Editorial WEINWISSER-Ausgabe 02/19. Rares von Mosel, Maremma, Piemont und der Steiermark

Liebe WEINWISSER,

grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Los geht es mit der 23. Ausgabe des berühmten Rheingau Gourmet Festivals, bei dem wir wieder als Medienpartner dabei sind und bei dem ich einige hochkarätige Drei-Sterne-Dinners mit den Meisterköchen Christian Bau und Top-Winzern (u.a. mit Gaia Gaja sowie den deutschen Spitzenweingütern Künstler und Schloss Johannisberg) und den Brüdern Enrico und Roberto Cerea (u.a. mit Georg Weber von Monteverro, Ricci Cubastro sowie den deutschen Spitzenweingütern Leitz und Prinz von Hessen) sowie hochwertige Masterclasses moderiere. Das Programm mit über 50 hochwertigen Dinners, Kochshows und Weltklasse-Verkostungen finden Sie hier: 

Die zweite Ausgabe des Jahres hält erneut viele Leckerbissen mit raren Spitzenweinen, vielen „Best Buys“ und authentische Geschichten für Sie vor. Und erstmals seitdem ich vor fast drei Jahren unsere hochkarätige Interviewrubrik Wein.Persönlichkeit des Monats ins Leben gerufen habe ist endlich eine Frau im Exklusivinterview: Das war höchste Zeit, denn die charmante Elisabetta Geppetti, die als junge Frau ihr Studium der Kunstgeschichte gegen einen landwirtschaftlichen Mischbetrieb in einer fast ausschliesslich von Männern dominierten Welt in der Maremma eintauschte, machte mit grosser Bravour aus Le Pupille einen strahlenden Stern der internationalen Weinwelt. Das bewegende Interview mit der fünffachen Mutter finden Sie auf den Seiten 4 bis 5, gefolgt von einer Verkostung ihrer Spitzenweine.

 

Argentinien punktet mit Höhenlagen. Foto: J. Mathäß

Zur ProWein, bei der wir ebenfalls mit vielen Masterclasses aktiv sein werden, haben wir bewusst eine etwas buntere Themenmischung gewählt: So war unser Autor Jürgen Mathäss in Argentinien unterwegs, Portwein-Spezialist Axel Probst verkostete die edelsten Portweine von Quinta do Noval und Alexander Magrutsch war sowohl in der Steiermark auf Raritätenprobe als auch bei einer spannenden Gläser-Vergleichsverkostung mit den Kultweinen von Piemont-Ikone Giuseppe Mascarello unterwegs

 

 

Sechs grandiose Winzer, sechs grandiose Lagen: Die Raritätenverkostung auf Schloss Lieser. Bild: Chris Marmann

 

 

Zudem berichte ich über eine hochklassige Raritätenprobe flüssiger Schätze der absoluten Spitzenbetriebe an der Mosel wie Joh. Joh. Prüm, Schloss Lieser, Fritz Haag, Dr. Loosen, Willi Schäferund Markus Molitor– dem „Herr des Schiefers“ widmen wir zudem auf Seite auch ein kleines Porträt, das nach einer Vertiefung schreit.

 

Chefredakteur Giuseppe Lauria bei der Masterclass mit italienischen Sommeliers des A.I.S.

Bei der Masterclass „Giro d’Italia“anlässlich des Kongresses der führenden italienischen Sommeliervereinigung A.I.S stellte ich veritable und herkunftstypische Preis-Leistungs-Renner. Wer von den „Best Buys“das Rennen gemacht hat, lesen Sie auf den Seiten.

Als Fine Wine-Spezialist erhalten wir regelmässig Einladungen zu exklusiven Verkostungen. So müssen wir immer mal wieder Themen schieben, dafür dürfen Sie sich in der nächsten Ausgabe über eine Vertikale des famosen Dalsheimer Hubacker vom deutschen Kult-Winzer schlechthin, Klaus Peter Keller, sowie über Roberto Conternos berühmte Piemont-Einzellage Monprivato und einer 100 Jahre umfassenden Vertikale vom Rheingauer Spitzenweingut Robert Weil freuen.

Aber bis dahin wünschen wir Ihnen viel Lesevergnügen, Inspirationen und genussvolle Momente.

