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Raritätenlunch mit Romanée-Conti & Ponsot

DRC – Das magische Kürzel

Raritätenlunch beim Rheingau Gourmet Festival mit Romanée-Conti & Ponsot
DRC – Das magische Kürzel

Von Giuseppe Lauria

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Chefredakteur Giuseppe Lauria moderierte das Raritätenlunch der Extraklasse

Es ist kurz vor 12 Uhr an einem wahrlich sonnigen Sonntag. Hinter der romantischen Fassade des Kronenschlösschens ist die Aufregung der von nah und weit gereisten Weingenießer und Gourmets förmlich greifbar. Über 80 Gäste haben sich für dieses spektakuläre Raritätenlunch angemeldet. Aus ganz Deutschland und den angrenzenden Ländern. Kein Wunder: Eine der hochwertigsten Verkostungen des ohnehin edlen Rheingau Gourmet Festivals erwartet sie: Ein exklusives Raritätenlunch mit der sagenumwobenen Ikone der Domaine Romanée-Conti zusammen mit anderen edlen Weinen wie Domaine Ponsot. Kongenial ergänzt durch das fulminante Menü von Zwei-Sterne-Koch Andree Köthe und dem Resident-Chef Roland Gorgosilich. Ich hatte die Freude und Ehre, dieses extravagante lukullische Ereignis der Extraklasse zusammen mit Head-Sommelier Florian Richter zu moderieren.

 

 

Die Stimmung im Saal vibriert vor Spannung und Vorfreude

Ein spannender Jahrgangsvergleich
Ein Traum-Pairing: Wagyu Schulter mit Richebourg

Weine im geschätzten Wert eines gehobenen Sportwagens spendieren an diesem glanzvollen Tag pure Gaumenfreuden. Und so ähnlich starte ich an diesem denkwürdigen Mittag meine Moderation, denn die Weine der vielleicht berühmtesten Domaine der Welt sind jung so teuer wie ein Kleinwagen und gereift erreichen sie Preise, die auch mal einem Sportwagen nahekommen. Verrückte Welt? Nein, das Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Wie bei vielen anderen Luxusprodukten. Und es gibt von diesen Weinen eben nur sehr wenig, aber eine weltweit riesige, geradezu frenetische Nachfrage. Und das nicht seit gestern. Romanée-Conti ist schon seit Jahrzehnten eine Ikone. Dabei kennt kaum einer das (relativ bescheidene) Weingut selbst, das bis vor Kurzem nicht einmal eine Webseite hatte. Besuche sind ohnehin nicht erlaubt. Anfragen liefen nur über das gute alte Fax. Weinliebhaber, Sternehäuser, exklusive Hotels, aber auch Investoren und mancher Spekulant wollen die Weine haben und sind bereit, für die Pretiosen auch mehrere Tausend Euro pro Flasche zu zahlen. Wenn man sie denn bekommt. Denn solche Weine sind ähnlich wie bei anderen begehrten Luxusgütern – wie etwa Uhren – nicht einfach erwerbbar. Auch wer sich diese Weine leisten kann, muss sie auch kaufen dürfen. Man kann all das gut finden oder nicht. Durch rigoroses Streben nach Qualität hat sich das Weingut diesen Status hart erarbeitet und verdient und die Weine stehen über jeden Zweifel: Selbst in diesem relativ jugendlichen Stadium beeindruckt die Präzision und Finesse dieser Benchmark-Pinots mit ihrem schillernden, finessenreichen und doch gleichzeitig betörenden Aromenprofil. Was manch einer nicht erwartet hat: Die Weine sind keine Hungerhaken, sie sind dicht und finessenreich mit einer erstaunlich verdichteten Konzentration im Midpalate und Finale. Und das in einem Jahr wie 2014, das nicht unbedingt zu den herausragendsten gehört.

Im Garten des Kronenschlösschens ging es auf hohem Niveau weiter

Domaine de la Romanée-Conti und Domaine Ponsot allein wären das Eintrittsgeld wert gewesen. Dazu gab es auch noch die herausragenden Champagner von Agrapart, über die ich schon in WW 01/19 ausführlich berichtet habe. Der Terroirs wie immer als eleganter Einstieg mit Charakter, beim Mineral ist der Name Programm. Zwei wunderbare Champagner, die längst zu meinen Lieblingen gehören. Auch das „Nachprogramm“ im Garten des Hotel Kronenschlösschen war à la bonheur.

