Chablis: Der ultimative trockene Weisse

Noch vor nicht allzu langer Zeit nutzten Erzeuger in den USA und Australien den Namen Chablis für ihre auflagenstärksten trockenen Weissweine, die meist noch nicht einmal Chardonnay enthielten. Chablis war einfach zum Synonym für trockenen Weisswein geworden. Als Chardonnay sich wie eine Grippe-Epidemie um die Welt verbreitete und bald mit Butter-Scotch-Aromen (durch chips oder staves bewirkt) die Geschmackspupillen betäubte, gab es vor allem in England den Protest-Slogan «ABC = Anything but Chardonnay». Das hinderte die Briten nicht daran, ihre Importe an Chablis zu steigern. Inzwischen wächst auch in Deutschland erneut die Nachfrage nach Chablis. Schliesslich bleibt der auf Austernkalk wachsende Chardonnay der Inbegriff des klassischen trockenen Weissweins.

Die Appellationen Petit Chablis mit 917 Hektar und Chablis mit 3.406 Hektar stellen das grösste Volumen der insgesamt 5.359 Hektar grossen Weinregion im Norden der Bourgogne bei der Stadt Auxerre. Sie sind wesentlich für den aktuellen Erfolg des Chablis verantwortlich. Sie vermitteln seinen typischen frischen und mineralischen Charakter mit dem hellen, grünlich-goldenen Farbton (weshalb wir diesen in der folgenden Verkostung nur angeben, wenn er stark davon abweicht) und den Aromen von grünen Äpfeln und Birnen oder Zitrusfrüchten. Dabei bleiben sie erschwinglich und werden zum überwiegenden Teil in der Grossfläche abgesetzt.

Die Premiers und die Grands Crus des Chablis begeistern Weinliebhaber aufgrund ihrer einmaligen Mineralität, ihres oft hervorragenden Alterungspotenzials und der – im Vergleich zur Côte de Beaune – höchst interessanten Preise. Die 17 Premiers Crus mit insgesamt 40 Climats, wie man die Terroirs in der Bourgogne bezeichnet, erstrecken sich über 736 Hektar Rebflächen, während der Chablis Grand Cru mit seiner praktisch unveränderlichen Grösse von rund 100 Hektar in 7 Climats unterteilt ist, nämlich Bougros, Preuses, Vaudésir, Valmur, Grenouilles, Les Clos und Blanchots.

Für unsere Verkostung der Premiers Crus und Grands Crus wurden – dank des Aufrufs des Weinverbands in Chablis – 89 Weine angestellt, 69 Premiers Crus und 30 Grands Crus. Dabei entfielen 22 Weine auf den Jahrgang 2013, 45 auf 2012, 10 auf 2011, 6 auf 2010, 1 auf 2009, 1 auf 2006, 1 auf 2005, 3 auf 2003. Der aktuell ausgelieferte Jahrgang 2013 war einer der schwierigsten, die Chablis jemals erlebte. Es blieb nur ein kleines Zeitfenster Ende September, Anfang Oktober, um gesunde Trauben einzubringen, denn Wärme und Feuchtigkeit führten schnell zu Fäulnis. Umso erstaunlicher die Weine.

Bei geringen Erträgen rund und reif mit sehr attraktiver Frucht. Jung bringen sie viel Spass. Dagegen ist 2012 ein Klassiker mit grossem Potenzial wie auch 2010. Der frühzeitige 2011 hat nicht diese Klasse, aber verzeichnet einige sehr gelungene Weine. Nicht nur aufgrund der ungleichen Wachstums- und Lesebedingungen sind die Winzer von Chablis weiser geworden. Generell gibt es inzwischen ein bewussteres und konsequenteres Streben nach Qualität und Ausdruck, das eine breite Auswahl an ausgezeichneten weissen Burgundern bietet, und dies – das sei noch einmal betont – zu vorteilhaften Preisen.

Verkostungsnotizen Chablis Premier Cru: vom linken Ufer des Serein

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Premier Cru Beauroy

2013 Domaine Alain Geoffroy, Beines: Mittleres Gold. Intensive Frucht, leicht gezuckerte Zitrone und Grapefruit sowie buttrig mit Noten von Patisserie. Saftig mit Aromen von grüner Birne und Zitrusfrüchten, dabei angenehm rund mit viel Länge und nur dezenter Säure, aber lebendig mit dezent mineralischem Finale.
16/20 –2020

2012 Sylvain Mosner, Beines: Dicht und mineralisch, dann Noten von Birne, Nuss und süsser Würze. Frischer Ansatz mit Aromen von Zitrone und grüner Birne, fein ziselierte Säure und Mineralität, ausgewogen. Im Ganzen noch zurückhaltend, aber lang und anregend. Gutes Potenzial.
16,5+/20 –2025

