VIEVINUM FEIERT GEBURTSTAG – WEINWISSER ALS MEDIENPARTNER DABEI, 9.-11. JUNI 2018, WIENER HOFBURG

Seit 20 Jahren ist die VieVinum der Weinevent Österreichs. Seit 1998 findet alle zwei Jahre im historischen Rahmen der Wiener Hofburg ein Get Together der Österreichischen Weinszene statt, zu dem zahlreiche Fachbesucher und Weinfreunde aus der ganzen Welt anreisen. Die Veranstalter von MAC Hofmann und die Österreich Wein Marketing erwarten für die VieVinum 2018, die vom 9-11. Juni stattfinden wird, neben den Besuchern aus Österreich rund 900 ausländische Händler, Gastronomen und Journalisten. Österreich hat sich in den vergangenen 20 Jahren mit der VieVinum einen Fixplatz auf der Bühne der  internationalen Weinmesse erarbeitet und wird von vielen Profis als die am besten organisierte Weinmesse weltweit betrachtet.

Der Schwerpunkt bei den rund 550 Ausstellern liegt naturgemäß bei den österreichischen Weingütern aus Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark. Als Gastland konnte zum 20jährigen Jubiläum die Schweiz gewonnen werden. Als Ehrengast wird der britische Bestseller-Autor in Sachen Wein Hugh Johnson zur Eröffnung der VieVinum erwartet. Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Verkostungen und Präsentationen ist ebenfalls besuchenswert.

Als besonderen Service unterstützt die VieVinum Besucher mit zahlreichen Angeboten für die Anreise, Aufenthalt etc. Alle Infos inklusive Kartenvorverkauf, VIP-Führungen, etc. auf www.vievinum.at. Für Fachbesucher wurden die Besuchszeiten an allen drei Messetagen auf 9.00-13.00 Uhr erweitert.

WEINWISSER IST ALS MEDIENPARTNER DABEI UND WIRD BERICHTEN!

VieVinum 2018

9.-11. Juni 2018, Wiener Hofburg

Öffnungszeiten täglich 13.00-18.00 Uhr, Fachbesucher & Presse 9.00-13.00 Uhr

Tickets:          Tageskarte €55,-, Vorverkauf €45,- vievinum.at/tickets, Dauerkarte € 100,-

Hotel- und Reisebuchungen: www.mondial-reisen.com/vievinum

Info: www.vievinum.at

Once-in-a-lifetime – 30 Jahrgänge Château Margaux

Das grosse Margaux-Spektakel – 30 Jahrgänge Château Margaux beim Rheingau Gourmet Festival

Von Giuseppe Lauria

Es war einer dieser Abende, die man als Wein- und Bordeauxliebhaber nicht vergisst. Erst recht nicht, wenn man feine gereifte Weine liebt. Eine dieser Weinproben, die zurecht als „Once-in-a-lifetime“ geadelt werden. Sieben Dekaden des legendären Château Margaux. Ein Mythos von Wein, der wie kaum ein zweiter für Eleganz und Finesse steht. Eine Delikatesse der Extraklasse – gekrönt von einem fabelhaften Gala-Dinner von Simon Stirnal. Alles an einem Abend, an einem Ort, im schönen Kronenschlösschen. WEINWISSER-Chefredakteur Giuseppe Lauria war bei diesem einzigartigen Festival der Superlative dabei und hat alle Jahrgänge ausführlich verkostet, beschrieben und bewertet.

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Grosse Gewächse – Teil 3: DEUTSCHE PINOTS – WENIGER IST MEHR (FINESSE)

DEUTSCHE PINOTS – WENIGER IST MEHR (FINESSE)