Für die Besucher der ProWein gibt es zudem ein beiliegendes exklusives Aboangebot und für alle anderen das attraktive Geschenkabo, bei dem Sie sich selber beschenken dürfen, zum Beispiel mit einem edlen Bordeaux-Wein.
http://bit.ly/2UeXDdC (Geschenkabo)

Greifen Sie zu solange der Vorrat reicht.

Ihr Giuseppe Lauria

Ausblick auf WW 03/19

Wir waren fleissig für Sie unterwegs, in Südafrika, bei den Anteprima in der Toskana und im Piemont, in Chile und Argentinien sowie am Duero in Spanien. In Südafrika hat Chefredakteur Giuseppe Lauria bei einer von ihm privat organisierten, exklusiven und genussvollen Wein- und Gourmetreise viele Top-Weingüter besucht und zudem die allerbesten Restaurants am Kap systematisch getestet und bewertet. Freuen Sie sich auf ein Update über ausgewählte Weingüter und mit der systematischen Bewertung der besten Restaurants am Kap, das zum gefeierten eno-kulinarischen Hotspot der Welt gehört. Ein weiterer Kracher ist die 20 Jahres-Vertikale vom Hubacker des Kult-Weinguts Keller sowie der spanischen Nationalinstitution Vega Sicilia. Doch nicht genug, weitere Top-Themen finden Sie unten.

Weinsammler Hans Onstein bei der 20-Jahres-Vertikale

Geplante Themen:

  • Südafrika – Beste Weingüter, beste Restaurants
  • Kult-Weingut Keller – Die grosse Hubacker-Vertikale
  • Weils Gutswein: Die 100 Jahres-Vertikale
  • Kult-Piemonteser Roberto Conterno
  • Anteprima Toskana: Die besten Brunello
  • Königin Barbaresco
  • Der grosse Chile-Report: Alte und neue Stars
  • Argentinien Teil 2

„Best of Bordeaux“: Die 200 besten Bordeaux Châteaux in der grossen und exklusiven WEINWISSER-Retrospektive

„Best of Bordeaux“: Die 200 besten Bordeaux Châteaux in der grossen und exklusiven WEINWISSER-Retrospektive – von Giuseppe Lauria und Tjark Witzgall

Auch in diesem Jahr haben wir uns das Beste zum Schluss aufgespart: die mit Spannung erwartete neue WEINWISSER-Best of Bordeaux Liste! Wie immer stellen sich die Fragen: Welche Châteaux gehören zu den 200 besten? Wer ist rausgeflogen? Welche Weine sind am besten bewertet? Wo sollte man besser mit dem Entkorken warten und wo sollte man ihn jetzt besser ziehen? Wann ist der perfekte Zeitpunkt, um seine über viele Jahre im Keller schlummernden Trouvaillen zu geniessen – oder zuzukaufen? Genau hier spielt der WEINWISSER alle seine Vorteile aus und steht Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. In unserer aufwendigen Top-200-Bordeaux-Liste sehen Sie die Performance der Weine über einen Zeitraum von 17 Jahren (von 2001 bis 2017). Und natürlich gehen wir wieder den Fragen nach: Wer sind die Preis-Genuss-Sieger? Wo sollte man einsteigen, wo lieber die Finger von lassen? So umfassend und präzise wie kein anderes Medium. Und auch wenn wieder die edle und gegensätzliche Paulliac-Doppelspitze aus Château Latour und Château Lafite das Feld anführt, dahinter tut sich jede Menge und ab Platz Acht wird es für die Bordeauxfans richtig spannend. Als zusätzlichen Service geben wir wieder Tipps zu Newcomern und attraktiven „Best Buys“, für die Sie keinen Kredit aufnehmen müssen. Last but not least blicken wir noch einmal auf den schillernden Millenium-Jahrgang 2000 zurück. Also, wieder die geballte Bordeauxexpertise. 