 

Champagner von Agrapart & Fils:

  • Terroirs Blanc de Blancs Extra Brut Grand Cru: Ein Blend aus 2 verschiedenen Jahrgängen. Die Trauben entstammen ausgewählten Parzellen aus Weinbergs-Lagen der Grand Cru Orte Avize, Oger, Cramant und Oiry. Die Dosage wird, wie bei Agrapart üblich bei 5g/l eingestellt. Wunderbar delikater, sehr präzise gewobener Duft mit feinen Zitrus-, Brioche und Quittennoten, mit Luft deutlich mineralischrassiger und sublimer werdend mit Noten von Meeresluft und Orangenzesten. Im Mund eleganter Auftritt mit delikater Struktur und feiner Perlage, feingliedrig und sublim, nicht ewig lang, dafür punktet er mit Finesse, feiner Rasse und animierender Frische. Ein fantastischer Apéro-Champagner. 17.5/20 trinken

 

  • 2011 Minéral Blanc de Blancs Extra Brut Grand Cru: Der Minéral wird nur als Jahrgangschampagner produziert. Die Trauben stammen aus zwei verschiedenen Weinbergs-Lagen mit gleichem geologischen Profil (Bionnes in Cramant, Champbouton in Avize). Die Auflage über der Kreide ist in diesen beiden Lagen sehr dünn. So entsteht ein präziser, pikanter und saliner Champagner, der sein Kreide-Terroir hervorragend wiedergibt. Die Dosage ist auch hier auf 5 g/l eingestellt. Obgleich unfiltriert, wunderschönes, leicht ambriertes Gold mit feinem Mousseux. Frisch geöffnet, strömt einem ein eleganter Duft aus der edlen Patisserie mit verspielter Mandelcreme und feinen Briochenoten entgegen, später dann Meeresgicht, auf der Schaumkrone schwebt frisch aufgeschlagene Butter, bevor sich das Bouquet wieder verschließt, um sich auf seine vom Kalk stammenden mineralischen Noten von Muschelschale und Steinmehl zu fokussieren. Erst viel später steigen Noten von Haselnussgremolata auf. Im Mund sehr geradlinig mit mineralischer Art, fast schon straight, dass die Hälfte der Grundweine im Holz ausgebaut wurde, ist nur zart angedeutet. Im Vordergrund stehen der präzise Körper und die steinige Mineralität. 18+/20 –2028

 

Domaine Ponsot

  • 2016 Corton Charlemagne, Grand Cru: Finessenreicher, rauchig unterlegter Duft mit hellstrahlender, weißer und gelber Frucht, Birne, sowie schöner Blütenaromatik, zart mineralische Grundierung in Form von nassem Stein mit der typischen Rauchigkeit. Im Mund ein ganz typischer 2016er mit linearem Aufbau, feingliedrig, nur ganz wenig Schmelz, also nur dezent cremig, dafür vibrierend mineralisch, ziemlich schlank, manch einem fehlte ein bisschen die Tiefe und das Fleisch am Knochen. 18/20 –2030

 

  • 2017 Corton Charlemagne, Grand Cru: Mit der Kraft der Gewohnheit könnte man meinen, der kühlere 2017er müsste hinter dem 2016er stehen. Zeigt sich aber in der Nase schon etwas kompletter, neben der gelben Frucht kommen auch die typische mineralische Prägnanz und Strenge der Appellation voll zur Geltung, wunderbar ausgewogen, umrahmt von feiner Cremigkeit und edel eingearbeitetes Holz, sehr geschliffen, noble Art. 18+/20 –2032

 

Domaine de la Romanée-Conti:

  • 2018 Corton, Grand Cru, Domaine de la Romanée-Conti, Vosne-Romanée, Côte de Beaune (Produktion: 6.400 Flaschen): Der einzige Rotwein der Domaine aus der Côte de Beaune stammt aus den Climats Clos du Roi, Bressandes und Renardes. Noch sehr jugendlich im Duft mit recht expressiver, fast schon konzentrierter dunkler Frucht, die an reife Waldbeeren erinnert, aber eher blau als rot eingefärbt, umrahmt von edlen Röstnoten und süßlicher Würze. Im Mund schmelziger Auftakt mit gutem Hüftfleisch und verführerischer, reifer Frucht, erstaunlich konzentriert. Wir waren am Tisch überrascht, wie präsent, kraftvoll und offenherzig er sich präsentiert, ohne an Präzision einzubüßen, auch dank der elegant-seidigen Textur. 18/20 2023 – 2033

 

  • 2014 Échezeaux, Grand Cru, Domaine de la Romanée-Conti, Vosne-Romanée, Côte de Nuits (Produktion: 14.600 Flaschen): Direkt nach dem offensiven Corton wirkte der Échezeaux feiner, zurückhaltender mit zart reduktiver Art und spannender Beerenaromatik wie Fragolino, zart flambierten Himbeeren, Sauerkirschen und einem Touch Orangenzeste. Im Mund durchweg rotbeerig mit feinem Gripp, wirkt im Auftakt ziemlich rund mit präsenter, gut eingebundener Säure und festem, elegantem Tanninkleid, wird im weiteren Verlauf dann wieder griffiger und voluminöser, baut sich schön am Gaumen auf mit ausgezeichneter Länge und feiner Würze. 18.5/20 2022 – 2033

