Gigondas auf Erfolgskurs: Interview mit Louis Barruol

Louis Barruol, Eigentümer des renommierten Château de St. Cosme, ist seit Mai 2015 Präsident des Syndicats der Winzer von Gigondas. Er ist vielseitig interessiert, spielt in seiner Freizeit Cello und betreibt astronomische Studien. Stefan Krimm sprach für Weinwisser mit Louis Barroul über die gegenwärtige Situation in Gicondas und die Perspektiven der aufstrebenden Appellation an der südlichen Rhône.

Weinwisser: Monsieur Barruol, Sie vertreten seit Mai 2015 die Winzer von Gigondas und geben auch nach innen wichtige Impulse für den weiteren Kurs Ihrer schon seit 44 Jahren als Cru anerkannten Appellation. Wie schätzen Sie die Situation von Gigondas gegenwärtig ein?

Louis Barruol: Jeder Winzer in Gigondas gehört dem Syndicat an. Und zwar freiwillig, denn es gibt keine Verpflichtung zum Beitritt. Insgesamt sind es 80 Betriebe und 3 Kooperativen. Und die Appellation ist in den letzten 10 Jahren ständig auf dem Weg nach oben. Zwischen 2006 und heute hat sich der sogenannte «Bulk-Preis» fast verdoppelt, von 350 Euro für den Hektoliter auf 650 Euro heute.

Das ist ein gewaltiger Zuwachs, der zeigt, dass die Nachfrage nach unserem Wein immer grösser geworden ist. Unser Name ist also präsent, dennoch müssen wir den Namen noch mit mehr Inhalt füllen. Wenn man einen Konsumenten bittet, in zwei Sätzen mitzuteilen, was ein Gigondas ist und wodurch er sich von anderen Weinen unterscheidet, wird man meistens nicht viel Glück haben. Es ist unsere Aufgabe, das in den nächsten Jahren zu ändern. Wir müssen erklären wer wir sind, was wir tun, weshalb der Gigondas ein grosser Wein ist, der wegen der durch den Kalkstein geprägten Böden hervorragend altert und warum er ein grosser Grenache von der südlichen Rhône ist, der weniger kostet als ein Châteauneuf.

Gegenwärtig wird ja dieser ursprüngliche Vorteil immer kleiner. Wir möchten ausserdem stärker den Schutz der Umwelt mit Gicondas verbinden. Das Interesse an unserer Gegend ist sehr gross und als Präsident muss ich deutlich machen, dass wir mehr sind als nur eine Wein produzierende Region. Es ist wichtig, Massnahmen zu entwickeln, die einen Schutz unserer Umwelt garantieren. Ich diskutiere fast täglich mit Leuten, die Reben pflanzen und dafür Bäume beseitigen möchten.

Weinwisser: Wie viele Winzer in der Appellation Gigondas arbeiten biologisch?

Louis Barruol: Gegenwärtig sind sechs oder sieben zertifiziert, das reicht noch längst nicht. Weitere fünf sind im Prozess der Konversion. Es könnten aber leicht 40 oder 50 Prozent sein.

Weinwisser: Seit wann ist ihr eigener Betrieb zertifiziert?

Louis Barruol: Seit letztem Jahr, mein erster vollständig organischer Jahrgang war 2013.

Weinwisser: Sind Sie mit den Ergebnissen zufrieden?

Louis Barruol: Ja, auf jeden Fall. Diese Art zu arbeiten ist besser für die Reben und besser für die Umwelt Sie ist aber auch besser für die Qualität des Weins, deutlich besser! Es gibt in unserer Appellation keine Entschuldigung dafür, Chemie zu verwenden.

Organisch zu arbeiten ist hier einfach. Gigondas hat 1200 Hektar Reben und 1300 Hektar Wald. Es gibt nichts Vergleichbares, kein einziger Cru kann von sich behaupten, dass er auf seinem Territorium mehr Wald als Rebland hat. Das ist ein phantastischer Vorteil, denn diese Verteilung sorgt für eine solide biologische Balance.

Das Problem der Traubenwürmer (Heuwurm, Sauerwurm), welche die Trauben anfressen, kennen wir hier nicht, denn es gibt bei uns unendlich viele Vögel. Es besteht bei uns kein entsprechender Druck. In Appellationen wie etwa Plan de Dieu oder Châteauneuf ist das ganz anders. Das Ungeziefer vermehrt sich so sprunghaft, dass man es chemisch bekämpfen muss. Die Folge ist, dass sich Resistenzen herausbilden, sodass man andere chemische Mittel verwenden muss. Und das hört nie auf.

