Barrique Forum Pfalz 2014

Der Einsatz des Barriques zählt zweifelsfrei zur Königsdisziplin des Weinbaus. Denn das Barrique kann den Wein in seiner Komplexität untermalen, aber auch genauso erschlagen und damit alle Vorarbeit zerstören. Der Gedanke, ein Wein, der besonders hochwertig und dicht ist, müsse im neuen Holz ausgebaut werden, scheint nachvollziehbar. Oft aber brillieren die feinen Abstufungen vor dem komplett neuen Holz, wie die Präsentation des Barrique Forums in Deidesheim Ende 2014 gezeigt hat.

Das Barrique Forum Pfalz ist ein Zusammenschluss Pfälzer Winzer, die an mehreren Veranstaltungen im Jahr ihre barriquebetonten Rotweine präsentieren. Das Forum hat 2013 sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Es geht den Winzern darum zu zeigen, dass die Pfalz individuelle Weine von internationalem Format erzeugen kann. Folglich stehen abseits des Spätburgunders Cuvées aus internationalen Rebsorten im Vordergrund. Der Grossteil bestand aus Blends von Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot. Auch ein reinsortiger Syrah war vertreten. Andere Rebsorten sind nicht zugelassen. Derartige Rebsorten haben in den 80ern und 90ern in der Pfalz Fuss gefasst. Insgesamt 34 Rotweine von 22 Winzern standen zur Verkostung.

Die Spreu trennt sich vom Weizen

Überraschend klar lässt sich das Resümee ziehen: Von den insgesamt 34 Rotweinen gab es in der Tendenz zwei Linien, die sich klar voneinander trennen. Da wären auf der einen Seite Winzer, die sehr gekonnt und bedacht mit dem Holz umgehen. Die Rotweine landen zu Beginn im neuen Holz, bekommen aber auch einen Anteil an Zweit- und Drittbelegung oder werden nur kurzzeitig im neuen Holz ausgebaut, bevor sie in grösseren Gebinden oder gebrauchtem Holz landen.

Viele dieser Weine überzeugten ob des gut integrierten Holzes, vereinten Spannung und Vielschichtigkeit mit Potenzial. Leider gab es auch einige Weine, die der starken Toastung und dem ausschliesslichen Ausbau im neuen Holz nicht standhalten konnten. Diese Weine hatten nicht das nötige Rückgrat, wirkten mit ihren mokkaartigen Noten überladen. Stellenweise hätte ihnen ein dezenterer Holzeinsatz besser gestanden. Die Weine kamen dann nicht selten mit sehr reifem Lesematerial daher, was den Effekt noch verstärkte, da die Säure fehlte und dies den Wein breit erschienen liess. Aber es gab auch Weine, die vom Holz profitiert haben und zeigen, dass es eben nicht ein einziges Rezept zum grossen Wein gibt.

Die junge Generation überzeugt

Besonders erfreulich war für mich die Erkenntnis, dass die jüngeren Betriebe oder Traditionsbetriebe, die allmählich von der nachwachsenden Generation mitbetreut werden, besonders überzeugende Weine präsentierten. Ein Zeichen von immer besserer Ausbildung und starkem Interesse an individuellen und hochwertigen Weinen. Ganz vorne standen für mich die Abfüllungen von Johannes Jülg aus Schweigen-Rechtenbach nahe der französischen Grenze. Er hat 2010 weitgehend die Regie vom Vater übernommen und beweist mit knackig frischen und präzisen Weinen, dass der Holzeinsatz nur Mittel zum Zweck ist. Ein Betrieb,von dem man in Zukunft sicherlich noch viel hören wird.