Die deutschen Pinots gewinnen in der Spitze zunehmend an Eleganz und Finesse. Das haben wir bereits in unserem grossen Pinot Noir-Dossier (WW Ausgabe 07/17 https://goo.gl/RKG7qM) geschrieben. Besonders der Umgang mit dem Barrique und der Lesezeitpunkte erfolgt mit mehr Feingefühl und ist weniger auf die kraftvolle Effekthascherei der Vergangenheit aus. Mit dem Jahrgang 2015 kommt jetzt noch ein (zumindest in vielen Teilen) grosses Spätburgunder-Jahr dazu, um diese Entwicklung weiter zu unterstützen. Zwar geht bei vielen der Trend zum späteren Markt-Release im Sinne einer Riserva, dennoch konnten wir bereits einige ausgezeichnete 2015er probieren. War es früher ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Huber und F. Becker, so hat sich in den letzten Jahren ein „Dreikampf“ etabliert. Absolut führend waren bisher Huber (Baden), Fürst (Franken) und dahinter auch Knipser (Pfalz) mit einem eher kräftig-schmelzigen Stil. Klaus Peter Kellers Morstein holt auf und scheint ein Langläufer zu sein – jung nicht immer einfach zu bewerten. Hier entsteht ein echter Vierkampf, zumal das uns vorab gezeigte 2015er GG Morstein „Felix“ jetzt schon Aussergewöhnliches verspricht und mit 19/20 schon auf Platz 3 unserer Pinot-Bestenliste landete. Vielleicht kommt einer der beiden folgenden noch dazu. Denn dahinter haben sich F. Becker, Rebholz und auch Heger mit klareren Profilen und weniger auf Kraft setzend als in der Vergangenheit (wieder) gut positioniert.

In Baden überraschte Franz Keller mit grossen Pinot-Klassikern und im Rheingau Kesseler mit einem weit aufgespannten Höllenberg, während der Schweizer Quereinsteiger Kaufmann seinen Weg in Richtung eines zarten Pinot-Stils zu finden scheint. Respektable Pinots kamen in diesem Jahr auch von Kranz, Philipp Kühn und den Rings-Brüdern aus der Pfalz. Und an der mit dem Jahrgang eher kämpfenden Ahr mit teils überreifen und gezerrten Weinen zeigen zumindest Meyer-Näkel und zum Teil auch Adeneuer und Stodden, wie salzig und wiedererkennbar Pinot vom Schiefer sein kann. In Rheinhessen überraschte Gutzler mit seinem Morstein.

Huber, Fürst und Keller an der Spitze

Mich hat in diesem Jahr die Phalanx an grossartigen Pinots von Huber schlichtweg begeistert – absolut bewundernswert, wie hier der junge Julian in die grossen Fussstapfen seines viel zu früh verstorbenen Vaters Bernhard reingewachsen ist. Sein erster komplett alleinverantwortlicher Jahrgang. Und was für einer! Ob man nun Huber oder Fürst vorzieht, ist letztlich eine reine Stilfrage. Beide sind herausragend – und jeweils mit ihrem Schlossberg (ex-aequo) an der Spitze, zu der sich nunmehr auch Kellers Morstein 2015 gesellt. Das Trio wird von Knipsers Burgweg und Mandelpfad gefolgt.

Zusätzlich zu unserem umfassenden Pinot Noir -Dossier in Ausgabe WW 07/17 mit dem ausführlichen Interview mit Jancis Robinson listen wir die besten Pinots nach Regionen auf ­ – ergänzt um eine spannende Replik von Sebastian Fürst zum Jancis Robinson-Interview.

Auf der letzten Seite der Print-Ausgabe beziehungsweise in unserer Datenbank finden Sie dann unser Best-of über alle Regionen und Rebsorten hinweg (WEINWISSER TOP 100). Zu den weissen Burgunder und zur Region Württemberg machen wir in der nächsten Ausgabe ein Spezial. Neben unserem Jubiläumsabo zum Vorzugspreis (99€ Digital, Print + Datenbanknutzung mit über 35.000 Fine-Wine-Notizen) und mit hochwertiger Prämienauswahl kann die Langversion mit allen Bewertungen auch als Einzelheft hier https://goo.gl/RKG7qM erworben werden.

Ein ausgezeichnetes Jahr für Riesling-Puristen – Teil 2

Das Regionen-Ranking: Nahe, Pfalz und Rheinhessen ganz vorne

War die Mosel im vergangenen Jahr klarer Sieger und die Pfalz eher Verlierer, so hat sich das in diesem Jahr gedreht. Während die Mosel mit dem Jahrgang zu kämpfen hatte, trumpften Pfalz, aber noch mehr Nahe und Rheinhessen gross auf. In diesen Regionen gab es die meisten Weltklasse-Weine (19/20). Aber der Reihe nach.