Pauillac-Gigant Châteaux Latour teilt sich in diesem Jahr die Spitze mit Châteaux Lafite-Rothschild

An der Spitze gibt es keinerlei Überraschungen, Château Lafite und Château Latour führen das Feld souverän mit der Durchschnittsnote von abgerundeten 18.9/20-Punkten an, im vergangenen Jahr lagen beide bei glatt 19/20-Punkten. Das kommt daher, dass der grosse Jahrgang 2000 aus der Wertung rausgefallen ist, 2017 konnte das nicht ganz kompensieren. Dahinter ist Châteaux Margaux der erste Verfolger vor den beiden punktgleichen Châteaux Ausone und Palmer. Während der St.-Julien-Klassiker Léoville Las Cases aus den Top Ten herausfällt und sich auf Platz 14 wiederfindet, klettert Châteaux  Pichon-Comtesse acht Plätze nach oben und schafft es so auf den 9. Rang und damit unter die edlen Top Ten. Ganze zehn Positionen auf Platz 10 und damit den grössten Satz nach vorne macht das „zweite Pferd“ im Stall von Le-Pin-Besitzer Jacques Thienpont. Sein L’If aus St.-Émilion hat besonders im schwierigen 2017er Jahrgang bewiesen, welches Potenzial in dem grossartigen Terroir schlummert. 

Wie in Stein gemeisselt: US-Künstler Carl Laubin versinnbildlichte das fünfstufige Médoc-Klassement mit seinen Grand-Crus-Classés

Wie in Stein gemeisselt? Nicht alles …

Durch die genaue Übersicht der letzten 17 Jahrgänge können Sie Ihre Lieblinge und Schätze genau verfolgen und analysieren. Für das diesjährige Klassement sind die Jahrgänge 2001 bis 2017, die der WEINWISSER bereits „en primeur“ ausführlich verkostet und bewertet haben, entscheidend. Wie im vorletzten Jahr bereits begonnen, haben wir Ihnen hieraus eine Essenz mit den aktualisierten Top 100-Châteaux gezogen..Auf der Basis unseres riesigen Fundus an Bewertungen, Erfahrungswerten und Trinkreifen wird die WEINWISSER-Best of Bordeaux-Liste errechnet und zusammengestellt. Denn die Wertbeständigkeit dieser Liste ergibt sich aus der dynamischen Anpassung. Bei der Definition der Genussreife konnten wir wieder eine Vielzahl von Bordeaux für den Genuss „freigeben“. Was das bedeutet? Ein Beispiel: Letztes Jahr wurde Angélus 2012 noch mit „2019 – 2045“ vermerkt. Jetzt kommt er in die erste Trinkreife, also „–2045“. Unsere WEINWISSER-Bestenliste wurde dieses Jahr weiter optimiert. Bei den Aufsteigern haben wir bewusst einige sogenannte Shootingstars ausgewählt, die zwar zum Teil erst ein paar Jahrgänge abgeliefert haben, wir vom WEINWISSER aber überzeugt sind, dass hier ein riesiges Potenzial vorhanden ist. Denn nichts ist beständiger als der Wandel. Auch in Bordeaux ist nicht alles in Stein gemeisselt.

Den gesamten Artikel mit dem Ranking der Top 200 in der Retrospektive von 17-Jahrgängen und der aktuellen Top 100 finden Sie in der aktuellen Ausgabe des WEINWISSER 01/19, die entweder als gedruckte Einzelausgabe oder bequem als PDF hier erhältlich ist.

VIEVINUM FEIERT GEBURTSTAG – WEINWISSER ALS MEDIENPARTNER DABEI, 9.-11. JUNI 2018, WIENER HOFBURG

Seit 20 Jahren ist die VieVinum der Weinevent Österreichs. Seit 1998 findet alle zwei Jahre im historischen Rahmen der Wiener Hofburg ein Get Together der Österreichischen Weinszene statt, zu dem zahlreiche Fachbesucher und Weinfreunde aus der ganzen Welt anreisen. Die Veranstalter von MAC Hofmann und die Österreich Wein Marketing erwarten für die VieVinum 2018, die vom 9-11. Juni stattfinden wird, neben den Besuchern aus Österreich rund 900 ausländische Händler, Gastronomen und Journalisten. Österreich hat sich in den vergangenen 20 Jahren mit der VieVinum einen Fixplatz auf der Bühne der  internationalen Weinmesse erarbeitet und wird von vielen Profis als die am besten organisierte Weinmesse weltweit betrachtet.

Der Schwerpunkt bei den rund 550 Ausstellern liegt naturgemäß bei den österreichischen Weingütern aus Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark. Als Gastland konnte zum 20jährigen Jubiläum die Schweiz gewonnen werden. Als Ehrengast wird der britische Bestseller-Autor in Sachen Wein Hugh Johnson zur Eröffnung der VieVinum erwartet. Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Verkostungen und Präsentationen ist ebenfalls besuchenswert.