Ich bin deswegen nicht glücklich, dass nur so wenige Betriebe biologisch arbeiten. Das bedeutet nicht viel mehr Aufwand – höchstens mit dem Gras, das man mechanisch beseitigen muss.

Weinwisser: Welches Bild vom Gigondas sollte Ihrer Meinung nach in den Köpfen der Weinliebhaber entstehen?

Louis Barruol: Gigondas ist der grosse Grenache von der südlichen Rhône, der in kühlem Mikroklima auf Kalkböden wächst, ein Wein mit viel mehr Frische als andere und ein Wein, der wundervoll altert. Das sind die Hauptkennzeichen.

Weinwisser: Können Sie Phasen der Entwicklung des Gigondas zu seinem heutigen Ansehen unterscheiden?

Louis Barruol: Ja, das ist eine gute Frage. Wir erhielten die Anerkennung als Cru 1971. Das Team der führenden Winzer, zu denen mein Vater gehörte, wollte zunächst alle Fragen der Qualität angehen. Ein paar wenige Güter machten phantastische Weine, aber sehr viele auch mittelmässige. Nicht wegen der falschen Reben, sondern wegen des Mangels an önologischem Wissen.

Deswegen betraf eine der ersten Entscheidungen die Schaffung eines Laboratoriums für Önologie. Das geschah 1973. Es war eine massive Herausforderung, die Qualität der Appellation grundlegend zu verbessern und wir brauchten ein Jahrzehnt dafür.

In den 1980er und 1990er Jahren wollten wir den Bekanntheitsgrad der Weine von Gigondas steigern. Wir gaben eine Menge Geld aus für Promotion und Publicity. Ende der 90er Jahre war dann der Name hinreichend bekannt. Nun musste er für die Weinliebhaber, wie bereits angesprochen, mit Inhalten gefüllt werden. Diese Arbeit hält an, wir werden weitere 10 bis 15 Jahre brauchen, um das Bild präzise zu umreissen und deutlich zu machen, was mit Gigondas genau gemeint ist.

Weinwisser: Sie stellen die Kalkböden stark in den Vordergrund, aber der Gigondas wächst ja nicht nur auf Kalkböden. Passt da Ihr Bild?

Louis Barruol: Grundsätzlich findet sich Kalkstein überall. Aber wenn man genauer hinschaut, trifft man auch auf kalkige Sandböden aus dem Miozän, kalkigen Mergel, auf Trias-Formationen auf der Südseite der Dentelles, auf blauen Ton und roten Lehm. Aber Kalkstein ist überall und diese Bodencharakteristik hat mit der unserer Nachbarn nichts zu tun.

Weinwisser: Andere Appellationen mit unterschiedlichen Bodenarten, wie Quarz, Granit oder Gips, arbeiten eng mit Universitäten zusammen, um ihre Terroirs und die dazu passenden Klone sorgfältig zu erforschen. Aber das scheint für Gigondas kein besonderes Gewicht zu haben.

Louis Barruol: Grundsätzlich wissen wir, was wir hier vorfinden und wie man damit umgeht. Wichtig sind für uns die Unterlagsreben, bei uns vor allem 3309, 110, «rupestris du Lot». Mit denen lässt sich sehr gut arbeiten. Die Winzer wissen mittlerweile genau, welche Arten passen und welche nicht.

Was wir aber bezüglich des vorhandenen Rebenbestands vorhaben, ist eine «selection massale» mit Ruten aus allen Weinbergen. Die werden vermehrt und dann werden wir eine Auswahl der geeigneten gesunden Klone vornehmen, um sie zu zertifizieren. So wird das genetische Erbe der Reben unseres Dorfes und unserer Appellation auf Dauer erhalten und die Winzer werden diese Sammlung für gesunde, typische Neupflanzungen nutzen können.

Wir haben in der Vergangenheit oft den Fehler gemacht, nur bestimmte Klone nachzupflanzen, aber jetzt geht es darum, die noch vorhandene Diversität zu sichten, zu sichern und weiter zu nutzen. Die Bevorzugung einzelner gesunder, genetisch identischer Klone bedeutet für die Winzer ja zunächst Sicherheit, aber es ist eine eindimensionale, später auch von den gleichen Krankheiten gefährdete Sicherheit. Die Kombination von Diversität und Identität ist eines meiner wichtigsten Vorhaben.