Nahe: Die Aufsteigerregion der letzten Jahre zeigte sich sehr homogen. Hier gelingt einfach in grosser Regelmässigkeit der Spagat aus Fülle, kräuterwürziger Mineralik und Struktur. Und doch sind die Stile so vielfältig wie die Terroirs an der Nahe. Besonders die Top Drei Schäfer-Fröhlich, Emrich-Schönleber und Dönnhoff präsentierten sich mit herausragenden Kollektionen in Bestform. Hier lösen Tim Fröhlichs Felseneck, die beiden Halenberg von ihm und Emrich-Schönleber sowie Dönnhoffs Hermannshöhle – jeder mit seinem Stil – Gänsehaut aus. Vom berühmten Ritt auf der Rasierklinge mit würzigen, reduktiven Sponti-Noten und verdichteter Schieferwürze (z.B. Felseneck), über das kräuterwürzige und weit gespannte Riesling-Monument mit gotischer Anmutung (Emrich-Schönlebers Halenberg) bis hin zur beschwingten, fast schwebenden und saftig-animierenden Hermannshöhle mit präziser, glockenklarer Frucht und reifer Säure ist alles dabei. Nicht nur an der Nahe. VDP-Nahe-Vorsitzender Frank Schönleber fasst den Jahrgang so zusammen: „Die 2016er Weine sind in der Spitze ungeheuer präzise und spannend. In der breiten Masse waren die Qualitäten in 2015 sicherlich homogener als in 2016, in der Spitze gibt es aber eine ganze Reihe von grandiosen Weinen.“ Genau so sehen wir das auch. Und gleich mehrere Nahe-Rieslinge sind ganz vorne in der Spitze der WEINWISSER Champions League-Tabelle zu finden. Gleich vier Rieslingen landen mit 19/20-Punkten unter den Top 12.

Grosse Dynamik am Roten Hang – Der Pettenthal-Flight gehörte zu den besten in Wiesbaden

 

 

Rheinhessen: Das Land der tausend Hügel zeigte sich in der Spitze ebenfalls homogen. Diesmal sowohl im Hügelland als auch am Roten Hang, wo mit einer neuen Generation von Winzern wie Kai Schätzel, Johannes Hasselbach, Felix Peters oder Carolin Spanier-Gillot eine eindrucksvolle Dynamik entstanden ist. Klaus Peter Keller legte abermals eine atemberaubende Phalanx an grossen Weinen vor (siehe hierzu das Interview auf den Seiten 2 und 3 sowie das Spezial mit Beschreibung der kompletten Jahrgangskollektion). Die GG sind allesamt herausragend, die Kabinette und Auslesen tänzerische Ballerinen, die man eher an die Mosel verortet. Mit dem Pettenthal GG und dem Spätburgunder Morstein „Felix“, die bei der gestrigen VDP-Versteigerung einen Nettopreis von 275€ und 550€ pro Flasche erzielten, ist ihm ein wahrer Coup gelungen: In beiden Fällen schwebende, verdichtete Leichtigkeit mit enormer Strahlkraft und Griffigkeit. Dicht dahinter haben sich wieder Wittmann mit einem grandiosen Morstein und Kirchspiel sowie Battenfeld-Spanier und Kühling-Gillot mit jeweils sehr ausdrucksstarken Weinen platziert. Das sind wunderbar trockene Rieslinge mit kühler Anmutung, grosser inneren Dichte, fest verwoben und mit dunkelwürzigen, leicht ins tabakige gehende Gelbfruchtaromen – in beiden Fällen mit hoher Wiedererkennbarkeit. Mit neuer oder vielmehr alter Stärke zeigen sich Wagner-Stempel, der zu den GG einen spannenden trockenen Riesling namens „EMT“ zur Versteigerung gab und Gunderloch, der mit einem exzellenten Pettenthal überraschte. Überhaupt war 2016 ein Pettenthal-Jahr und so gehörte dieser Flight zu den besten in Wiesbaden. Kai Schätzel ist weiterhin auf Kurs, gerade der gestern probierte Versteigerungs-Kabinett zeigte grosse Klasse, auch wenn mir die GG etwas zu gerbstoff- und säurebetont sind.