Als besonderen Service unterstützt die VieVinum Besucher mit zahlreichen Angeboten für die Anreise, Aufenthalt etc. Alle Infos inklusive Kartenvorverkauf, VIP-Führungen, etc. auf www.vievinum.at. Für Fachbesucher wurden die Besuchszeiten an allen drei Messetagen auf 9.00-13.00 Uhr erweitert.

WEINWISSER IST ALS MEDIENPARTNER DABEI UND WIRD BERICHTEN!

VieVinum 2018

9.-11. Juni 2018, Wiener Hofburg

Öffnungszeiten täglich 13.00-18.00 Uhr, Fachbesucher & Presse 9.00-13.00 Uhr

Tickets:          Tageskarte €55,-, Vorverkauf €45,- vievinum.at/tickets, Dauerkarte € 100,-

Hotel- und Reisebuchungen: www.mondial-reisen.com/vievinum

Info: www.vievinum.at

Once-in-a-lifetime – 30 Jahrgänge Château Margaux

Das grosse Margaux-Spektakel – 30 Jahrgänge Château Margaux beim Rheingau Gourmet Festival

Von Giuseppe Lauria

Es war einer dieser Abende, die man als Wein- und Bordeauxliebhaber nicht vergisst. Erst recht nicht, wenn man feine gereifte Weine liebt. Eine dieser Weinproben, die zurecht als „Once-in-a-lifetime“ geadelt werden. Sieben Dekaden des legendären Château Margaux. Ein Mythos von Wein, der wie kaum ein zweiter für Eleganz und Finesse steht. Eine Delikatesse der Extraklasse – gekrönt von einem fabelhaften Gala-Dinner von Simon Stirnal. Alles an einem Abend, an einem Ort, im schönen Kronenschlösschen. WEINWISSER-Chefredakteur Giuseppe Lauria war bei diesem einzigartigen Festival der Superlative dabei und hat alle Jahrgänge ausführlich verkostet, beschrieben und bewertet.

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Grosse Gewächse – Teil 3: DEUTSCHE PINOTS – WENIGER IST MEHR (FINESSE)

DEUTSCHE PINOTS – WENIGER IST MEHR (FINESSE)

Die deutschen Pinots gewinnen in der Spitze zunehmend an Eleganz und Finesse. Das haben wir bereits in unserem grossen Pinot Noir-Dossier (WW Ausgabe 07/17 https://goo.gl/RKG7qM) geschrieben. Besonders der Umgang mit dem Barrique und der Lesezeitpunkte erfolgt mit mehr Feingefühl und ist weniger auf die kraftvolle Effekthascherei der Vergangenheit aus. Mit dem Jahrgang 2015 kommt jetzt noch ein (zumindest in vielen Teilen) grosses Spätburgunder-Jahr dazu, um diese Entwicklung weiter zu unterstützen. Zwar geht bei vielen der Trend zum späteren Markt-Release im Sinne einer Riserva, dennoch konnten wir bereits einige ausgezeichnete 2015er probieren. War es früher ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Huber und F. Becker, so hat sich in den letzten Jahren ein „Dreikampf“ etabliert. Absolut führend waren bisher Huber (Baden), Fürst (Franken) und dahinter auch Knipser (Pfalz) mit einem eher kräftig-schmelzigen Stil. Klaus Peter Kellers Morstein holt auf und scheint ein Langläufer zu sein – jung nicht immer einfach zu bewerten. Hier entsteht ein echter Vierkampf, zumal das uns vorab gezeigte 2015er GG Morstein „Felix“ jetzt schon Aussergewöhnliches verspricht und mit 19/20 schon auf Platz 3 unserer Pinot-Bestenliste landete. Vielleicht kommt einer der beiden folgenden noch dazu. Denn dahinter haben sich F. Becker, Rebholz und auch Heger mit klareren Profilen und weniger auf Kraft setzend als in der Vergangenheit (wieder) gut positioniert.

In Baden überraschte Franz Keller mit grossen Pinot-Klassikern und im Rheingau Kesseler mit einem weit aufgespannten Höllenberg, während der Schweizer Quereinsteiger Kaufmann seinen Weg in Richtung eines zarten Pinot-Stils zu finden scheint. Respektable Pinots kamen in diesem Jahr auch von Kranz, Philipp Kühn und den Rings-Brüdern aus der Pfalz. Und an der mit dem Jahrgang eher kämpfenden Ahr mit teils überreifen und gezerrten Weinen zeigen zumindest Meyer-Näkel und zum Teil auch Adeneuer und Stodden, wie salzig und wiedererkennbar Pinot vom Schiefer sein kann. In Rheinhessen überraschte Gutzler mit seinem Morstein.