 

  • 2014 Grands-Échezeaux, Grand Cru, Domaine de la Romanée-Conti, Vosne-Romanée, Côte de Nuits (Produktion: 9.586 Flaschen): Wie so oft etwas dichter in der Farbe als der Échezeaux, deutlich komplexer und mit Luft sich weit öffnend mit vielen Schichten. Boah, da ist schon viel feinste Pinot-Finesse mit einem Extra-Touch Magie drin: frische Himbeeren, edle Sauerkirsche und reif schmeckende Johannisbeeren verweben sich aufs Köstlichste mit Noten von schwarzem Tee, Veilchenblüten und wieder fein abgeriebener Orangenschale. Am Gaumen einerseits schön straff gezogen mit einer ganz feinen Rasse, andererseits ausgeglichen und nahezu perfekt strukturiert mit schön eingebetteten Tanninen, dennoch markante Präsenz, obgleich jetzt schon erkennbar groß, braucht er noch 1 bis 2 Jahre bis er voll da ist, bleibt ewig lang am Gaumen. Ein beachtlicher Grands-Échezeaux mit weiterem Potenzial. 18.5+/20 2023 – 2030

 

  • 2014 Romanée-Saint-Vivant, Grand Cru, Domaine de la Romanée-Conti, Vosne-Romanée, Côte de Nuits (Produktion: 13.600 Flaschen): Was für ein herrlich feinsinniges-feminines Bouquet mit hellstrahlender Pinot-Frucht, reife Himbeere, feinste Kirschen, dazu diese rokoko-artige florale Verspieltheit mit Veilchenblüten und Rosenholz, umrahmt von feinen Toast- und Würznoten, immer mehr öffnend, dann kommen auch getrocknete Kräuter. Am Gaumen dann doch straffer und intensiver als erwartet, ziemlich linear mit präsenten, feinsandigen und ungemein eleganten Tanninen, im Midpalate geradezu explosive, vielschichtige Frucht- und Kräuteraromen, bleibt aber ganz auf der eleganten Seite und endet mit einem sehr langen, intensiven Finish. Der Wein ist so melodisch-verspielt wie der Klang seines Namens: Romanée-Saint-Vivant. Eine feminine Delikatesse! 19/20 2023 – 2040

 

  • 2014 Richebourg, Grand Cru, Domaine de la Romanée-Conti, Vosne-Romanée, Côte de Nuits (Produktion: 11.700 Flaschen): Zunächst eher diskrete Nase, die aber was ganz Eigenes hat. Da ich moderierte, hatten die Weine bei mir im Glas viel Zeit, sich zu entfalten. Dann kamen druckvolle Noten von reifen, dunkleren (als bisher wahrgenommenen) Kirschen und eine intensive Würze, die man auch manchmal bei einem edlen Sangiovese verspürt, so bisschen was Rauchig-Speckiges, dahinter und vor allem mit Luft zunehmend eine raffinierte florale Würze, die an getrocknete Blüten erinnert. Ich fand das enorm spannend. Im Mund dann hoch elegant und distinguiert, obwohl er auch viel Kraft und Schmelz hat. Man könnte sagen: Fleischige Finesse. Hier ist aber noch Warten angesagt. Ist im Werden. Die Länge ist aber jetzt schon großartig. 19/20 2024 – 2040

 

  • 2014 La Tâche, Grand Cru Monopole, Domaine de la Romanée-Conti, Vosne-Romanée, Côte de Nuits (Produktion: 12.677 Flaschen): Was für ein grandioses, ausdrucksstarkes Bouquet mit einem Touch Magie, man kann es nicht anders auf den Punkt bringen. Da konzentrieren und verdichten sich edle Düfte zu einem ungemein betörenden Potpourri aus reifen Himbeeren, edelsten Kirschen, sizilianischer Blutorangenschale mit süßen Gewürzen, dunkler Mineralik sowie Kräutern, Tabak und Edelholznoten. Am Gaumen mit berauschender Komplexität und Tiefe gesegnet, perfekt strukturiert, verdichtet und doch schwebend und so feinsinnig, «süße» Gerbstoffe, im Hintergrund schwebt diese dunkelkräutrige Kulisse, langes, kaskadenartiges Finale. Überragender Weltklasse-Pinot, der sicher noch etwas Flaschenreife braucht! 19.5/20 2025– 2045

 

Die exakte Beschreibung der einzelnen Lagen mit Hektaranteilen und durchschnittlich produzierten Anzahl der Flaschen von Domaine de la Romanée-Conti finden Sie im Heft WW 11/22.

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