Kellers Pettenthal (360 Flaschen) wurden für 275€ netto versteigert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rheingau: Im Rheingau ist zwar einiges in Bewegung gekommen und es wird viel experimentiert. Brillieren und überzeugen konnten aber allen voran die Top-Betriebe wie Kühn (mit seinen wiederum sehr individuellen 2015er GG) und Leitz mit glockenklaren und erstaunlich leichtfüssigen Bergrieslingen sowie Spreitzer unter anderem mit einem erneut starken und dunkelwürzigen Wisselbrunnen. Waren mir die Künstler-Weine im letzten Jahr zu barock, zeigten sie eine bemerkenswerte Rückkehr zu mehr Leichtigkeit und Eleganz. Das elegant-würzige Kirchenstück ist wieder nuancierter und früher zugänglich, die Hölle klar und tiefgründig. Achim von Oetinger präsentierte erneut den besten Marcobrunn, aber auch Prinz, Wegeler sowie Barth und Allendorf setzen mit teils im Holzfass ausgebauten und bewusst leicht gerbstoffbetonten Charakterweinen tolle Akzente. Ebenso souverän die Rieslinge von Johannishof, während Alexander Jung mit einem kräftig-schmelzigen Siegelsberg eine neue stilistische Variante bietet. Weil präsentierte einen festen, kühlen und langlebigen Gräfenberg, während Schloss Johannisberg nach den vielen personellen Wechseln ein respektables, leichtfüssiges GG lieferte, das eine Rückkehr zu mehr Reintönigkeit zeigt. Bei den Pinots gelingt Kesseler und Künstler jeweils ein Coup mit dem Assmannshäuser Höllenberg und die Weine Kaufmanns gewinnen mit Eleganz und Leichtigkeit zunehmend an Profil. Ausserhalb des VDP setzen einmal mehr die Bergweine von Theresa Breuer, allen voran der Rüdesheimer Berg Schlossberg, eine Benchmark für klassisch-langlebige Rieslinge von zeitloser Schönheit, aber mit viel Substanz und wenig Alkohol. Allerdings sind diese Weine jung schwierig zu verkosten und brauchen – ähnlich wie die 2008er – noch etwas Zeit. Mehr dazu im Kapitel Rheingau mit dem Breuer-Spezial.

Blick auf die beeindruckende Saarschleife: An der Saar brillierte vor allem Van Volxem

Mosel: Die Mosel, unser letztjähriger Regionen-Gewinner, hat sich mit dem 2016er Jahrgang schwergetan. Entsprechend gab es deutlich weniger Anstellungen, was konsequent und richtig ist. Klar ist, dass die Mostgewichte der Trauben an der Saar – wie meistens – nicht ganz so hoch waren wie die an der Mosel. „Allerdings präsentieren sich die Weine aufgrund der langsameren Reife infolge der an der Saar kühleren Bedingungen letztlich aber finessenreicher und auch aromatischer“, berichtet Roman Niewodniczanski im Exklusiv-Interview mit dem WEINWISSER. Schon im vergangenen Jahr ganz vorne, zeigte Van Volxem eine sehr starke Kollektion mit grandiosen GG – allen voran der herausragende Scharzhofberger: Ein Wein, so schön wie eine Michelangelo-Skulptur. Eine gemeisselte Delikatesse. Aber auch Heymann-Löwenstein überzeugte mit einer bärenstarken Kollektion und einer weiterhin erkennbaren Rückkehr zu mehr Finesse und Terroir. Das kühlste und klarste GG ist dabei der Uhlen Röttgen mit seiner steinig-mineralischen Art, auch wenn der Blaufüsser Lay noch eine Dimension mehr zu bieten hat.

Apropos steinig-mineralisch: Das gilt ebenso für Schloss Liesers und Peter Lauers schlanke, schieferwürzige und messerscharf-zupackende Rieslinge. Keine Blösse gaben sich St. Urbans-Hof, Fritz Haag, Maximin Grünhaus, Dr. Loosen (mit allerdings sehr unterschiedlichen Stilen und Qualitäten) sowie von Othegraven. Etwas besser als im Vorjahr präsentierte sich der Karthäuserhof mit einem formidablen kräuter-mineralischen Herkunftsriesling.

Pfalz: Die Pfalz gehört zu den Gewinnern des Jahrgangs, besonders die Mittelhardt zeigte sich deutlich besser als im Vorjahr. Allen voran Bürklin-Wolf mit seinen erst jetzt präsentierten 2015er und Reichsrat von Buhl mit einer (auch numerischen) Phalanx an eigenständigen und knochentrockenen Rieslingen. Doch ganz oben sehen wir wieder das Weingut Rebholz – zum einen mit zwei herausragenden Rieslingen, vor allem aus dem Kastanienbusch, der spielerisch die Balance aus Stoffigkeit, Finesse und Tiefe in Einklang bringt. Auch der Weissburgunder und erst jetzt vermarktete 2012er Pinot sind ganz vorne zu finden. Dicht dahinter platzieren sich Wehrheim und von Winning, während Bassermann-Jordan nicht durchgängig das hohe Vorjahresniveau erreichte.