Premier Cru Côtes de Lechet

2012 Bernard Defaix, Milly: Intensiv und komplex, feine Röstaromen und Mineralität mit grünem Kernobst und Zitrone, Noten von Butter und Nuss. Saftige Frucht, gutes Volumen und viel Struktur, feine, eingebundene Säure, mineralisch und lang.
17/20 –2030

2012 La Chablisienne, Chablis: Komplexe Nase mit grünen Kräutern, vor allem Melisse sowie grüner Birne, dann kalkige Mineralität und feine Röstnoten. Frischer, knackiger, kräuteriger Ansatz, gute Spannung, Zitrusaromen und grünes Kernobst, darunter Note von Feuerstein und sehr gute Länge.
17/20 –2030

2003 Daniel-Etienne Defaix, Milly: Schönes volles Gelbgold. Intensiv entwickeltes, attraktives Bukett mit Orangenschale, Mandarine und Earl Grey. Seidige Textur mit überraschender Frische, dann erneut feine Orangennoten, elegante Struktur mit grosser Länge und körniger Mineralität. Ein Meisterwerk aus dem heissen Jahrgang.
19/20 –2020 

Premier Cru Vaillons

2013 Bernard Defaix, Milly: Reife Frucht, gezuckerte Grapefruit, Ananas, Zitronencreme. Angenehme Frische mit reifer Säure, viel Volumen, süsse Zitrusnoten und feine Mineralität.
16/20 –2020

2012 Simonnet-Febvre, Chitry: Dezente, aber ansprechende Frische mit grüner Birne, einem Hauch Zitrone und gelber Stachelbeere. Attraktive Birnen- und Zitronenfrucht, elegante Frische, feinkörnige Mineralität, lang, ausgewogen und anregend.
16,5/20 –2025

2012 Louis Moreau, Chablis: Feine Fruchtnoten von Zitronenschale, grüner Ananas, Pfirsich und Melisse. Attraktiv und sehr präsent am Gaumen mit leicht exotischer Frucht, Noten von Pfeffer und dezenter Mineralität, viel Frische, Länge und Finesse.
17/20 – 2025

2011 DRB Damien et Romain Bouchard, Chablis: Mittleres Gold. Intensives Bukett, feines Zitronenaroma, dann Noten von Butter, Nuss und Honig. Seidiger, voller Ansatz mit gutem Volumen und angenehmer Frische, komplex mit Noten von grünen Kräutern, Zitrone und kalkiger Mineralität. Gute Länge und Ausgewogenheit.
16,5/20 –2020

2003 Daniel-Etienne Defaix, Milly: Volles Gold. Entwickelte Nase mit Aromen von Orangen, kandierter Ananas und Quittenpaste. Viel Volumen und Rundheit, nussig und dezent mineralisch, ausgewogen und sehr langes Finale, das leicht trocken endet. Auf dem Höhepunkt.
17,5/20 –2016

Premier Cru Les Lys

2003 Daniel-Etienne Defaix, Milly: Zitronengold. Intensives Bukett mit Aromen von Orangenblüten sowie in Butter gedünsteten Orangen mit Noten von Papaya, Mango und Blütenhonig. Bemerkenswerte Frische mit ausgeprägten Orangenaromen, feine Struktur mit einem Hauch von Mineralität. Im Ausdruck etwas einseitig und leicht trockener Abgang. Auf dem Höhepunkt.
16,5/20 –2016

Premier Cru Montmains

2013 Les Maronniers, Préhy: Intensive Frucht wie Zitrone, Grapefruit, grüner Apfel und Apfelschale, sauber und klar. Anregende Fruchtigkeit von grünem Kernobst, leicht mineralisch, etwas salzig, sehr schöne Frische und gute Länge.
16+/20 –2023

2012 Louis Michel et Fils, Chablis: In der Nase feine Frische mit weissem Pfirsich, grüner Birne, weissem Pfeffer und mineralischer Note. Am Gaumen seidig und elegant, feine Frucht und Mineralität, grosse Länge und Finesse.
17/20 –2025

Premiers Crus vom rechten Ufer des Serein

Premier Cru Fourchaume

2013 Alain Geoffroy, Beines: Weisse Blüten und reife, intensive Frucht, fast Zitronenkonfitüre. Intensive, attraktive Zitrusfrucht, gutes Volumen, angenehme, integrierte Säure, schmeichelnd.
16/20 –2018

2013 Roland Lavantureux, Lignorelles: Elegante Nase mit würzigem Zitronenaroma, Noten von Melisse und reifen Blüten. Im Mund frische Zitrusfrucht, seidige Textur, feine pfeffrige Mineralität, gute Struktur und beachtliche Länge.
17/20 –2023