Auf ebenbürtigem Niveau spielen auch die Gebrüder Rings aus Freinsheim mit. Es ist noch nicht allzu lange her, dass deren Vater Wein überwiegend als Fasswein verkaufte. Seit den letzten beiden Jahrgängen gehören sie für mich zu den wichtigen Newcomern der Pfalz, in die ich viel Hoffnung reinstecke. Die Weine sind im Vergleich zum Weingut Jülg etwas kräftiger, im Stil jedoch keinesfalls überladen. Sie beweisen einen mutigen Holzeinsatz, der den Weinen steht. Besonders mit ihrem Spätburgunder aus dem Kallstadter Saumagen zeigen sie grosses Talent. Weitere hervorhebenswerte Weine habe ich auch beim Weingut Krebs, Schumacher und Hanewald-Schwerdt sowie bei Wageck-Pfaffmann aus Bissersheim entdeckt. Sie alle haben ein gutes Fingerspitzengefühl beim Spätburgunder.

Verkostungsnotizen (ab 16 Punkte)

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2012 Spätburgunder Schweigener Sonnenberg, Weingut Jülg: 100 % neues Barrique. Die Nase ist aktuell sehr verschlossen, was jedoch nicht heisst, dass man ausschliesslich Röstnoten im Bukett hat. Diese sind quasi kaum präsent. Am Gaumen hat der Wein aber bereits eine starke Ausdruckskraft mit feinsten Himbeernoten und klaren Kirschnoten. Das Tannin ist sehr samtig. Besitzt viel Spiel und einen langen Abgang. Sehr gelungener Spätburgunder von kühlerem Stil.
17+/20 –2024

2012 Cuvée Les Fréres, Weingut Jülg: 60 % Cabernet Sauvignon, 40 % Merlot, 100 % Erstbelegung. Eine sehr würzige Cuvée mit vielen dunklen Früchten und kaum grünen Noten. Knackige Frucht, fast schlanker Körper für eine derartige Cuvée mit weichem Tannin. Guter Abgang.
17/20 –2026

2012 Kallstadter Steinacker Spätburgunder, Weingut Rings: 50% neues Barrique, 50 % 2. und 3. Belegung, 18 Monate Ausbau. Die Nase fällt ätherisch aus, frische Himbeeren sind verwoben mit Milchkaffee. Das Barrique ist präsent, aber unaufdringlich. Am Gaumen fällt der Steinacker sehr dicht und verwoben aus, noch leicht laktisch und von sehr verschlossener Frucht. Baut aber mächtig Druck am Gaumen auf und deutet sein Potenzial an. Braucht Zeit!
17+/20 –2026

2012 Kallstadter Saumagen Spätburgunder, Weingut Rings: 50 % neues Barrique, 50 % 2. und 3. Belegung, 18 Monate Ausbau. Noch reduktive Nase, die aber mit Belüftung eine saubere und frische Frucht andeutet. Am Gaumen bereits sehr zugänglich und von einer spannungserzeugenden Säure geprägt. Sehr dicht gepackte, kühle Pinotfrucht. Spätburgunder mit Substanz, der trotzdem die Finesse nicht vermissen lässt. Sehr gelungen!
17+/20 –2025

2012 Chronos Cuvée, Weingut Georg Naegele: Cabernet Sauvignon, Merlot, Spätburgunder. Sehr weicher, zugänglicher Rotwein mit viel roter Frucht sowohl in der Nase als auch am Gaumen. Deutlich vom Barrique geprägt, hat aber auch genügend Substanz in Form von Gerbstoffen dahinter. Noch aktuell leicht laktisch. Braucht Luft.
16/20 –2022

2012 Maikammerer Heiligenberg Syrah, Weingut Stachel: In der Nase fällt der Syrah sehr feinwürzig aus. Etwas Pfeffer und Veilchen klemmen sich an die dunkle Frucht. Am Gaumen kommt wieder der grüne Pfeffer raus, der Wein hat Spiel und Substanz. Lediglich die ganz leichten grünen Noten im Abgang ziehen die Wertung runter. Ein ernstzunehmender Syrah aus der Pfalz.
16/20 –2025