Für die weissen Burgundersorten war der Jahrgang schwieriger. Dieser Sortentyp gelingt mit einer gewissen Reife und Fülle einfach besser. Sie bleiben deshalb in den meisten Fällen etwas hinter den 2015ern zurück. Bei den Weissen Burgundersorten ist Wehrheims ungemein schmelziger und vielschichtiger Mandelgarten unangefochten an der Spitze, dicht gefolgt von Rebholz und Knipser. Anders sieht es bei den Pinots aus, wo Knipser mit seinen „Riserven“ aus 2013 ganz oben steht, dicht gefolgt von F. Becker und Rebholz. Nur einige wenige haben den 2015er Spätburgunder vorgestellt, der für diese Sorte als Jahrgang sicher zum Besten gehört, was bisher in diesem Jahrhundert gewachsen ist.

Franken. Kaum eine Region hat in den vergangenen Jahren so aufgeholt wie Franken. Und dass nicht nur mit Silvaner, sondern auch mit charaktervollen Riesling. Waren früher die Franken-Weine eher rustikal und hoch im Alkohol, arbeiten die Spitzenwinzer immer mehr daran, den Körper und die Fülle mit mineralischen Akzenten und strafferer Struktur in Schach zu halten. Bei den Silvanern zeigt sich ein sehr ähnliches Bild wie im Vorjahr. Besonders das Spitzenduo Weltner und Luckert haben ungemein komplexe und gleichzeitig animierende Weine auf die Flasche gebracht. Mit ihren charaktervollen, stilistisch völlig unterschiedlichen Silvanern Küchenmeister „Hohenleite“ (Weltner) und Maustal (Luckert) knüpfen sie nahtlos an die ausgezeichnete Vorjahresleistung an und stehen praktisch Schulter-an-Schulter auf dem Siegertreppchen. Allerdings ist die Spitze enger zusammen als im vergangenen Jahr. Denn dazu gesellen sich Horst und Rainer Sauer – beide mit einem starken „Am Lumpen 1655“. Und auch das Juliusspital meldet sich mit einem superben 2015 Silvaner GG aus der Lage Würzburger Stein zurück – die längere Fassreife und der komplettere Jahrgang 2015 haben hier gute Früchte getragen. Rudolf Mays Rothlauf ist auch in diesem Jahr unter den Top-Ten.

Von den grösseren Gütern punktete das Bürgerspital mit seinen beiden Lagen-Silvanern. Eine schöne Überraschung gelang dem Weingut Am Stein – mit einem sehr eigenständigen Silvaner und Riesling aus dem dem Stettener Stein.

Silvaner gewinnt immer mehr an grossartiger Eleganz und Herkunftscharakter. Immerhin schafften es vier Silvaner über die hervorragende 18-Punkte-Grenze. Beim Franken-Riesling setzen nach wie vor Fürst, Weltner und Luckert die Massstäbe.

Baden: Hier kann man zwei Headlines bringen: Die erste lautet in ganz dicken Lettern: Huber beeindruckt auf ganzer Linie: Schon im vergangenen Oktober schrieben wir, dass der 2014er Chardonnay aus dem Schlossberg vielleicht der beste in Deutschland je produzierte Chardonnay ist. Auch in 2015 ist das wieder – wenn auch noch mit starken Reduktionsnoten – der Fall. Wirklich bewundernswert, wie die sympathische und stets bodennah gebliebene Familie die verlustbedingten Herausforderungen angenommen hat. Aus der Serie der grossen Spätburgunder ragen einmal mehr (aus dem grossen Zalto-Burgunderglas probiert) der ungemein komplex-vielschichtige Schlossberg, der von feinster Transparenz geprägte Wildenstein sowie die geheimnisvoll-tiefgründige Sommerhalde heraus. Eine schöne Überraschung lieferten die kompakten und sehr klassisch geprägten Pinots von Fritz Keller und auch bei Heger schmeckt man eine Rückkehr zu mehr Finesse und Frische.

Die zweite Headline: Abgesehen von Bercher gab es bei den weissen Burgundern und Chardonnays ziemlich viel Mainstream mit Restsüsse, gefälligem Schmelz, wenig Spannung und mit eher zweifelhaftem Grand-Cru-Format.