2012 La Chablisienne, Chablis: Noch verschlossene Nase mit einem Hauch von frischer grüner Frucht und eleganter Würze. Sehr lebendig mit feiner Säure, mineralischer Struktur, grosser Länge und viel Potenzial.
16,5+/20 –2030

Premier Cru Vaulorent

2012 La Chablisienne, Chablis: Feine, frische, kräuterig-florale Nase mit Noten von Pfirsich und Toastbrot. Viel Finesse, mineralisch, dicht, spannend und mundwässernd, gute Länge und sehr ausgewogen.
16,5+/20 –2025

Premier Cru Montée de Tonnerre

2012 Louis Michel et Fils, Chablis: Dicht, komplex, naturwürzig, gelber Pfirsich, dezente Mineralität. Sehr viel Volumen und seidige Textur, gute Konzentration, mit Birnen- und Pfirsichfrucht, dann steinig, salzig und lebendig. Gutes Potenzial.
17+/20 –2034

Premier Cru Mont de Milieu

2013 Domaine Charly Nicolle, Fleys: Intensive, sehr elegante Frucht, reife Birne und Pfirsich, Note von Zitronenblüten. Auch am Gaumen sehr fruchtbetont mit feiner Frische und Struktur, dezenter Mineralität und guter Länge.
16,5/20 –2023

2013 Domaine Drouhin-Vaudon, Chichée: Noch verschlossen, aber Noten von Kalk, Rauch und heller Frucht. Weich und rund mit schönem Volumen, fast süsser Frucht und einer Note von Anis, im Abgang pfeffrige Mineralität.
16,5/20 –2020

2012 Jean Billaud-Simon, Chablis: Florale Nase und Duft grüner Birnen. Seidiger Ansatz mit schöner fruchtiger Frische und gutem Volumen. Mineralisches Finale mit salzigem Akzent. Potenzial.
17/20 –2030

Premier Cru Les Fourneaux

2013 Alain et Cyril Gautheron, Fleys: Intensive und angenehme Aromen von grünen Kräutern und Zitrone. Saftig, frisch und anregend mit feiner Säure, elegant und ausgewogen mit einer Note von erdiger Mineralität, sehr gute Länge.
16,5/20 –2025

2013 Domaine Charly Nicolle, Fleys: Intensive und reife Frucht mit Noten von Birne, Zitrone, Ananas und Zitronenschale. Am Gaumen sauber und fruchtbetont mit einer Dominanz von Zitrusaromen, harmonisch und ansprechend.
16/20 –2020

2011 Louis Moreau, Chablis: Komplexe Nase mit Noten von Kernobst, Butter und gerösteten Nüssen. Weicher, voller Ansatz mit viel Volumen und angenehmer Frucht, gute Länge mit Rundheit, feiner Frische und unterschwelliger, feinkörniger Mineralität.
16,5/20 –2021

Premier Cru Vaucoupin

2013 Pere Millet et Fils, Tonnerre: Intensive, attraktive und elegante Frucht von Pfirsich und Grapefruit, Note von Zitronenblüten. Am Gaumen köstliche frische Frucht mit guter Konzentration und beachtlicher Länge.
17/20 – 2023

2013 Alain et Cyril Gautheron, Fleys: Reife gelbe Früchte wie Pfirsich und Aprikose. Leicht cremige Textur, dabei lebendig mit Noten von Ananas und dezenter Mineralität.
16/20 –2020

Verkostungsnotizen Chablis Grand Cru

Grand Cru Bougros

2013 Chanson Père et Fils, Beaune: Feine Zitrusnoten, leicht mineralisch und rauchig, noch verschlossen. Viel Nachdruck am Gaumen mit schöner Frische, feiner Mineralität, dezenter Würze und mittlerer Konzentration. Sehr ausgewogen, gutes Potenzial.
17/20 –2030

2012 Bernard Defaix, Milly: Dichte Nase mit feiner Würze, Noten von gelbem Pfirsich, Lychee und Patisserie. Saftiger, mineralischer Auftakt, dann cremige Textur mit gelber Frucht, viel Relief, Frische und Potenzial.
18/20 –2032

2011 Jean-Marc Brocard, Préhy: Komplexes Bukett mit rauchig-mineralischen, leicht laktischen Aromen. Im Mund ausgesprochen mineralisch und pfeffrig mit Kraft und Volumen, pikanter Säure und guter Länge.
17/20 –2031

2010 William Fèvre, Chablis: Verschlossen, benötigt Luft. Zeigt am Gaumen eine spannende Struktur mit pfeffriger Mineralität, viel Frische, einem Hauch von Wachs und Honig und langem Finale. Viel Potenzial.
17+/20 –2035