Huber, Fürst und Keller an der Spitze

Mich hat in diesem Jahr die Phalanx an grossartigen Pinots von Huber schlichtweg begeistert – absolut bewundernswert, wie hier der junge Julian in die grossen Fussstapfen seines viel zu früh verstorbenen Vaters Bernhard reingewachsen ist. Sein erster komplett alleinverantwortlicher Jahrgang. Und was für einer! Ob man nun Huber oder Fürst vorzieht, ist letztlich eine reine Stilfrage. Beide sind herausragend – und jeweils mit ihrem Schlossberg (ex-aequo) an der Spitze, zu der sich nunmehr auch Kellers Morstein 2015 gesellt. Das Trio wird von Knipsers Burgweg und Mandelpfad gefolgt.

Zusätzlich zu unserem umfassenden Pinot Noir -Dossier in Ausgabe WW 07/17 mit dem ausführlichen Interview mit Jancis Robinson listen wir die besten Pinots nach Regionen auf ­ – ergänzt um eine spannende Replik von Sebastian Fürst zum Jancis Robinson-Interview.

Auf der letzten Seite der Print-Ausgabe beziehungsweise in unserer Datenbank finden Sie dann unser Best-of über alle Regionen und Rebsorten hinweg (WEINWISSER TOP 100). Zu den weissen Burgunder und zur Region Württemberg machen wir in der nächsten Ausgabe ein Spezial. Neben unserem Jubiläumsabo zum Vorzugspreis (99€ Digital, Print + Datenbanknutzung mit über 35.000 Fine-Wine-Notizen) und mit hochwertiger Prämienauswahl kann die Langversion mit allen Bewertungen auch als Einzelheft hier https://goo.gl/RKG7qM erworben werden.

Ein ausgezeichnetes Jahr für Riesling-Puristen – Teil 2

Das Regionen-Ranking: Nahe, Pfalz und Rheinhessen ganz vorne

War die Mosel im vergangenen Jahr klarer Sieger und die Pfalz eher Verlierer, so hat sich das in diesem Jahr gedreht. Während die Mosel mit dem Jahrgang zu kämpfen hatte, trumpften Pfalz, aber noch mehr Nahe und Rheinhessen gross auf. In diesen Regionen gab es die meisten Weltklasse-Weine (19/20). Aber der Reihe nach.

Nahe: Die Aufsteigerregion der letzten Jahre zeigte sich sehr homogen. Hier gelingt einfach in grosser Regelmässigkeit der Spagat aus Fülle, kräuterwürziger Mineralik und Struktur. Und doch sind die Stile so vielfältig wie die Terroirs an der Nahe. Besonders die Top Drei Schäfer-Fröhlich, Emrich-Schönleber und Dönnhoff präsentierten sich mit herausragenden Kollektionen in Bestform. Hier lösen Tim Fröhlichs Felseneck, die beiden Halenberg von ihm und Emrich-Schönleber sowie Dönnhoffs Hermannshöhle – jeder mit seinem Stil – Gänsehaut aus. Vom berühmten Ritt auf der Rasierklinge mit würzigen, reduktiven Sponti-Noten und verdichteter Schieferwürze (z.B. Felseneck), über das kräuterwürzige und weit gespannte Riesling-Monument mit gotischer Anmutung (Emrich-Schönlebers Halenberg) bis hin zur beschwingten, fast schwebenden und saftig-animierenden Hermannshöhle mit präziser, glockenklarer Frucht und reifer Säure ist alles dabei. Nicht nur an der Nahe. VDP-Nahe-Vorsitzender Frank Schönleber fasst den Jahrgang so zusammen: „Die 2016er Weine sind in der Spitze ungeheuer präzise und spannend. In der breiten Masse waren die Qualitäten in 2015 sicherlich homogener als in 2016, in der Spitze gibt es aber eine ganze Reihe von grandiosen Weinen.“ Genau so sehen wir das auch. Und gleich mehrere Nahe-Rieslinge sind ganz vorne in der Spitze der WEINWISSER Champions League-Tabelle zu finden. Gleich vier Rieslingen landen mit 19/20-Punkten unter den Top 12.