Württemberg: Das Ländle ist zunehmend im Kommen. Das hatten wir bereits im vergangenen Jahr geschrieben. Auch wenn es in 2016 etwas schwerer war, vor allem die Rieslinge können die Herausforderungen des Jahrgangs nicht ganz verschweigen, ist das Niveau durchaus hoch. Noch erfreulicher sieht es bei den Roten aus: Lemberger und Pinot gelingen formidabel. Aldinger, Schnaitmann und Haidle sind hier führend. Darüber berichten wir in Teil 2 unserer grossen GG-Ausgabe.

Auf der letzten Seite (gilt nur für die Abonnenten) finden Sie dann unser Best-of über alle Regionen und Rebsorten hinweg (WEINWISSER TOP 100). Neben unserem Jubiläumsabo zum Vorzugspreis (99€ für Digital, Print + Datenbanknutzung mit über 35.000 Fine-Wine-Notizen) und mit hochwertiger Prämienauswahl kann die Langversion mit allen Bewertungen ab dem 29.09. auch als Einzelheft erworben werden. https://goo.gl/62Xo3T

Verkostungsmarathon mit 421 Weinen – Chefredakteur Giuseppe Lauria verkostete gemeinsam mit Jürgen Mathäß und Frank Kämmer MS

Der Hype um die Grossen Gewächse

Mit grosser Spannung erwartet die Weinwelt jedes Jahr aufs Neue den 1. September. Es ist der Tag, an dem die Grossen Gewächse des Verbandes der Prädikatsweingüter (VDP), die sogenannten deutschen „Grand Crus“, auf den Markt kommen.  Zuvor lädt der Verband die internationale Presse und Fachverkoster zur Vorverkostung ein. Anbei ein paar erste Eindrücke und Ergebnisse von der seit Jahren ausgezeichnet organisierten Vorpremiere VDP. Grosses Gewächs in Wiesbaden: WEINWISSER war alle drei Tage dabei und hat ausführlich verkostet. Die Ergebnisse des dreitätigen Verkostungsmarathons mit dem ausführlichen Bericht und Verkostungsnotizen lesen Sie in der nächsten, Ende September erscheinenden Ausgabe. Hier aber vorab eine erste Einschätzung.

Allgemein gesprochen kann man vielerorts in der Spitze (!) von einem aussergewöhnlich guten bis ausgezeichneten Jahrgang sprechen, bei dem die Winzer unter anderem mit Trockenstress, Botrytis und der Herausforderung teils (sehr) hoher Alkoholausbeute zu kämpfen hatten. Ob es ein Jahrhundertjahrgang ist, wie von einigen schon voreilig kolportiert, muss wohl erst die Zukunft zeigen. Ich bin da zurückhaltender. Dazu ist er in vielen Regionen und auch in der Sortimentsbreite viel zu heterogen. Manche dürften auch etwas früher gelesen haben, was zwar schlanke, aber auch gerbstoffreiche Weine hervorbrachte. Aber insgesamt ist 2015 ohne Zweifel einer der grösseren und auch früh zugänglichen Jahrgänge. Vieles passte gut zusammen. Es gibt zahlreiche ausgezeichnete Weine, davon einige wirklich grosse Grand Crus, die das Zeug haben, in die Historie einzugehen. Etwas salopp könnte man sagen: kein Jahrhundertjahrgang, aber ein Jahrgang mit einigen Weltklasse-Weinen. Und ein Jahrgang, bei dem das Terroir viel besser zur Geltung kommt. Und genau darum soll es ja bei den „Grand Crus“ gehen:  Schmeckbare Lagen- und Herkunftstypizität. Das sollte ein Grosses Gewächs auszeichnen. Und von einem bloss gut gemachten Wein unterscheiden. Diese Trennschärfe ist bei einigen Weinen nicht so klar. Sonst liesse sich auch der deutlich höhere Preis hierfür kaum rechtfertigen – und vermutlich auf Dauer am Markt auch nicht durchsetzen.

Besonders herausragend zeigten sich die Ergebnisse unter anderem an der Mosel, wo es selten so viele starke GGs zu verkosten gab und eine erfreuliche Rückkehr zu einem trinkanimierenden (und weniger fetten und barocken) Stil festzustellen war – vor allem bei Heymann-Löwenstein und Clemens Busch. Schloss Lieser und Fritz Haag präsentierten ebenfalls starke vom Schiefer geprägte Rieslinge. Die Saar-Weine zeigten  sich noch homogener als die Mosel selbst. Hier ragten neben den bekannten Namen wie Van Volxem (mit einem hervorragenden Scharzhofberger) und Nik Weis – St. Urbanshof vor allem das Weingut Lauer mit zwei extrem präzisen Rieslingen heraus, die allesamt zur Gebietsspitze zählen.