2012 Maikammerer Kirchenstück Merlot, Weingut Stachel: 20 Monate Ausbau in 1/3 neuen Barriques. Viel eingelegte rote Paprika in der Nase, auch rote Beeren und etwas Piment. Am Gaumen wirkt das Tannin fast schon mehlig. Besitzt einen guten Nachhall. Ein markanter Merlot.
16/20 –2026

2012 Leistadter Kalkofen Spätburgunder, Hanewald-Schwerdt: 100 % französisches Barrique in Erstbelegung. Dunkle, reife Früchte in der Nase, etwas Pfeffer. Am Gaumen fällt der Spätburgunder sehr seidig aus und wird von der prägnanten Säure getragen. Besitzt Spiel und Druck, könnte auch einen Anteil an gebrauchtem Barrique vermutlich besser vertragen. Insgesamt jedoch gelungen und animierend.
16/20 –2022

2012 Freinsheimer Musikantenbuckel Spätburgunder, Weingut Krebs: 1/3 neues Barrique, 2/3 in 2. und 3 Belegung. 14 Monate Ausbau. Geprägt von einer ätherischen und sehr fein nuancierten Nase, die eine leicht säuerliche, aber damit animierende Komponente besitzt. Am Gaumen hat der Spätburgunder Substanz und eine saubere Frucht. Ein sehr gelungener, etwas leichterer Spätburgunder aus Mariafelder Klonen.
16+/20 –2020 

2012 Freinsheimer Oschelskopf «GROSS» Spätburgunder, Weingut Krebs: 1/3 neues Barrique, 2/3 in 2. und 3 Belegung. 14 Monate Ausbau. Aus einer Parzelle mit erst sechsjährigen Rebanlagen und 777er-Klonen. Fällt im Bukett etwas dunkelfruchtiger aus. Am Gaumen hat man im direkten Vergleich zum Musikantenbuckel einen druckvolleren Spätburgunder von festerer Tanninstruktur. Dies ist sicherlich auch dem leichten Anteil von Rappen zuzuordnen. Insgesamt kräftiger als der Spätburgunder vom Musikantenbuckel. Wird wohl etwas länger reifen können.
16+/20 –2023 

2012 Rhodter Rosengarten Pinot Noir, Weingut Stefan Meyer: Gekonnter Barriqueeinsatz, der in der Nase aktuell ausgeprägter als am Gaumen spürbar ist. Ein von feurig-reifer Frucht geprägter Spätburgunder mit guter Konzentration und feinem Säurespiel. Markant.
16/20 –2022

2012 Herxheimer Himmelreich Spätburgunder, Weingut Schumacher: Gut integriertes Barrique in der Nase, nur zart röstig, etwas reifere rote Früchte, aber sehr sauber. Am Gaumen fällt der Wein sehr weich und elegant aus. Sowohl vom Körper als auch beim Tannin ausgesprochen filigran.
16/20 –2021 

2012 Bissersheimer Goldberg Spätburgunder, Weingut Wageck-Pfaffmann: Ein bisschen Vanille, die eine klare Kirschfrucht und dezente Kräuter umzeichnet. Am Gaumen substanzreich und vielschichtig sowie sehr weich. Sehr zugänglich.
16+/20 –2023 

2012 Grosskarlbacher Burgweg Spätburgunder, Weingut Wageck-Pfaffmann: 7 Monate Ausbau In Zweitbelegung, anschliessend in gebrauchte Barriques gelegt. Von einer sehr filigranen Nase gekennzeichnet, klare Pinotfrucht, zarte Kräuter. Wirkt in der Nase im Vergleich fruchtiger und kühler als der Goldberg. Am Gaumen noch sehr hart, aber ungemein puristisch. Zeigt seine straffe Art trotz der Verschlossenheit. Kühler und gelungener Vertreter.
17/20 –2023

Beitrag und Foto: Markus Budai ; Foto: Johannes Jülg vom Weingut Jülg beim Barrique Forum Pfalz 2014


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