Grosse Dynamik am Roten Hang – Der Pettenthal-Flight gehörte zu den besten in Wiesbaden

 

 

Rheinhessen: Das Land der tausend Hügel zeigte sich in der Spitze ebenfalls homogen. Diesmal sowohl im Hügelland als auch am Roten Hang, wo mit einer neuen Generation von Winzern wie Kai Schätzel, Johannes Hasselbach, Felix Peters oder Carolin Spanier-Gillot eine eindrucksvolle Dynamik entstanden ist. Klaus Peter Keller legte abermals eine atemberaubende Phalanx an grossen Weinen vor (siehe hierzu das Interview auf den Seiten 2 und 3 sowie das Spezial mit Beschreibung der kompletten Jahrgangskollektion). Die GG sind allesamt herausragend, die Kabinette und Auslesen tänzerische Ballerinen, die man eher an die Mosel verortet. Mit dem Pettenthal GG und dem Spätburgunder Morstein „Felix“, die bei der gestrigen VDP-Versteigerung einen Nettopreis von 275€ und 550€ pro Flasche erzielten, ist ihm ein wahrer Coup gelungen: In beiden Fällen schwebende, verdichtete Leichtigkeit mit enormer Strahlkraft und Griffigkeit. Dicht dahinter haben sich wieder Wittmann mit einem grandiosen Morstein und Kirchspiel sowie Battenfeld-Spanier und Kühling-Gillot mit jeweils sehr ausdrucksstarken Weinen platziert. Das sind wunderbar trockene Rieslinge mit kühler Anmutung, grosser inneren Dichte, fest verwoben und mit dunkelwürzigen, leicht ins tabakige gehende Gelbfruchtaromen – in beiden Fällen mit hoher Wiedererkennbarkeit. Mit neuer oder vielmehr alter Stärke zeigen sich Wagner-Stempel, der zu den GG einen spannenden trockenen Riesling namens „EMT“ zur Versteigerung gab und Gunderloch, der mit einem exzellenten Pettenthal überraschte. Überhaupt war 2016 ein Pettenthal-Jahr und so gehörte dieser Flight zu den besten in Wiesbaden. Kai Schätzel ist weiterhin auf Kurs, gerade der gestern probierte Versteigerungs-Kabinett zeigte grosse Klasse, auch wenn mir die GG etwas zu gerbstoff- und säurebetont sind.

Kellers Pettenthal (360 Flaschen) wurden für 275€ netto versteigert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rheingau: Im Rheingau ist zwar einiges in Bewegung gekommen und es wird viel experimentiert. Brillieren und überzeugen konnten aber allen voran die Top-Betriebe wie Kühn (mit seinen wiederum sehr individuellen 2015er GG) und Leitz mit glockenklaren und erstaunlich leichtfüssigen Bergrieslingen sowie Spreitzer unter anderem mit einem erneut starken und dunkelwürzigen Wisselbrunnen. Waren mir die Künstler-Weine im letzten Jahr zu barock, zeigten sie eine bemerkenswerte Rückkehr zu mehr Leichtigkeit und Eleganz. Das elegant-würzige Kirchenstück ist wieder nuancierter und früher zugänglich, die Hölle klar und tiefgründig. Achim von Oetinger präsentierte erneut den besten Marcobrunn, aber auch Prinz, Wegeler sowie Barth und Allendorf setzen mit teils im Holzfass ausgebauten und bewusst leicht gerbstoffbetonten Charakterweinen tolle Akzente. Ebenso souverän die Rieslinge von Johannishof, während Alexander Jung mit einem kräftig-schmelzigen Siegelsberg eine neue stilistische Variante bietet. Weil präsentierte einen festen, kühlen und langlebigen Gräfenberg, während Schloss Johannisberg nach den vielen personellen Wechseln ein respektables, leichtfüssiges GG lieferte, das eine Rückkehr zu mehr Reintönigkeit zeigt. Bei den Pinots gelingt Kesseler und Künstler jeweils ein Coup mit dem Assmannshäuser Höllenberg und die Weine Kaufmanns gewinnen mit Eleganz und Leichtigkeit zunehmend an Profil. Ausserhalb des VDP setzen einmal mehr die Bergweine von Theresa Breuer, allen voran der Rüdesheimer Berg Schlossberg, eine Benchmark für klassisch-langlebige Rieslinge von zeitloser Schönheit, aber mit viel Substanz und wenig Alkohol. Allerdings sind diese Weine jung schwierig zu verkosten und brauchen – ähnlich wie die 2008er – noch etwas Zeit. Mehr dazu im Kapitel Rheingau mit dem Breuer-Spezial.

