eher eine Art «Neo-Klassik», weil man solche Jahrgänge heutzutage mit mehr Know-how vinifiziert. Auch haben die meisten Bordeaux mit dem alten Claret-Stil, der auch dieser Tage gerne zitiert wird, wenig zu tun. Die neuen Techniken und die ausgeklügeltere Weinbergsarbeit ermöglichen es den Gütern, auch in solchen Jahren konzentriertere Weine als noch vor 20 oder 30 Jahren zu produzieren.

Deswegen: Schauen Sie sich unsere Top-Empfehlungen genau an. Vor allem die hochbewerteten Outperformer und «Best-Buys» könnten gute Gelegenheiten bieten. Bei den sonst schnell ausverkauften Top-Stars ist der Preis entscheidend. Die Ikone Cheval Blanc kam als einer der Ersten mit einem Kurs von 390€ (ex Cellar) raus, also etwas über dem Vorjahr. Chef Pierre Lurton sagte mir bereits, dass er nicht von einem Preisnachlass ausgehe, was sich trotz schleppender Kampagne zu bestätigen scheint.


Aber Bordeaux muss nicht teuer sein. Deswegen erhalten Sie in den Notizen von uns besondere Kaufempfehlungen. Zudem gibt es für Sie als Abonnent in der Datenbank eine «HOT- BUY»-Liste nach Preisbereichen. Im Folgenden haben wir für Sie einmal mehr alle wichtigen Informationen als Kompendium zusammengestellt, mit einer Jahrgangsanalyse und den entsprechenden Stimmen zum Jahrgang, meinem Exklusivinterview mit Véronique Sanders von Château Haut-Bailly, die gerade ihren wunderschönen neuen Keller feierlich einweihte. Spektakulär sind auch die neuen Keller von Château Figeac und Troplong Mondot.

Last but not least gibt es wieder zahlreiche Hintergrundgeschichten: So war ich beispielsweise bei Petrus, das in diesem Jahr nur ganz wenigen Kritikern weltweit eine Audienz bot. Wie immer finden Sie das Best-of aus den mehr als 600 verkosteten Weinen gut sortiert nach Appellationen links und rechts der Gironde aufgeführt sowie unser Ranking der besten Weine als übersichtliche Tabelle auf den Seiten 36 und 37.

Das Auslaufen der pandemiebedingten Beschränkungen sowie die sommerlichen Temperaturen lassen die Laune steigen und die Kassen der Wirtschaft klingeln – ein erlösendes Signal, auf das wir alle sehr lange gewartet haben. Darauf ein gutes Glas Wein, Champagner oder Winzersekt. Jetzt wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen und viele genussvolle und sonnige Momente. Bleiben Sie gesund!

 

Giuseppe Lauria

Chefredakteur WEINWISSER

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