Weinwisser: Da wir schon das Thema der Krankheiten angesprochen haben: Wie sieht es in Gigondas mit der Flavescence dorée (goldgelbe Vergilbung) aus, die im Burgund für Aufregung sorgt und mit der sich gegenwärtig auch die Winzer von Vacqueyras auseinander setzen?

Louis Barruol: Die Flavescence ist überall und sie stellt ein grosses Problem dar. Momentan scheint sie unter einer gewissen Kontrolle zu sein. 2012 und 2013 mussten wir spritzen, dieses Jahr sind wir ausserhalb der betroffenen Zone. Wir haben reagiert, im Syndicat beobachten 15 Leute die Flavescence. Wir fangen die Insekten in Fallen und tun alles, um den jeweiligen Stand der Dinge genau zu erfassen.

Dieses Jahr sind wir auf der sicheren Seite, aber das kann sich schon nächstes Jahr ändern, es ist ein immerwährender Kampf. Die Kirschessigfliege, einen anderen neuen und bösartigen Schädling, haben wir momentan – anders als an der nördlichen Rhône – nicht in den Weinbergen, aber in meinen Kirschgärten hatte ich sie in Mengen.

Weinwisser: Lassen Sie uns noch ein wenig auf die Altersfähigkeit des Gigondas zurückkommen: Vor ein paar Wochen habe ich einen 1998er von der Domaine du Grapillon d’Or geöffnet und er schmeckte phantastisch – ohne Spuren der Überalterung und in keiner Weise wie ein «kleiner» Châteauneuf-du-Pape.

Was ist der Hintergrund dieses erstaunlichen Phänomens? Man hat das früher Weinen von der südlichen Rhône überhaupt nicht zugetraut, die Musik schien in Bordeaux, in Burgund, im Madiran und in Bandol zu spielen.

Louis Barruol: Ja, die Alterungs- und Entwicklungsfähigkeit unser Weine ist beeindruckend. In dieser Hinsicht sind sie nach meinen Eindrücken bei Blindproben sogar dem Châteauneuf-du-Pape überlegen. Das müssen wir herausstellen. Es geht natürlich nur, wenn man die Rebstöcke nicht überfordert. Bei uns sind 36 hl/ha zugelassen, aber üblicherweise liegen sie um 30 hl, bei mir z.B. um 25 hl/ha.

Weinwisser: Das führt mich zu einer weiteren Frage. Üblicherweise hat ja die Qualitätsproduktion der letzten Jahre nicht nur zu niedrigeren Erträgen geführt, sondern auch zu höheren Alkoholwerten.

Louis Barruol: Ich weiss das. Vor allem in Deutschland war ja früher das Problem eher nicht die Überreife, sondern die Rieslinge wirklich reif zu bekommen. Bei uns ist das ganz anders. Die Herausforderung besteht darin, eine gute phenolische Reife ohne ein Zuviel an Alkohol zu erreichen. Gigondas hat das Glück, über kühlere Höhenlagen zu verfügen. Ich versuche, die Reifung langsam zu gestalten, indem die Laubwand einer Zeile die nächste beschattet. Aber da müssen viele Kollegen, die ganz traditionell arbeiten, noch dazulernen.

Wir haben hier eine klare Entwicklung: In den 1970er Jahren lagen die Alkoholwerte um 13,5 Vol.-%, heute bei 14,5 bis 15 Vol.-%. In Châteauneuf-du-Pape entwickelten sich die Werte von 14 bis14,5 hin zu 15,5 bis16 Vol.-%. Ich glaube, wir sind also in einer etwas besseren Position, dennoch: Die globale Erwärmung ist ein Faktum und wir spüren sie deutlich. Aber wir können auch reagieren. Ich pflanze mehr Mourvèdre und mehr Cinsault, spät reifende Trauben, die weniger Alkohol ergeben. Und ich arbeite im Weinberg anders, weil ich in den Weinen die Balance suche.

Weinwisser: Können sie auch stärker in die Höhen hinauf wandern?

Louis Barruol: Nein. Der Wald in Gigondas ist geschützt, da kann man nicht einfach roden, wie man vielleicht möchte. Da müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen.