Grand Cru Preuses

2012 Maison Louis Jadot, Beaune: Intensive Nase mit feinen Rauch-, Röst- und Gewürznoten, dann Aromen von Zitrusfrüchten. Auch im Geschmack deutliche, doch elegante Holzwürze mit feinen Toastnoten bei einer ausgewogenen Struktur.
16+/20 –2030

2012 La Chablisienne, Chablis: Ausgeprägte Birnenfrucht, wirkt noch verschlossen und einseitig. Voll, rund mit viel Frucht, saftig, gutes Volumen, recht mineralisches und sehr langes Finale.
16+/20 –2030

Grand Cru Vaudésir

2013 Seguinot Bordet, Maligny: Helles Gold. Ansprechender Duft von Zitronenblüten und Grapefruit. Am Gaumen saftig, intensiv mit viel Nachdruck, schöner Zitrusfrucht und feiner Mineralität, elegant und lang.
17/20 –2028

2012 Bernard Defaix: Intensive Nase mit Aromen von Pfirsich, Birne, Zitrone, dann feine Würze und Note von Kuchen. Dicht, konzentriert, rund, voll und würzig, gute Struktur mit feiner Säure, feinkörniger Mineralität und viel Länge.
17,5/20 –2032

Grand Cru Valmur

2010 J. Moreau Et Fils, Chablis: Mittlerer Goldton. Dicht, floral, dann Aromen von Apfel und Zitrusfrüchten. Schöne Spannung am Gaumen mit Relief, Struktur und Frische, pikante Säure und viel Mineralität.
17+/20 –2035

Grand Cru Grenouilles

2012 Louis Michel et Fils, Chablis: In der Nase noch etwas verschlossen mit floralen Noten, etwas Zitrusfrucht und Anis. Am Gaumen sehr schöne Frische und Eleganz, mit delikaten Zitrusaromen, präsenter Säure, feinkörniger Mineralität und sehr guter Länge.
17,5/20 –2037

2012 La Chablisienne, Chablis: Dicht und konzentriert, feine Würze und Rauchnoten, Akzent von Zitronenrinde. Viel Stoff und kräftige Struktur mit ausgeprägter Mineralität, Frische und Zitrusaromen, ausdauernd und viel Zukunft.
18,5/20 –2042

2006 Daniel-Etienne Defaix: Volles Zitronengold. Scheint sich zurzeit wieder verschlossen zu haben. Nach viel Belüftung Aromen von Butter, Zitronenschale, Nuss und trockenem Laub. Noch fruchtiger Ansatz, dann dezente Röst- und Rauchnoten, pfeffrig, dichte Textur und gute Struktur mit feiner Säure. Gutes Potenzial.
16+/20 –2031

Grand Cru Les Clos

2013 Domaine Drouhin-Vaudon, Chichée: Zeigt sich in der Nase noch etwas einseitig mit intensiven Zitrusnoten. Saftiger Auftakt mit gutem Nachdruck und recht kraftvoller Struktur, dann deutliche, lange nachklingende Mineralität mit Potenzial.
17+/20 –2033

2012 Chancon Père et Fils, Beaune: Komplexe Nase mit Noten von Zitrone, Wachs, Pfeffer und Muschelkalk. Viel Spannung mit frischer Frucht, dichter, doch feiner Mineralität, ausgezeichnete Struktur, sehr gute Länge und Potenzial.
18/20 –2042

2011 Pascal Bouchard, Chablis: Reife volle Nase mit Aromen von Apfel, Butter, Rauch und Kuchen. Viel Volumen und deutliche Säure, aber zugleich Körper und Struktur, Noten von Wachs, Honig und Butter.
17/20 –2031

2010 Domaine Laroche, Chablis: Braucht Luft und zeigt dann Aromen von weissen Blüten, Rauch und Zitrone. Beachtliche Struktur mit viel Druck, ausgeprägter feiner Mineralität und eleganten Würz- und Röstnoten. Viel Potenzial.
17,5/20 –2040

2010 Louis Moreau, Chablis: Intensiv und komplex, deutliche Röstnoten vom Holzausbau, Noten von Curry und Farnkraut, dahinter dezente reife Frucht und Feuerstein. Gute Struktur mit schönem Volumen und Präsenz, viel Dichte, Note von Zitrusfrüchten mit feiner Säure und guter Frische, dann deutliche Mineralität, leicht salzig. Viel Potenzial.
18+/20 –2040

Grand Cru Blanchot

2010 Domaine Laroche, Chablis: Komplexes Bukett mit Aromen von Orangenblüten, Aprikosen und Honig, intensiv und reizvoll. Seidiger Auftakt, dann schöne Frische, sehr gute Struktur und Konzentration, mineralisches Finale und viel Potenzial.
17,5/20 –2040

Beitrag und Foto: André Dominé

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