Blick auf die beeindruckende Saarschleife: An der Saar brillierte vor allem Van Volxem

Mosel: Die Mosel, unser letztjähriger Regionen-Gewinner, hat sich mit dem 2016er Jahrgang schwergetan. Entsprechend gab es deutlich weniger Anstellungen, was konsequent und richtig ist. Klar ist, dass die Mostgewichte der Trauben an der Saar – wie meistens – nicht ganz so hoch waren wie die an der Mosel. „Allerdings präsentieren sich die Weine aufgrund der langsameren Reife infolge der an der Saar kühleren Bedingungen letztlich aber finessenreicher und auch aromatischer“, berichtet Roman Niewodniczanski im Exklusiv-Interview mit dem WEINWISSER. Schon im vergangenen Jahr ganz vorne, zeigte Van Volxem eine sehr starke Kollektion mit grandiosen GG – allen voran der herausragende Scharzhofberger: Ein Wein, so schön wie eine Michelangelo-Skulptur. Eine gemeisselte Delikatesse. Aber auch Heymann-Löwenstein überzeugte mit einer bärenstarken Kollektion und einer weiterhin erkennbaren Rückkehr zu mehr Finesse und Terroir. Das kühlste und klarste GG ist dabei der Uhlen Röttgen mit seiner steinig-mineralischen Art, auch wenn der Blaufüsser Lay noch eine Dimension mehr zu bieten hat.

Apropos steinig-mineralisch: Das gilt ebenso für Schloss Liesers und Peter Lauers schlanke, schieferwürzige und messerscharf-zupackende Rieslinge. Keine Blösse gaben sich St. Urbans-Hof, Fritz Haag, Maximin Grünhaus, Dr. Loosen (mit allerdings sehr unterschiedlichen Stilen und Qualitäten) sowie von Othegraven. Etwas besser als im Vorjahr präsentierte sich der Karthäuserhof mit einem formidablen kräuter-mineralischen Herkunftsriesling.

Pfalz: Die Pfalz gehört zu den Gewinnern des Jahrgangs, besonders die Mittelhardt zeigte sich deutlich besser als im Vorjahr. Allen voran Bürklin-Wolf mit seinen erst jetzt präsentierten 2015er und Reichsrat von Buhl mit einer (auch numerischen) Phalanx an eigenständigen und knochentrockenen Rieslingen. Doch ganz oben sehen wir wieder das Weingut Rebholz – zum einen mit zwei herausragenden Rieslingen, vor allem aus dem Kastanienbusch, der spielerisch die Balance aus Stoffigkeit, Finesse und Tiefe in Einklang bringt. Auch der Weissburgunder und erst jetzt vermarktete 2012er Pinot sind ganz vorne zu finden. Dicht dahinter platzieren sich Wehrheim und von Winning, während Bassermann-Jordan nicht durchgängig das hohe Vorjahresniveau erreichte.

Für die weissen Burgundersorten war der Jahrgang schwieriger. Dieser Sortentyp gelingt mit einer gewissen Reife und Fülle einfach besser. Sie bleiben deshalb in den meisten Fällen etwas hinter den 2015ern zurück. Bei den Weissen Burgundersorten ist Wehrheims ungemein schmelziger und vielschichtiger Mandelgarten unangefochten an der Spitze, dicht gefolgt von Rebholz und Knipser. Anders sieht es bei den Pinots aus, wo Knipser mit seinen „Riserven“ aus 2013 ganz oben steht, dicht gefolgt von F. Becker und Rebholz. Nur einige wenige haben den 2015er Spätburgunder vorgestellt, der für diese Sorte als Jahrgang sicher zum Besten gehört, was bisher in diesem Jahrhundert gewachsen ist.