Neben der Mosel stach wieder einmal Franken hervor, wo die individuellen Silvaner (und Rieslinge) von Weltner (Küchenmeister Hoheleite), Luckert (Maustal) sowie Rudolf May (beide Silvaner-GGs von herausragender Güte) – jeder mit seinem eigenen Stil – starke Akzente setzen konnten. Diese Sorte gewinnt immer mehr an grossartiger Eleganz und Finesse. Bei den Rieslingen und Pinots überzeugte zudem einmal mehr Fürst mit seinem finessenreichen Stil, aber auch Luckert und Weltner sind hier ganz vorne dabei.

An der Nahe brillierten die „Big-Five“ (Diel, Dönnhoff, Schäfer-Fröhlich, Emrich-Schönleber und Gut Hermannsberg) – mit bekanntermaßen unterschiedlichen Stilen: Diel mit drei souveränen sich gut unterscheidenden GGs mit klaren Lagenprofilen, was auch für Dönnhoff und Emrich-Schönleber mit gewohnt starken Rieslingen gilt. Bei Letzterem ragt einmal mehr der vom blauen Schiefer und Quarzit geprägte Halenberg heraus, der mit seiner gotischen Struktur wie eine Eins im Glas steht. Beim Gut Hermannsberg gewinnen die Weine mit ihrer rassig-kühlen und zupackenden (und leicht phenolischen) Art immer mehr an Profil und Charakter. Von Tim Fröhlichs bärenstarker Kollektion ist der Felseneck ein Wein, der sicherlich zu den besten GGs des Jahres gehört. Ein präziser definierter Cool-Climate-Riesling. Messerscharf wie der berühmte Ritt auf der Rasierklinge: seidig, druckvoll, eigenständig – inklusive der wilden Sponti-Noten, die wohl nur Tim Fröhlich so perfekt beherrscht. Überhaupt hat er eine atemberaubende, über die GGs hinausgehende (edelsüsse) Kollektion in 2015 gemacht.

 

VDP.Grosses Gewächs 2015. Rheingau Spezial:

Im Rheingau gab es jede Menge Licht und ein wenig Schatten. Aber der Reihe nach: Dort konnte vor allem Spreitzer eine sehr geschlossene Gesamtleistung mit drei starken GGs abliefern. Vor allem der erdig-mineralische Wisselbrunnen mit seinem großen Trinkfluss gehört zur Gebietsspitze und ist der beste seit Jahren aus dieser Lage. Das gilt auch für Oetingers Marcobrunn: Trotz der 13.5% Alkohol wirkt der Wein erhaben, in sich ruhend, Noblesse ausstrahlend. Dass der letztjährige „Winzer des Jahres“ Kühn mit den vorgestellten 2014ern grosse Weine im Keller hatte, zeichnete sich schon bei den letztjährigen Fassproben ab: Das sind große, individuelle Weinmonumente. Weils Gräfenberg und der Silberlack von Schloss Johannisberg zeigen noble, in sich ruhende Ansätze und verkosten sich nochmal besser als zwei Wochen davor. Sie brauchen Zeit – und Luft! Im Rheingau zeigten sich überhaupt drei Welten: Die Weine aus dem Rüdesheimer Berg brillierten fast durchgängig – Leitz allen voran, aber auch die von Künstler (Berg Schlossberg), Kesseler und Allendorf. Kloster Eberbach präsentierte gegenüber den Vorjahren stärker ausfallende GGs.

Im mittleren Rheingau, der es insgesamt etwas schwerer hatte, muss man stärker selektieren. Hier profitierten die Brunnen- und Berglagen: Barths Wisselbrunnen und noch mehr der Schönhell sind Weine, mit denen man sich beschäftigen muss: straff, dicht gewoben, zupackend mit zart phenolischer Textur. Prinz zeigte zwar wieder sehr klare Rieslinge, allerdings deutlich höher im Restzucker als zuletzt. Das nimmt den Rieslingen ein wenig die mineralische Spannung.