Wir wissen, dass die Grenache sehr voluminöse Weine bringen kann. Aber wenn man die Typizität des Gigondas erhalten will, seine magische Weichheit und Geschmeidigkeit, braucht man sie ganz einfach. Da suchen wir dann in der «selection massale» altes genetisches Material an Reben, die langsamer reifen und lockerbeeriger sind. Früher wurde bei der Auswahl von Klonen genau das Gegenteil angestrebt: mehr Zucker. Da wurden dann die schlechten Klone vermehrt!

Auf St. Cosme habe ich mit der «selection massale» bereits begonnen, aber wir werden das auch gemeinsam betreiben und es wird eine sehr gute Sache sein. Sie setzt jedoch über das ganze Jahr hinweg sehr aufmerksame Beobachtung voraus. Wie sieht die Pflanze im Winter aus? Wann und wie treibt sie aus? Wie blüht sie? Wie sehen die Beeren aus? Am Ende stehen dann 300 bis 400 ganz hervorragende, genetisch differenzierte Vertreter, eigentlich sind das lauter Champions.

Weinwisser: Gigondas ist also auf einem guten Weg. Können Sie noch ein paar Worte zu seinen starken Punkten im Vergleich mit den Cru-Newcomern wie Rasteau, Beaumes-de-Venise und Vinsobres sowie dem alten Konkurrenten Vacqueyras sagen?

Louis Barruol: Ich möchte nicht vergleichen, aber die grosse Stärke von Gigondas basiert auf seinen geologischen Besonderheiten und dem Mikroklima. Der daraus resultierende, wohl stärkste Punkt ist sicherlich die Lager- und Entwicklungsfähigkeit unserer Weine. Ich kenne keinen Vacqueyras oder Rasteau, der in gleicher Weise altern kann. Ich habe vor einige Zeit einen 1969er St. Cosme geöffnet und er war phantastisch.

Am ähnlichsten sind wohl die Weine von Vinsobres. Sie profitieren vom kühlen Einfluss der Berge in der Umgebung. Das Profil der Weine, ihre Finesse, ihre Komplexität, ihre Eleganz sind zweifellos am nächsten bei uns. Vacqueyras, Beaumes-de-Venise und Rasteau sind im Typus näher bei Châteauneuf-du-Pape. Die Trauben reifen dort viel schneller und die Weine sind stilistisch anders als unsere. Auch die Weine von Cairanne liegen uns näher und dort gibt es ein paar ganz hevorragende Produzenten.

Weinwisser: Lassen sie uns am Ende noch über das Barrique reden. Welche Rolle spielt es Ihrer Meinung nach für die Weine von Gigondas?

Louis Barruol: Ich denke, in der Appellation gibt es gute Beispiele von Weinen, die im grossen Holzfass gereift sind, aber auch schlechte. Und beim Barrique ist es genauso. Der Unterschied beim Barrique ist, dass die von ihm dem Wein mitgegebenen Aromen von Vanille, Schokolade und Kaffee so auffällig und leicht zu identifizieren sind.

Bei im grossen Holzfass ausgebauten Weinen übersieht man die Fehler leichter: Sind sie dürr, ohne Frucht, oxydiert, dann gilt das als «traditionell». Moderne Fehler schockieren mehr als traditionelle. Ich selbst mag strenge, dürre Weine aus alten schmutzigen Fudern absolut nicht. Und von der Eiche geprägte Weine mag ich ebenso wenig.

Ich verwende Barriques, versuche sie aber richtig einzusetzen. Manchmal schmecken die Weine in der Jugend etwas stark nach Holz, aber im gereiften Zustand sind sie unglaublich gut. Ich habe den Anteil neuer Barriques jedoch deutlich reduziert. Früher lag er bei 50, später bei 40 Prozent, momentan bin ich bei 20 Prozent. Aber wenn ich heute meine 1995er, 1998er oder 1999er trinke, schmecken sie wunderbar. Vielleicht habe ich Fehler gemacht, aber die Wahrheit liegt natürlich im gereiften, entwickelten Wein.

Wir haben in Gigondas sehr frische Weine und das kann gut zum Barrique passen. In Châteauneuf-du-Pape ist das sehr schwierig. Die ph-Werte sind hoch, die Trauben sehr reif und der Kalkstein fehlt. Deswegen ist dort die Tradition auch beim grossen Holzfass. Ich habe selbst versucht, einen guten Châteauneuf-du-Pape im Barrique auszubauen und es hat einfach nicht funktioniert.