Franken. Kaum eine Region hat in den vergangenen Jahren so aufgeholt wie Franken. Und dass nicht nur mit Silvaner, sondern auch mit charaktervollen Riesling. Waren früher die Franken-Weine eher rustikal und hoch im Alkohol, arbeiten die Spitzenwinzer immer mehr daran, den Körper und die Fülle mit mineralischen Akzenten und strafferer Struktur in Schach zu halten. Bei den Silvanern zeigt sich ein sehr ähnliches Bild wie im Vorjahr. Besonders das Spitzenduo Weltner und Luckert haben ungemein komplexe und gleichzeitig animierende Weine auf die Flasche gebracht. Mit ihren charaktervollen, stilistisch völlig unterschiedlichen Silvanern Küchenmeister „Hohenleite“ (Weltner) und Maustal (Luckert) knüpfen sie nahtlos an die ausgezeichnete Vorjahresleistung an und stehen praktisch Schulter-an-Schulter auf dem Siegertreppchen. Allerdings ist die Spitze enger zusammen als im vergangenen Jahr. Denn dazu gesellen sich Horst und Rainer Sauer – beide mit einem starken „Am Lumpen 1655“. Und auch das Juliusspital meldet sich mit einem superben 2015 Silvaner GG aus der Lage Würzburger Stein zurück – die längere Fassreife und der komplettere Jahrgang 2015 haben hier gute Früchte getragen. Rudolf Mays Rothlauf ist auch in diesem Jahr unter den Top-Ten.

Von den grösseren Gütern punktete das Bürgerspital mit seinen beiden Lagen-Silvanern. Eine schöne Überraschung gelang dem Weingut Am Stein – mit einem sehr eigenständigen Silvaner und Riesling aus dem dem Stettener Stein.

Silvaner gewinnt immer mehr an grossartiger Eleganz und Herkunftscharakter. Immerhin schafften es vier Silvaner über die hervorragende 18-Punkte-Grenze. Beim Franken-Riesling setzen nach wie vor Fürst, Weltner und Luckert die Massstäbe.

Baden: Hier kann man zwei Headlines bringen: Die erste lautet in ganz dicken Lettern: Huber beeindruckt auf ganzer Linie: Schon im vergangenen Oktober schrieben wir, dass der 2014er Chardonnay aus dem Schlossberg vielleicht der beste in Deutschland je produzierte Chardonnay ist. Auch in 2015 ist das wieder – wenn auch noch mit starken Reduktionsnoten – der Fall. Wirklich bewundernswert, wie die sympathische und stets bodennah gebliebene Familie die verlustbedingten Herausforderungen angenommen hat. Aus der Serie der grossen Spätburgunder ragen einmal mehr (aus dem grossen Zalto-Burgunderglas probiert) der ungemein komplex-vielschichtige Schlossberg, der von feinster Transparenz geprägte Wildenstein sowie die geheimnisvoll-tiefgründige Sommerhalde heraus. Eine schöne Überraschung lieferten die kompakten und sehr klassisch geprägten Pinots von Fritz Keller und auch bei Heger schmeckt man eine Rückkehr zu mehr Finesse und Frische.

Die zweite Headline: Abgesehen von Bercher gab es bei den weissen Burgundern und Chardonnays ziemlich viel Mainstream mit Restsüsse, gefälligem Schmelz, wenig Spannung und mit eher zweifelhaftem Grand-Cru-Format.

Württemberg: Das Ländle ist zunehmend im Kommen. Das hatten wir bereits im vergangenen Jahr geschrieben. Auch wenn es in 2016 etwas schwerer war, vor allem die Rieslinge können die Herausforderungen des Jahrgangs nicht ganz verschweigen, ist das Niveau durchaus hoch. Noch erfreulicher sieht es bei den Roten aus: Lemberger und Pinot gelingen formidabel. Aldinger, Schnaitmann und Haidle sind hier führend. Darüber berichten wir in Teil 2 unserer grossen GG-Ausgabe.

Auf der letzten Seite (gilt nur für die Abonnenten) finden Sie dann unser Best-of über alle Regionen und Rebsorten hinweg (WEINWISSER TOP 100). Neben unserem Jubiläumsabo zum Vorzugspreis (99€ für Digital, Print + Datenbanknutzung mit über 35.000 Fine-Wine-Notizen) und mit hochwertiger Prämienauswahl kann die Langversion mit allen Bewertungen ab dem 29.09. auch als Einzelheft erworben werden. https://goo.gl/62Xo3T

Verkostungsmarathon mit 421 Weinen – Chefredakteur Giuseppe Lauria verkostete gemeinsam mit Jürgen Mathäß und Frank Kämmer MS