Mario Scheuermann: Heitlingers Museum Riesling

Man lernt nie aus in Sachen Riesling und wundert sich immer wieder, zu welchen wunderbaren Ausdrucksformen diese Sorte fähig ist. Kürzlich hatte ich so eine Begegnung der anderen Art. Wer kennt Heitlingers Museum Riesling? Kaum jemand, denn es gibt pro Jahrgang davon nur so um die 210 Flaschen und die sind auch nicht gerade preiswert. 95 Euro ab Weingut kostet die 0,75 l Flasche. Bislang gibt es auch erst zwei Jahrgänge von diesem Wein: 2011 und 2012. Der 2014er kommt im Jahr 2016, kann aber jetzt bereits auf dem Weingut reserviert werden.

Was ist das besondere an dem Wein? Zum einen ist es seine ungewöhnliche Aromatik, zum anderen die Geschichte der Reben. Der Weinberg liegt in unmittelbarer Nähe des Weingutes in Östringen-Tiefenbach und wurde 1953 angelegt. Ende der 1990er Jahre wurde er aufgelassen, verwilderte und verbuschte bis man nichts mehr von den Reben sah. Als Claus Burmeister 2008 die Regie im Weingut übernahm,  liess er den Weinberg rekultivieren. Als die wuchernde Büsche und Bäume weggeschnitten waren stellte sich heraus, dass ca. 85 Prozent der ursprünglichen Anlage überlebt hatte. Anfangs wanderten die Trauben in den Schellenbrunnen Riesling. Dann kam der Kellermeister auf die Idee, sie wegen ihres ungewöhnlichen Geschmacks und ihres Alters doch separat auszubauen. Gesagt, getan! Die 60 Jahre alten Reben dankten es mit einem einem Riesling, der eine ganz und gar eigenständige Aromatik hat, so wie zumindest ich bislang noch keinen verkostet habe.

2012 Heitlinger Museum Riesling: Helles, blankes Strohgelb. Nase mit frischer tropischer Frucht, deutlich Ananas, aber auch Mineralität und exotische Würze u.a. Muskatnuss. Auch das ist komplex, wenn auch so ganz anders als der 2011er. Am Gaumen frisch, schöne saftige Fülle. Langer Nachhall und Abgang. Auch am Gaumen schmeckt der Wein, als enthielte er einen kleinen Anteil von Traminer oder Muskateller.

Bewertung in Punkten: 17/20

 

2011 Heitlinger Museum Riesling: Strohgelb. Nase mit einer starken und komplexen Kräutertönung wie Salbei, Melisse, auch Gebirgsminze, mineralisch, sehr eigenwillig, ungewöhnlich, aber ungemein spannend. Ich kann mich nicht erinnern, jemals zuvor einen deutschen Riesling mit dieser Aromatik im Glas gehabt zu haben. Am Gaumen frisch, aber auch etwas cremig, ölig mit komplexer Aromatik. Langer Abgang. Man spürt und schmeckt deutlich die Substanz der Alten Reben, die den Kern dieser aus den 1950er Jahren stammenden Anlage ausmachen.

Bewertung in Punkten: 18/20

Weintipp und Foto: Mario Scheuermann


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  1. […] Ob die Legende wirklich stimmt, darf ein Geheimnis bleiben. Unumstritten dagegen ist das Besitzverhältnis: Die Husarenkappe war stets im Alleinbesitz von Burg Ravensburg und hier wurde auch stets ausschliesslich Riesling produziert. Sonnenverwöhnt nach Süd-Südwest ausgerichtet, 5,5 Hektar groß, besteht der Boden aus Gipskeuper und Mergel. Seit 2009 sind Burg Ravensburg und das Weingut Heitlinger  fusioniert, was uns gleich zu einem weiteren Weintipp führt → Heitlingers Museums Riesling. […]

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