In Hochheim waren die Weine natürlich jahrgangsbedingt noch etwas kräftiger, als es schon in normalen Jahren der Fall ist. Das merkt man schon an der Weiß Erd – einem auf Kalkmergel gewachsenen und normalerweise auch mineralisch-zupackendem Riesling. Ein sehr guter Wein, dem man im Abgang aber ein wenig die „warmen“ Noten anmerkt. Kirchenstück, auch dieser ein regelmäßig eher femininer Wein, zeigt die Power des Jahrgangs. Das findet sicherlich seine Freunde, ist aber eben anders als sonst, eben nicht so finessenreich. Die „Hölle“, könnte man sagen, steckt das Feuer besser weg. Sie präsentiert sich als ein Kraftpaket in Samthandschuhen, ohne aber ihre gewohnte Tiefgründigkeit missen zu lassen. Ein wie so oft grosser Blue-Chip-Wein, wie es in diesem Jahr erfreulich viele gibt – ganz ohne Hype.

In Rheinhessen gab es in der Spitze eine Reihe an Weltklasse-Weinen. Hier erwischte Klaus-Peter Keller einen Top-Jahrgang, aber auch Wittmann, Battenfeld-Spanier und Kühling-Gillot haben Herausragendes auf die Flasche gebracht. In der Pfalz war es ein sehr gutes Jahr für Rieslinge, vor allem in der Südpfalz.

Unsere Sonderausgabe zu den GGs mit ausführlichen Verkostungsnotizen folgt Anfang Oktober. Soviel vorab: Wir haben 15 mal die herausragende Note von 19/20 vergeben. Zudem berichten wir über unsere Stippvisiten bei Klaus-Peter Keller und Tim Fröhlich – beide mit Traumjahrgängen.

Sie haben noch kein Abo? Hier geht es zu unserem Probeabo mit attraktiven Prämien und dem Zugang zu mehr als 26.000 Verkostungsnotizen.

véritable 2016 – klein, aber fein!

Treffen internationaler Spitzenwinzer im kleinen St. Martin
Am 4. Juli 2016 präsentiert sich wieder die Kult-Weinmesse véritable im Weingut Aloisiushof

Am Montag, den 4. Juli 2016, ist es im pfälzischen St. Martin wieder soweit. Bereits zum sechsten Mal laden der umtriebige Initiator und Organisator Uwe Warnecke gemeinsam mit Gastgeber und Veranstalter Philipp Kiefer zur unter Wein-Profis beliebten Weinfachmesse véritable 16 in den Aloisiushof in St. Martin/Pfalz ein.

Dann präsentieren 90 Spitzenerzeuger und Nachwuchstalente aus den international führenden Weinbauländern je sechs ihrer besten Weine. Insgesamt werden sogar 90 Winzerpersönlichkeiten aus 34 Anbaugebieten und 11 Ländern auf der Premium-Weinfachmesse persönlich in der Zeit von 12 bis 18 Uhr anwesend sein, um mit den zahlreichen Wein-Professionals ins Gespräch zu kommen. Darunter auch viele VDP.Winzer. Zu erlesenen Speisen von OTTO Gourmet sind alle Besucher anschließend herzlich zum geselligen Ausklang willkommen. Der WeinWisser ist Medienpartner der véritable und wird durch Chefredakteur Giuseppe Lauria vor Ort vertreten sein. Der Eintritt beträgt 30 Euro zzgl. Glaspfand.

Bereits einen Tag zuvor wird Stephan Graf von Neipperg, unsere WEIN.PERSÖNLICHKEIT DES MONATS aus Heft 04-05/2016, in Neustadt an der Weinstrasse einen 2-stündigen Vortrag halten. Als Besitzer von sechs namhaften Gütern wird er sicherlich einiges zum Thema Bordeaux und zu seiner eigenen Geschichte erzählen. In unserem exklusiven Interview hat er sich zu den Themen Bordeaux 2015, der Zukunft des Primeurhandels, dem nachlassenden China-Boom, zu Wein als Investment in Zeiten von Null-Zinsen sowie über seine Investments unter anderem in Südafrika und Bulgarien ausführlich geäußert.
Hier geht es zum Interview mit Chefredakteur Giuseppe Lauria.

Zu unserem Probeabo.

Der Vortrag beginnt am 3. Juli 2016 um 14:30 Uhr im Saalbau. Der Eintritt ist frei.
Anmeldung unter www.pfalz.de/neipperg
Ort: Saalbau Neustadt (gegenüber Hbf)
Bahnhofstraße 1, 67434 Neustadt / Weinstraße