Weinwisser: Aber braucht der Wein in Gigondas überhaupt das Barrique, um besser zu werden?

Louis Barruol: Manchmal ja. In Burgund ist das Barrique üblich und es funktioniert dort sehr gut. Das hängt mit dem Terroir zusammen. Auch Côte Rotie braucht etwas neue Eiche und es gibt phantastische Beispiele dafür. In meinen Handelsaktivitäten mache ich seit 1997 auch Côte Rotie. Ich denke, dort läuft das gut. In Gigondas sollte das nicht jeder machen. Je höher die Lagen sind, desto besser funktioniert es. Mit sehr reifen, wuchtigen Gigondas produziert, wird es nicht gut gehen. Es kommt auf den richtigen Umgang an.

Weinwisser: War der Einsatz des neuen Holzes nicht auch eine Frage des Marktes?

Louis Barruol: Ich denke nicht an den Markt, ich denke an den Wein. Ich glaube, es ist völlig verkehrt zu sagen: «Der Verbraucher möchte Vanille haben, deswegen lege ich meinen Wein in neue Barriques». Dieser Weg ist fürchterlich, aber er wurde beschritten, sogar in Gigondas. Als Winzer möchte ich den Weg finden, der für meinen Wein am besten  ist, um seine charakterlichen Merkmale herauszustellen. Den bestimme aber nicht ich, sondern der Wein.

Weinwisser: Stichwort Markt. Welches sind die wichtigsten Märkte für den Gigondas?

Louis Barruol: Unser wichtigster Markt ist bei weitem Frankreich, mit Abstand gefolgt von der Schweiz und Belgien. Dann kommen Grossbritannien, die Vereinigten Staaten, Deutschland und auch Dänemark. Die anderen sind sehr klein. Das gilt auch für China, Japan und Russland.

Wir sind seit 3 Jahren mit qualitativ sehr hochwertigen Veranstaltungen für Professionals im Ausland aktiv; nach New York, London, Brüssel kommen Deutschland und Dänemark. Später dann vielleicht China, aber unser Absatz dort ist winzig. China ist Bordeaux-orientiert, die Rhône kommt nur allmählich in den Fokus.

Weinwisser: Können Sie am Ende unseres Gesprächs noch etwas zu den Jahrgängen seit 2012 sagen?

Louis Barruol: 2012 ist ein sehr guter Jahrgang. Viele Journalisten haben ihn als okay bezeichnet, aber ich denke, das ist ein Fehler. In den 1970ern hätte man 2012 für einen phantastischen Jahrgang gehalten. Für mich ist er schlichtweg klassisch: Frucht, Tannine, Balance, Tiefe, Solidität, Dichte, Spannung – er hat alles. Und ich denke, die Zeit wird das beweisen. Er ähnelt 1999 und 1985. Wenn wir ihn in 15 bis 20 Jahren öffnen, werden wir sagen: Oh, was für ein grosser Wein! Da bin ich mir ganz sicher.

2013 war für die Grenache katastrohal, wir verloren nach einer sehr schlechten Blüte 50 Prozent. Folglich enthalten die Cuvées viel mehr Mourvèdre und Syrah als üblich. Sie sind eher einfach, mit kantigen Tanninen, nicht sehr zugänglich und etwas streng. Es war dennoch kein schlechter Jahrgang. Er wird gut altern und seine Strenge verlieren.

2014 ist, um die Wahrheit zu sagen, ein Jahrgang mit hohen Erträgen und sehr heterogenen Weinen. Man findet mittelmässige, durchschnittliche Weine, aber auch grosse. Bei Gütern, die scharf ausgelesen haben, gibt es ein paar wirklich gute Weine.

Ich sage Ihnen die Wahrheit, denn ich mag es nicht, wie es etwa in Bordeaux geschieht, wo am Ende jeder Jahrgang als gross erklärt wird. Die Wahrheit kommt trotzdem ans Licht. Wir hoffen jetzt natürlich, dass 2015 ein grosser Jahrgang wird. Es wäre wirklich Zeit dafür.

Weinwisser: Monsieur Barruol, ich danke Ihnen für das sehr interessante und offene Gespräch!

Beitrag und Foto: Dr. Stefan Krimm

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.